“Toubab – Zwei Münzen” von Núria Tamarit

Auf dem Cover des Comics “Toubab – Zwei Münzen” findet sich eine rothaarige weiße Frau inmitten Schwarzer Frauen, von denen viele ein Kopftuch tragen. Der Klappentext bezeichnet “Toubab” als preisgekrönte Ode an Toleranz und Offenheit. Das hat große Erwartungen in mir geweckt, aber auch ein wenig Sorge, ob der Comic diese Worten gerecht werden könne oder ob die Geschichte zu sehr in Stereotype und Vorurteile absinkt.

Toubab – Zwei Münzen | Text und Bilder: Núria Tamarit | Übersetzt von: Lea Hübner
Verlag: Reprodukt | Erschienen am: 14.02.2022 | Seiten: 128
Werbung: Rezensionsexemplar

Zwei Münzen

Mar ist eine medienaffine Teenagerin, die für drei Monate aus ihrem alltäglichen Leben herausgerissen wird. Sie soll ihre Mutter auf eine humanitäre Mission in den Senegal begleiten und beim Bau eines Kulturzentrums helfen. Bock hat sie darauf wenig. WLAN und fließend Wasser sind nicht vorhanden – die absolute Hölle für Mar. Nach und nach freundet sie sich mit Astou an. In der persönlichen Begegnung lösen sich die Vorurteile von beiden Seiten auf und Mars anfangs grenzenlose Naivität lässt irgendwann zumindest Grenzen erkennen. So bricht der Kontakt auch nach dem Ende der humanitären Mission nicht ab. Was es mit den titelgebenden zwei Münzen auf sich hat, sei aber an dieser Stelle nicht verraten. Dazu braucht es schon einen Blick in den Comic.

Zwei Herzen

Gezeichnet ist “Toubab” in kräftigen, oft erdigen Tönen, die Personen sind leicht stilisiert mit aufs Wesentliche reduzierten Gesichtszügen dargestellt. In vielen Panels wird der Blick erst einmal auf die farbenprächtig gemusterten Kleider der senegalesischen Frauen gelenkt, die sofort ins Auge stechen. Der Zeichenstil hat mir gut gefallen und alles in allem die Geschichte ansprechend untermalt, stellenweise hätte ich mir aber eine ausdrucksstärkere Mimik gewünscht, da ich die Gefühle nicht immer treffsicher herauslesen konnte.

Auch die Geschichte konnte mich nicht restlos überzeugen. Laut Klappentext schöpft die Autorin aus ihren persönlichen Erfahrungen, da sie 2017 selbst an einem humanitären Hilfseinsatz im Senegal teilnahm. Wie sehr der Senegal im Comic durch die Brille einer privilegierten weißen Person auf Hilfsmission portraitiert wird, vermag ich nicht zu sagen.

Die Message hinter der Geschichte, “Begegnung entkräftet Vorurteile”, finde ich gut dargestellt und überzeugend transportiert. Allerdings fühlte es sich für mich stellenweise wie eine “Überromantisierung” der senegalesischen Lebensverhältnisse dar. Zum Beispiel sagt Mar an einer Stelle zu Astou:

Ich hatte Angst herzukommen. Ich dachte, ich sehe hier Leute sterben. Leute, die verzweifelt unsere Hilfe erwarten. Aber manchmal denke ich… euch geht es besser als uns. Ja, sogar… ihr seid besser als wir. Ich weiß nicht.

Astou entgegnet etwas und relativiert die Aussage vielleicht, vielleicht auch nicht. Wie bei den Emotionen der Figuren blieb ich hier mit einigen Fragezeichen zurück. Wenn es tiefergehende Bedeutungsebenen gab, so haben sie sich mir nicht erschlossen.

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