„Zerrissene Erde“ von N. K. Jemisin

Was. Für. Ein. Buch! „Zerrissene Erde“ von Nora K. Jemisin nahm mich ab der ersten Seite gefangen und ließ mich erst lange nach der letzten wieder los. Am zweiten Leseabend war ich sterbensmüde und wollte nur noch kurz zehn Seiten lesen – anderthalb Stunden später habe ich zum ersten Mal wieder auf die Uhr gesehen. Nach meinem dritten Leseabend habe ich von dem Buch geträumt. Und als ich fertig mit Lesen war, war ich erstmal auch fertig mit den Nerven. Was ist an diesem Buch so besonders?

Die „Broken Earth“-Trilogie wurde in drei aufeinander folgenden Jahren mit dem Hugo Award ausgezeichnet, einem der bedeutendsten Literaturpreise für Werke der Science Fiction und Fantasy. Ich hätte also erahnen können, was mich erwarten würde. Trotzdem war ich nicht vorbereitet, als ich „Zerrissene Erde“ endlich von meinem Stapel ungelesener Bücher nahm, wo es über ein Jahr gelegen hatte.

Zerrissene Erde | Autorin: N. K. Jemisin | Übersetzt von: Susanne Gerold
Verlag: Knaur | Erschienen am: 01.08.2018 | Seiten: 496

Das Ende der Welt

„Wenn wir sagen: „Dies ist das Ende der Welt“, ist das für gewöhnlich eine Lüge, denn dem Planeten geht es immer noch gut.
Aber hier geht es darum, wie die Welt endet. […]
Zum letzten Mal.“

S.23

Die Geschichte spielt in einer Welt, die im Sterben liegt. Die Menschheit versucht sich so gut es geht auf immer wiederkehrende „Fünftzeiten“ vorzubereiten: durch seismologische Aktivität ausgelöste und mindestens sechs Monate andauernde Winter. Diese Fünftzeiten haben schon viele vergangene Zivilisationen ausgelöscht. Nun hat sich in der Hauptstadt Yumenes die Erde geöffnet und die ganze Stadt ausgelöscht. Der Himmel verdunkelt sich, das ganze Land wird von Erdbeben geschüttelt und die Menschen ahnen, dass dies eine schlimmere Fünftzeit sein könnte, als alle vorhergehenden.

Unter diesen Vorzeichen begleiten wir drei Personen – ein Kind und zwei Frauen – bei dem Versuch, in dieser feindseligen Umgebung irgendwie zu überleben. Alle drei sind Orogene: Sie sind mit der Erde verbunden, können Erdbeben verhindern und mit entsprechendem Training die Erde auch als Waffe benutzen. In der Bevölkerung sind Orogene gefürchtet und gehasst. Werden sie nicht rechtzeitig von Wächtern gefunden und zum Training in die Hauptstadt gebracht, endet die erste Zurschaustellung ihrer Kräfte häufig in einem eingeschlagenen Schädel.

Aber auch in der Hauptstadt sind Orogene höchstens Bürger*innen zweiter Klasse. Ihre Fähigkeiten werden zwar benötigt, aber unter der rücksichtslosen Aufsicht der Wächter müssen sie unter sklavenähnlichen Zuständen zurechtkommen. Davon erzählen die drei Handlungsstränge sehr eindrücklich.

Nicht nur exzellentes Worldbuilding

Die Beschreibung der Welt fühlt sich wie aus einem Guss an mit ihren Relikten untergegangener Zivilisationen, dem Kastensystem in den Städten und Dörfern und den seismologischen Gefahren. Jemisin findet für mich genau die richtige Mischung aus Andeutung, Erklärung und Geheimnis, so dass ich tief in die Welt von Syenit, Damaya und Essun eintauchen konnte.

Das ist aber noch nicht alles. Meisterhaft wechselt das Tempo der Erzählung zwischen ruhigeren und kommunikativen Etappen und schnellen actionreichen Passagen hin und her. Es gab keine Längen in der Erzählung, jederzeit hatte ich den Drang, unbedingt weiterlesen zu müssen, weil ich wissen wollte, was als nächstes passiert.

Und was soll ich sagen, die Charakterentwicklung sorgt für die ein oder andere Überraschung, die ich lange nicht kommen sah. Um es kurz zu machen: Ein besonderes, grandioses, einzigartiges Buch und es erhält von mir 5 von 5 Lesezeichen (juhu, neues Bewertungssystem!).

Bewertung: 5 von 5 Lesezeichen

Band zwei „Brennender Fels“ erscheint übrigens am 03.02. auf Deutsch, wenn das mal kein Grund zum Feiern ist? Also worauf wartet ihr noch? Ab in die Buchhandlung und direkt beide Teile eingepackt! Wie, ihr seid noch nicht überzeugt? Dann schaut mal in die Rezension von Elisa von reisenderbuecherwurm.com. Sie schreibt nämlich, „Zerrissene Erde“ sei „einer der besten Fantasyromane, die [sie] je las.“ Bleibt nur noch die Frage: Ist das jetzt Fantasy? Oder Science Fiction? Oder beides?

Der Song zum Buch

6 Kommentare zu „„Zerrissene Erde“ von N. K. Jemisin“

  1. Oh ich wusste gar nicht, dass das Buch inzwischen auch auf Deutsch erschienen ist, das freut mich! Ich fand es auch richtig grandios und spannend und eben ganz anders als alles andere. Außerdem war es so toll wie die Perspektiven am Ende zusammengekommen sind. Band 2 hab ich auch schon gelesen, den fand ich etwas schwächer, aber Band 3 wartet noch auf mich 😀

    1. Liebe bibliophile Superheldin,

      Band zwei und drei warten ebenfalls auf meinem SuB darauf, gelesen zu werden. (Leider) gibt es davor noch die ein oder andere Verpflichtung, die gelesen werden muss, bevor ich mich darauf stürzen kann. Manchmal denke ich ein wenig wehmütig an die Zeit vor meinem Blog zurück, als ich noch komplett frei bezüglich meines Leseinteresses war… andererseits hat der Blog meinen Lesehorizont doch schon bedeutend erweitert.

      Liebe Grüße,
      Nico

  2. SACH MAL! Willst du mich fertig machen? Meinen SuB Abbau boykottieren? Ich muss dich aus meinem Feedly-Reader löschen, wenn das so weiter geht *lach
    Wieder ein Buch für meine Wunschliste – können die nächsten vorgestellten Titel bitte Flops sein? Mein SuB dankt hehe

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