„Why We Matter – das Ende der Unterdrückung“ von Emilia Roig

Dieser Beitrag erscheint im Rahmen des feministischen September 2021

Im ersten Moment sagte mir der Name der Autorin, Emilia Roig, wenig. Erst auf den letzten Seiten von „Why We Matter“ fand ich heraus, dass Roig ein Wissenschafts-Star ist, die in Deutschland, Frankreich und den USA lehrt! Sie ist Politikwissenschaftlerin, Aktivistin und Gründerin des Center for Intersectional Justice und ich hatte sogar bereits etwas von ihr gelesen: In „Nerds retten die Welt“ wird Roig von Sibylle Berg zu Intersektionalität, Feminismus und Rassismus interviewt. Was sie dort anreißt, lässt sich in „Why We Matter“ deutlich ausführlicher und persönlicher nachlesen.

Why We Matter | Autorin: Emilia Roig | Verlag: Aufbau
Erschienen am: 25.02.2021 | Seiten: 397

Muster der Unterdrückung

In „Why We Matter“ spricht Emilia Roig von Mustern der Unterdrückung Zuhause und in der Schule, aber auch in den Medien, im Gerichtssaal und im Krankenhaus. Diese Muster betreffen nicht nur Frauen, sondern intersektional verschiedenste marginalisierte Gruppen.

Ihre Ausführungen zu Intersektionalität, Rassismus und Unterdrückung untermauert Roig mit persönlichen Erlebnissen. Ihre Mutter ist in Sri Lanka geboren, ihr Vater in Algerien, sie selbst bezeichnet sich als métisse, biracial. In Frankreich ist métisse besser als Schwarz und weiß besser als métisse. Roig erzählt vom Aufwachsen in einer rassistischen Familie. Ihr Großvater väterlicherseits war in der rechtsextremen Front National von Marine Le Pen sehr aktiv und wetterte bei vielen Anlässen gegen Schwarze Menschen. Gleichzeitig liebte er auch seine biracial Enkelkinder und blendete deren Hautfarbe aus.

Das Persönliche ist politisch

Roigs persönliche Erfahrungen hauchen den teils trockenen Theorien, zum Beispiel zur Abschaffung von Polizei und Gefängnissen, Leben ein. Wann immer es auch um Persönliches geht, entwickeln ihre klaren Worte einen Sog und eine Strahlkraft, die das Buch für mich leider nicht immer hatte. Einzelne Passagen empfand ich als zu theoretisch, das hat mich nicht abgeholt, da musste ich mich durchbeißen. Diese Passagen halten sich allerdings in Grenzen und so hält das letzte Kapitel, nachdem verschiedenste Muster von Unterdrückung aufgezeigt wurden, auch ein wenig Hoffnung bereit. Vielleicht schaffen wir es ja nach und nach, diese Strukturen aufzulösen. Schließlich ist der Titel des Buches auch ein Handlungsaufruf, wie ich in der taz gelesen habe:

„Why we matter“. Das kann heißen: Warum wir wichtig sind / etwas zählen. Es kann aber auch so viel heißen wie: Warum es auf uns ankommt. So ist der Titel mindestens zweierlei: Anlehnung an den Slogan „Black Lives Matter“; er kann aber auch als Handlungsaufruf gelesen werden. Wer, wenn nicht Schwarze und PoC könnten die zirkulierenden Diskurse über „Rasse“, Klasse und Wissen um eine andere Perspektive bereichern?taz.de/Buch-Why-we-matter/!5749899/

Auch wenn ich nicht jedes Statement von Roig unterschreiben würde (ihren Standpunkt zur Shoah kann ich nicht vertreten), so ist „Why We Matter“ doch ein lesenswertes Buch, das vielleicht dazu beitragen kann, durch das Sichtbarmachen von Unterdrückungsmechanismen zu deren Dekonstruktion beizutragen. Puh, langer Satz. Um es kurz zu machen: Von mir gibt es 4,5 von 5 Lesezeichen. Wer sein Wissen über Intersektionalität, Rassismus, Feminismus und patriarchale Strukturen vertiefen möchte, dem sei „Why We Matter“ sehr ans Herz gelegt.

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