Wie finde ich mich in Comicreihen zurecht?

Dieser Beitrag ist Teil des Themenmonats #Comicmärz

Ein ziemlich langer Abschnitt meines Lebens verlief ehrlicherweise comicfrei. Erst in den letzten Jahren habe ich meinen Weg zurück zu den Comics gefunden, von denen ich als Kind so fasziniert war. Als Quereinsteiger allerdings stellten sich für mich nicht unwichtige Fragen:

Bei einigen Comicreihen ist die Antwort einfach: Bei Band 1. Funktioniert zum Beispiel bei Neil Gaimans Sandman oder auch bei den Doktor Aphra Comics aus dem Star Wars Universum. Bei den beiden großen Comiclabels DC und Marvel wird es schwieriger. Einige Helden, Batman zum Beispiel, existieren seit 80 Jahren! In der Zwischenzeit wurden unzählige Comics veröffentlicht, es gibt Paralleluniversen, Crossover, Restarts… Allein die aktuellen Veröffentlichungen muten chaotisch an: Batman Black Label, Batman Graphic Novel Collection, Batman Damned, Batman Detective Comics, …

Wie soll frau* denn da jemals den Durchblick bekommen? Für mich sah das alles erstmal wie ein Dickicht aus: undurchdringlich und unmöglich zu entwirren. Ich habe dann aber etwas gefunden, das mir weitergeholfen hat: Es gibt Comic-Anthologien, die ausgewählte Comics aus der gesamten Geschichte einer Figur sammeln. In Infotexten wird die Geschichte einer Figur zwischen den verschiedenen Comicreihen erklärt, mitsamt Hintergrund zur zeitlichen Einordnung und Bemerkungen zu den Autor*innen und Illustrator*innen. Diese Anthologien gibt es glücklicherweise zu ziemlich vielen Figuren: Batman, Superman, Aquaman, Wonder Woman, Black Widow, dem Joker, … Und auch die Justice League, die Avengers und die X-Men werden nicht ausgespart. Drei dieser Anthologien habe ich für den #ComicMärz bereits gelesen:

Die Batman Anthologie

1939 hatte Batman seinen ersten Auftritt. Anfangs noch Bat-Man genannt und als Gegenkonzept zu Superman entworfen, wurde er schon nach kurzer Zeit zum heute bekannten Batman. Und auch seine Origin-Story – die reichen Eltern werden bei einem Raubüberfall getötet – konnte sich aus der Anfangszeit in die Gegenwart retten. Natürlich gab es auch bei Batman Veränderungen: Kommissar Gordon wurde jünger (wohl ein Verwandter von Benjamin Button), die Robins an seiner Seite wechselten und Alfred wurde innerhalb eines Urlaubs (Comics 83, Januar 1944) vom dicken und gemütlichen Butler zu einem sportlichen und athletischen Helfer Batmans.

Leider ist in der Batman Anthologie nur wenig Platz für Batmans nicht weniger ikonische Gegenspieler*innen. Aber was soll’s, schließlich gibt es noch eine weitere Anthologie zu Batmans berühmtesten Gegner*innen.

Die Deadpool Anthologie

Am Anfang war Deadpool, mit bürgerlichem Namen Wade Wilson, nur ein weiterer Auftragskiller und Antagonist im Marvel Universum. Seine ersten Auftritte hatte Deadpool in den späten 80er Jahren als Gegner von Cable und der X-Force, einem Ableger der X-Men. Seinen heute so charakteristischen Humor suchte frau* damals noch vergeblich. Erst 1997 mit Autor Joe Kelly begann die Glanzzeit des Helden mit der großen Klappe. Nach Comicmaßstäben ist Deadpool also fast noch ein Baby. Und weil damals niemand an eine große Zukunft Deadpools glaubte, hatte Autor Kelly die Narrenfreiheit, Deadpool zu einem abgedrehten und wahnsinnig witzigen Antihelden zu machen.

Der unerwartete Erfolg gab ihm Recht und sicherten Deadpool auch Auftritte in vielen anderen Serien, zum Beispiel in Spiderman und beim Punisher, sowie in vielen Crossover Events. Wer weiß, vielleicht taucht Wade auch bald bei den Avengers auf?

