„Wild Card“ von Nina Casement

Eine Dystopie lesen, wenn gleichzeitig eine Pandemie vor der Haustüre wartet? Wenn sie gleichzeitig ein Roadtrip ist und uns auf eine Reise quer durch Europa nimmt, warum nicht?

Wild Card | Autorin: Nina Casement | erschienen im Selfpublishing bei bod
Seiten: 384 | Erschienen am: 25.10.2020 | Werbung: Rezensionsexemplar

Vom Ende der Welt

CN: Gewalt gegen Menschen und Tiere, Tod, Kannibalismus

Niemand will es wahrhaben und von denen, die es wissen, wird die Tatsache lange totgeschwiegen: Ein Meteorit rast auf die Erde zu und der Aufschlag wird nicht zu verhindern sein. Kores Eltern sind gerade im Urlaub in Amerika und so schließt sich Kore schlussendlich allein in Erwartung des Weltuntergangs im Bunker ihres Onkels ein. Erst, als ihr Monate später die Nahrungsmittel auszugehen drohen, öffnet sie zum ersten Mal die Bunkertür. Die Zerstörung übertrifft all ihre Befürchtungen. Und so macht Kore sich auf die Suche nach Essen, Trinken und anderen Menschen, nur mit ihren Füßen und einem großen Rucksack ausgestattet. Was sie nicht weiß: Aus ihrer Suche wird ein Roadtrip, der sie nicht nur nach Frankreich und Spanien führt.

Die zerstörte Erde ist dabei allgegenwärtig: Durch die Druckwelle zerstörte Städte, durch Flutwellen weggespülte Küsten, zerstörte Atomkraftwerke, Strahlung, … In der Danksagung am Ende des Buches habe ich gelesen, dass für die Folgen eines Meteoriteneinschlags die Simulation einer Universität genutzt wurde. Ich wollte so einen Aufprall ebenfalls einmal simulieren, leider basiert die Webseite auf Flash, was von meinen Browsern nicht mehr unterstützt wird und für einen Workaround war ich zu faul. Jedenfalls lesen sich die weltuntergangsähnlichen Folgen des Einschlags sehr logisch und nachvollziehbar.

Trotzdem gibt es vereinzelte Überlebende. Dass (nicht nur) in Krisenzeiten der Mensch dem Menschen ein Wolf sein kann, findet Kore schnell heraus. Beim Lesen habe ich durchaus Vibes von “The Walking Dead” und “The Last of Us” (aber ohne Zombies!) gefühlt. Zum Glück wird Kore vorsichtig und wehrt sich verbissen gegen alles, was die lebensfeindliche Welt ihr entgegen wirft. Dabei bleibt der Ton von “Wild Card” nicht ununterbrochen düster, gerade die bissigen Kommentare von Kores Begleiterin Chloe lockern die Stimmung immer wieder auch auf.

Urlaub in der Postapokalypse

Dank Corona sind wir momentan in unserer Bewegungsfreiheit ein wenig eingeschränkt, da war es schön für mich, zumindest beim Lesen mit Kore einen Roadtrip zu machen. Ich muss aber zugeben: Dank der Apokalypse haben sich viele Sehenswürdigkeiten doch ein klein wenig verändert. Die neuen Hingucker: In der Nacht vor Strahlung leuchtende zerstörte Atomkraftwerke! Wer will da nicht mal einen Blick wagen?

Das Buch liest sich spannend und ich bin gerne bis zum Ende bei Kores verzweifeltem Überlebenskampf dabei geblieben, wenngleich ein paar kleinere Dinge meine Freude ein wenig trübten. Da wäre zum Beispiel der “Zauberrucksack”, der wohl ein Loch in eine Paralleldimension war, so viel wie da rein passte: Feuerholz, Nahrungsmittel, Wasser, Medikamente, Wechselkleidung, Zelt, … Wer schon mal eine mehrtägige Wanderung gemacht hat, weiß um die Schwierigkeiten des Rucksackpackens. Für einen verhungernden und kraftlosen Menschen muss jeder Meter mit diesem Rucksack eine riesiger Kraftakt sein.

Das hat allerdings mein Lesevergnügen nur minimal getrübt. Kores Abenteuer waren so spannend und die zerstörte Welt so eindrücklich dargestellt, dass ich weder mit dem Lesen aufhören konnte, noch wollte. Für diesen postapokalyptischen Roadtrip und die Rettung aus den eigenen vier Wänden verleihe ich “Wild Card” vier von fünf Lesezeichen.

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