“Trip mit Tropf” von Josephine Mark

Dass Comics viel mehr sind als bloß ein Nischenthema für Nerds, kommt langsam auch in der breiten Öffentlichkeit an. Steter Tropfen höhlt den Stein undso. Comics waren schon immer viel mehr als irgendwelche Superhelden, die sich gegenseitig verkloppen. Zum Beispiel ist gerade im noch jungen Kibitz Verlag, der sich auf Kindercomics spezialisiert hat, der Comic “Trip mit Tropf” erschienen. Im Zentrum der Geschichte: der Road Trip eines krebskranken Kaninchens – gemeinsam mit einem Wolf. Kein leichtes Thema für eine Kindergeschichte.

Trip mit Tropf | Text und Zeichnungen: Josephine Mark | Verlag: Kibitz Verlag
Erschienen am: 04.05.2022 | Seiten: 192
Werbung: Rezensionsexemplar

Ungewöhnliche Freunde

CN: Krebs, Haarausfall, Spritzen, Gewalt gegen Tiere, Ertrinken

Ein krebskrankes Kaninchen rettet mit seinem Tropf zufällig einen Wolf vor einer Gewehrkugel. Jetzt muss der Wolf dem Kaninchen ebenfalls das Leben retten – das besagt sein Wolfskodex. Also nimmt der Wolf das Kaninchen kurzerhand mit und kümmert sich für die Dauer der Chemotherapie um das arme Tier, meterlanger Medikamentenplan inklusive. Reibungslos läuft das Alles natürlich nicht ab, wäre ja langweilig. Und so treffen die beiden unter anderem auf den Jäger, aus dessen Gewehr die eingangs erwähnte Kugel kam, ein unbekanntes Wolfsrudel, eine Motorrad-Gang und eine Bärin.

Spannung, Spaß und… Pommes!

Der Comic verschweigt die Nebenwirkungen der Chemo nicht. Das Kaninchen wird immer schneller müde und sein Fell fällt aus. Trotzdem ist der Grundton des Comics heiter und einzelne Begebenheiten sind richtiggehend witzig. Der leicht griesgrämige Wolf hat es mir total angetan.

Jetzt ist es so, dass Humor und tödliche Krankheiten nicht immer zusammenpassen. Ein Witz über Krebs kann gerade für Betroffene schnell pietätlos sein. In meinem Augen gelingt “Trip mit Tropf” die Gratwanderung zwischen Ernst und Spaß aber ziemlich gut. Das liegt sicher auch daran, dass nie Witze über Krebs an sich gemacht werden, sondern der Humor durch die Situationen entsteht, in denen sich die beiden Protagonisten wiederfinden und durch die Wesensart des Wolfes.

Als Altersangabe für diesen Comic gibt der Verlag “ab 12” an, allerdings… glaube ich auch, dass schon jüngere Kinder mit dem Comic zurechtkommen und Ältere sowieso. Auch für Erwachsene eine tolle Geschichte, die ich nur empfehlen kann und die beim Lesen vielleicht auch ein klein wenig Mut und Durchhaltevermögen vermittelt.

In einem kurzen Nachwort dankt Autorin und Zeichnerin Josephine Mark allen, die sie auf ihrem Trip mit Tropf begleitet haben. Ich interpretiere da ein Stück weit eigene Traumabewältigung durch Comiczeichnen hinein. Auch das können Comics also sein: Hilfen für Lesende – und Zeichner*innen.

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