Die Captain Marvel Anthologie

Die bewegteste Geschichte der drei vorgestellten Anthologien hat wohl Captain Marvel vorzuweisen. Carol Danvers, die heutige Captain Marvel, wurde ursprünglich als love interest des außerirdischen Kree-Soldaten Mar-Vell – der erste Captain Marvel – eingeführt. Durch einen Unfall erlangte Carol Danvers Superkräfte und wurde zu Ms. Marvel. Zwischendurch tauschte sie ihr Kostüm, verschwand in der Versenkung, wurde zu einer anderen Superheldin namens Binary und nahm schließlich wieder als Ms. Marvel einen Platz bei den Avengers ein. Erst 2012 unter Autorin Kelly Sue DeConnick akzeptierte Carol Danvers ihr Erbe und nahm die Identität Captain Marvel an. Sie wurde zwischenzeitlich Teil der Guardians of the Galaxy und datete War Machine, den Freund von Iron Man. 2018 kam sie dann zu den Avengers zurück. Ziemlich unübersichtlich das Ganze und ohne die Infos aus der Anthologie schwer zu rekapitulieren.

Besonders an Captain Marvel ist aber auch ihre feministische Bedeutung: Anfangs ein Duplikat von Superman und eine Verkörperlichung patriarchaler Ideale, emanzipierte sich Captain Marvel von den Wurzeln und wurde zu einer Superheldin, die nicht auf die Hilfe anderer (Männer) angewiesen ist, die sich nicht versteckt, sogar zur Anführerin wird und ihren Wünschen nach Selbstverwirklichung nachgeht, ohne sich von der Meinung anderer zurückhalten zu lassen. Captain Marvel ist eine Superheldin, mit der ich mich in Zukunft auf jeden Fall noch weiterhin beschäftigen werde.

Wie habt ihr euch zurechtgefunden? Wenn ihr andere Ideen oder Möglichkeiten kennt, schreibt sie gerne in die Kommentare =)

5 Kommentare zu „Wie finde ich mich in Comicreihen zurecht?“

  1. Schönen guten Morgen Nico!

    Das ist natürlich eine ganz tolle Idee, das Einsteigen zu erleichtern.
    Ich hab mich ja noch immer nicht so recht überwunden, mit Comics anzufangen bzw. überhaupt danach Ausschau zu halten – wie du schon sagst wird man damit dann regelrecht überflutet O.O

    Aber diese Anthologien sind definitiv eine tolle Idee!
    Ich hatte mir gedacht einfach in der Richtung zu schauen, die mich anspricht – Moriarty ist mir da schon öfter aufgefallen, als Sherlock Fan definitiv etwas, das mir sicher gefallen würde.

    Liebste Grüße, Aleshanee

    1. Liebe Aleshanee,

      ich habe das Gefühl, mit den klassischen Superheld*innen kannst du nicht so viel anfangen. Dann wären Comics kleinerer Verlage, zum Beispiel vom Splitter oder avant Verlag vielleicht etwas für dich. Mit abgeschlossenen Einzelbänden oder kurzen, übersichtlichen Reihen. Ich hoffe jedenfalls, du wagst den Schritt über den Tellerrand, die Comicwelt ist nämlich sehr vielfältig und bietet eigentlich für jeden Geschmack etwas 🙂

      Liebe Grüße,
      Nico

      1. Obwohl ich ja mittlerweile die Marvel Filme durchgesuchtet habe xD Also die mit Iron Man, Cpt Marvel usw … die fand ich teilweise wirklich absolut grandios!

        Aber ich denke, bei den Comics hast du recht, wäre es jetzt nicht so unbedingt mein Fall oder das, was mich besonders reizen würde. Vom Splitter Verlag seh ich immer wieder mal was, das mich ansprechen würde, Broceliande war da z. B. dabei.
        Allerdings muss ich gestehen, dass die für mich schon ganz schön teuer sind, insgesamt, also überhaupt … wobei ich natürlich schon weiß, dass es gerechtfertigt ist 😉

  2. Pingback: Captain Marvel (2018) - Die ganze Geschichte - Im Buchwinkel

  3. Pingback: Captain Marvel (2019) 1: Eine für alle, alle für eine - Im Buchwinkel

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