„We are Feminists – Eine kurze Geschichte der Frauenrechte“

Dieser Beitrag erscheint im Rahmen des feministischen September 2020

Ein Buch über die Geschichte der Frauenbewegung habe ich im Juli schon gelesen: „Die illustrierte Geschichte der weltweiten Frauenbewegung“ ist ein interessantes Buch, für das ich aber auch Kritikpunkte hatte: Zu zentriert auf den englischsprachigen Raum, teils langatmig, wenig Raum für queere Themen. Da war ich gespannt, was „We are Feminists“ besser macht.

We are Feminists – Eine kurze Geschichte der Frauenrechte | Texte: Jessica Payn
Illustrationen: Rebecca Strickson | Design: Natalie Clay | Verlag: Prestel
Erschienen am: 04.09.2019 | Seiten: 128

Das erste große Fragezeichen findet sich für mich schon auf dem Cover: Aha, Margarete Stokowski hat das Vorwort geschrieben. Bekannter Name, sorgt sicher für zusätzliche Verkäufe. Aber wer ist die Autor*in? Wurde das Buch übersetzt? Wer ist für die Illustrationen verantwortlich? Auf dem Cover lässt sich nichts finden, auch die Webseite des Verlags listet das Buch unter Margarete Stokowski und Rebecca Strickson. Anzumerken ist aber, dass Stokowski nur zwei der kleinen Seiten des Buchs geschrieben hat. Und Strickson war lediglich für die vier Illustrationen zu den Kapiteln verantwortlich.

Auf der letzten Seite des Buchs finden sich immerhin ein paar Hinweise. Jessica Payn war für die Texte verantwortlich. Ein Verlagsservice für die Übersetzung. Und Natalie Clay für das Design. Ehrlicherweise finde ich es zumindest seltsam, dass diese Infos so schwer zugänglich sind und dass stattdessen mit anderen „bekannteren“ Namen für den Titel geworben wird.

Etwas Licht

Inhaltlich hält das Buch, was es verspricht. „We are Feminists“ ist eine kurze und prägnante Faktensammlung zur Geschichte der Frauenrechte. Eingeteilt ist das ganze grob in die drei Wellen des Feminismus und dargestellt in doppelseitigen Infografiken (siehe Foto oben). Die Infos geben einen groben Überblick und decken verschiedene Schwerpunkte ab, zum Beispiel zu feministischer Literatur oder Frauen in der Forschung.

Ebenfalls hervorheben möchte ich den Versuch, das Geschehen weltweit abzubilden. So wird zum Beispiel die japanische Frauenrechtlerin Hiratsuka Raichō vorgestellt. Und in der Infografik zum Recht auf eigenen Besitz für Frauen finden sich unter anderem auch Island (ab 1850), Chile (ab 1925) und der Irak (ab 1959). Dieser weltweite Fokus fehlte ja im letzten Buch zur Geschichte der Frauenbewegung, das ich gelesen habe.

Viel Schatten

Kurz und prägnant ist generell ja nicht schlecht. Aber mir fehlt da zu oft der Kontext. Ich konnte mit den Fakten für sich genommen manchmal zu wenig anfangen. Was bringt mir zum Beispiel die Info, dass 1911 in Shanghai die „Allianz für das Frauenwahlrecht“ gegründet wurde, ohne jedwedes Wissen darüber, wie deren Wünsche bei Bevölkerung und Regierung ankamen und ob diese Allianz etwas erreicht hat?

Außerdem fehlen queere Themen komplett in dem Buch. Klar, der Untertitel besagt, dass eine „Geschichte der Frauenrechte“ erzählt werden soll. Und Intersektionalität wird auch angesprochen. Aber für mich ist ein moderner Feminismus undenkbar ohne die Inklusion queerer Themen, wie etwa nonbinären Geschlechtsidentitäten oder sexuellen Orientierungen abseits der Heteronormativität. Das alles hat es leider nicht ins Buch geschafft.

Was außerdem fehlt, ist das Gendersternchen*. Wobei es mir gar nicht um das * an sich geht, schließlich gibt es auch andere Möglichkeiten, geschlechtergerecht zu schreiben (Dazu gibt es hier auf dem Blog bald ein sehr spannendes Interview mit einer Autorin. Schaut am 10. September noch einmal rein!). Aber wenn ich bei einer Aufzählung der Women‘s Marches 2017 nur von „Teilnehmern“ lese, dann ärgert mich das schon. Wenn in feministischer Literatur nicht sensibel mit Sprache umgegangen wird, wo dann? Bleibt zu vermerken, dass immerhin großteils auf generische Maskulina verzichtet wurde.

Das Warten geht weiter

Und so geht für mich das Warten auf eine richtig gute Zusammenfassung der Geschichte des Feminismus weiter. Falls ihr da was in der Hand habt, von dem ich nichts weiß – empfehlt es mir gern in den Kommentaren! „We are feminists“ erhält von mir 2,5 von 5 Lesezeichen.

4 Kommentare zu „„We are Feminists – Eine kurze Geschichte der Frauenrechte““

  1. Hallo Nico,
    das ist aber sehr schade, dass das Buch weit von dem zurückliegt, was du (ich und andere) dir davon erwartet hast.
    Deine Kritikpunkte verstehe ich voll und ganz und unterstütze deine Wünsche. Gerade bei solchen Themen müsste eigentlich genug Sensibilität sein, mindestens auf die Sprache zu achten. Es gibt noch so viel zu tun…
    Ich wollte ja gerne am -femtember- mitmachen, aber zeitlich schaffe ich nicht all die feministischen Bücher, die ich dafür lese würde. Falls ich einen Betrag hierzu habe, werde ich sehr gerne auf die Aktion verlinken.
    GlG, monerl

    1. Hallo Monerl,
      ist doch vollkommen in Ordnung, wenn du es zeitlich nicht schaffst =) Ich freue mich auf jeden Fall sehr auf dich als Leserin. Falls du einen passenden Beitrag schreibst, lese ich ihn sehr gerne.

      Und bis dahin warten wir gemütlich darauf, dass irgendwann ein gutes Buch über die Geschichte des Feminismus erscheint =)

      Liebe Grüße,
      Nico

  2. Hey Nico,

    ich habe das Buch um einiges besser bewertet als du, kann deine Kritikpunkte aber sehr gut nachvollziehen und sehe das Büchlein dadurch auch nochmal anders. Danke dafür!
    Auch ich habe lange nach einer wirklichen Autor*in gesucht und war auch nicht so zufrieden damit, dass mit Stokowskis Namen da so Werbung gemacht wird. Fand ich alles ganz komisch, um ehrlich zu sein.

    Liebe Grüße
    Anja

    1. Hallo Anja =)
      ja, das kommt mir immer noch seltsam vor. Es gibt so viele Bücher von unbekannten Autor*innen, ich weiß nicht, warum das in diesem Fall komplett weggelassen wurde. Das mit dem Vorwort von Margarete Stokowski kann ja trotzdem auf dem Titel stehen, auch wenn ich das Vorwort ein wenig mickrig fand, diese zwei Miniseiten. Im Endeffekt kam mir das beinahe ein wenig wie Kund*innentäuschung vor.

      Viele liebe Grüße,
      Nico

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