„Wasteland“ von Judith C. Vogt & Christian Vogt

Oder: Wie schreibe ich einen Roman in gendergerechter Sprache?

Dieser Beitrag erscheint im Rahmen des feministischen September 2020

Wir schreiben das Jahr 2064. Große Teile der Welt wurden durch biologische Kampfstoffe verseucht, sind nicht mehr bewohnbar, nur noch „Wasteland“. Das übrige Gebiet haben gewalttätige Gangs unter sich aufgeteilt, die andere mit toxischem Verhalten unterdrücken. Ziemlich dystopisch also, das Ganze. Gleichzeitig bietet die Geschichte von Judith und Christian Vogt aber auch eine utopische Aspekte, die durchaus zum Träumen anregen.

Wasteland | Autor*innen: Judith C. Vogt & Christian Vogt
Verlag: Knaur | Erschienen am: 01.10.2019 | Seiten: 400

Handgebunden

Ein Großteil der Handlung spielt sich im und um den Handgebunden-Markt ab. Der heißt so, weil beim Besuch eine Hand an den Oberschenkel gebunden wird. Prügeleien werden dadurch ziemlich schwierig, was den Markt zu einem neutralen Ort des Handelns macht. Die herumreisende Laylay und ihr Vater treffen hier auf Marktbewohner Zeeto, der sich durch einen Unfall im verseuchten Gebiet die Wasteland-Krankheit zugezogen und nicht mehr lange zu leben hat. Von seinem Ausflug mitgebracht hat er ein Baby – offenbar kerngesund. Das Baby weckt Begehrlichkeiten, nicht nur seitens der Turf-Gang, die das Gebiet kontrollieren, auf dem der Markt steht und die auf einem riesigen Schaufelbagger wohnen.

Mehr soll zur Handlung gar nicht verraten werden, obwohl die Prämisse spannend ist und die Geschichte durchaus die ein oder andere Wendung zu bieten hat. Noch viel bemerkenswerter an „Wasteland“ ist nämlich die Sprache.

Wie sind deine Pronomen?

Schon ganz zu Anfang wird die Anführerin einer Motorrad-Gang als „die Chef“ tituliert. Figuren stellen sich vor und nennen gleich ihre Pronomen mit, denn binäre Geschlechter sind Vergangenheit. Shans Pronomen sind zum Beispiel ser/sir.

Außerdem findet sich im gesamten Buch kein einziger Plural im generischen Maskulinum. Wow! Ich bin absolut begeistert! Das ist der utopische Aspekt an „Wasteland“, den ich vorher angesprochen habe. Ein Roman in gendergerechter Sprache. Ein riesengroßer Stinkefinger im Gesicht all derer, die meinen, Gendern mache unsere Sprache kaputt. Über Judith C. Vogts Beweggründe und Motivation kann frau* übrigens auch mehr in dem Interview lesen, das sie mir dankenswerterweise gegeben hat.

Und das ist noch nicht einmal alles. In „Wasteland“ gibt es außerdem:

  • eine gute Prise Humor
  • eine romantische Beziehung, in der sich niemand wie ein Arsch verhält
  • kreative Schimpfwörter
  • realistische Sexszenen
  • keine Stigmatisierung von psychischen Krankheiten
  • uuuuuund… eine Stadt auf einem Schaufelbagger!

Also worauf wartet ihr noch? Schlagt zu und helft mit, gendergerechte Sprache in Romanen salonfähig zu machen! „Wasteland“ erhält von mir auf jeden Fall 5 von 5 Lesezeichen! Und auf meinem Stapel ungelesener Bücher liegt schon die neueste Geschichte der beiden Autor*innen: Ace in Space.

Der Song zum Buch

4 Kommentare zu „„Wasteland“ von Judith C. Vogt & Christian Vogt“

    1. Meiner erschlägt mich jetzt schon… Ich werde auf absehbare Zeit keine Rezensionsexemplare mehr annehmen und nur noch die allerbesten Bücher zusätzlich kaufen. Sonst komme ich auch nie zu den Büchern, die ich schon lange unbedingt lesen will…

  1. Wow, das mit der Sprache klingt echt spannend und ich setze das Buch auch gleich mal auf die Wunschliste. Mit den verschiedenen Pronomen tue ich mir ehrlich gesagt noch recht schwer sie selber zu benutzen, aber das ist sicher reine Gewohnheit.
    (mit dem SuB geht es mir gleich wie euch, ich pendel mich gerade bei 200 Büchern ein… *hust* wo sind die denn nur alle hergekommen?)

    1. *hust* keine Ahnung. Warum erscheinen auch immer so viele gute Bücher jeden Monat? Das ist das eigentlich Schlimme!

      Mir geht es auch so, dass manche sprachliche Veränderungen sich erst einmal ungewohnt anfühlen. Ich bekomme zum Beispiel die kurze Pause als Markierung des Gendersternchens noch längst nicht immer zufriedenstellend hin. Aber je häufiger es verwendet wird, desto normaler wird es =)

      Liebe Grüße,
      Nico

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Scroll to Top