The Witcher – Der Hexer Geralt von Riva

Ich gebe zu, ich kam über die Videospiele zu den Büchern und nicht umgekehrt. Fantasy aus Polen war mir damals nicht wirklich ein Begriff, die drei Spiele haben mich aber umso mehr begeistert. Nun hat sogar Netflix sich dem Stoff angenommen und eine Serie über den Hexer produziert. Gibt es noch jemanden da draußen, der mit Geralt von Riva überhaupt nichts anfangen kann? Dann folgen hier einige Infos.

Die Geschichte

Die Welt des Hexers ist an das Mittelalter angelehnt, voller Magie und Monster. Durch ein mysteriöses Ereignis, die Sphärenkonjunktion, drangen einst Ungeheuer aus einer anderen in Geralts Welt ein. Geralt selbst wurde seit seiner frühen Kindheit durch gewalttätige Experimente genetisch modifiziert und zum Hexer ausgebildet. Der Daseinszweck eines Hexers und der Grund für die grauenvolle Ausbildung ist das Töten der besagten Monster.

Hexer sind, genauso wie Elfen und Zwerge, bei den Menschen nicht sonderlich hoch angesehen, was Geralt oft am eigenen Leibe zu spüren bekommt. Er ist nicht mehr als ein notwendiges Übel, das gerufen wird, wenn eine Plage das Volk heimsucht. Nach Erledigung des Auftrages wird er aber auch gerne mit Heugabeln vor die Stadttore gejagt. Den Elfen und Zwergen geht es noch übler, sie stehen in der Hierarchie ganz unten und es kommt immer wieder zu Morden und Pogromen, die von den Ordnungskräften höchstens halbherzig verfolgt werden. Die Geschichten lassen sich also durchaus auch als Kommentar auf gesellschaftliche Strömungen und politische Verhältnisse lesen.

Geralt, nach außen hin zynisch und fatalistisch, aber im Inneren doch gut. Er versucht in dieser düsteren Welt zurechtzukommen, so gut es eben geht. Obwohl er eigentlich nicht das kleinere aus zwei Übeln wählen möchte, wird er immer wieder dazu gezwungen, denn in der Welt des Hexers ist selten alles so, wie es scheint und eine scharfe Trennung zwischen Gut und Böse schon gar nicht vorhanden.

Bei seinen Abenteuern trifft Geralt immer wieder auf Figuren, die ihn einen Teil seiner Reise begleiten und seine Entscheidungen beeinflussen. Rittersporn, der Barde und Frauenheld will von Geralt ein ums andere Mal aus einer misslichen Lage gerettet werden. Yennefer die Zauberin und Geliebte Geralts, deren Ansichten und Werte immer wieder zu Konflikten und Trennungen zwischen ihr und Geralt führen. Und schließlich Ciri, ehemalige Prinzessin eines zerstörten Königreiches und durch die Macht der Vorherbestimmung untrennbar mit Geralts Schicksal verbunden.

Die Bücher

Insgesamt acht Bücher sind seit 2007 auf Deutsch erschienen, 2 Kurzgeschichtenbände, eine Pentalogie und ein Einzelband, die einen tiefen Einblick in die Welt des Hexers Geralt von Riva geben. Aus gegebenem Anlass werden sie gerade in einer schönen neuen Edition von dtv erneut verlegt. Vom zeitlichen Ablauf her sieht das Ganze so aus:

Vorgeschichte

  • Der letzte Wunsch (Kurzgeschichten 1)
  • Das Schwert der Vorsehung (Kurzgeschichten 2)
  • Zeit des Sturms (Einzelband)

Pentalogie

  • Das Erbe der Elfen
  • Die Zeit der Verachtung
  • Feuertaufe
  • Der Schwalbenturm
  • Die Dame vom See

Mir war der Schreibstil stellenweise zu kalt und emotionslos, was ja durchaus zur Mentalität von Geralt passt, allerdings lassen sich die Bücher sehr schnell und flüssig lesen. Durch alle Medien hindurch sind mir die Charaktere sehr ans Herz gewachsen, weshalb ich immer wissen wollte, wie es weiterging und nach Beendigung aller Bücher doch wehmütig war. Immerhin hat Sapkowski 2018 einen neuen Einzelband im Witcher-Universum angekündigt. Es dürfte also in Zukunft neues Futter für Fans geben.

Die Spiele

Das erste der drei Spiele von CD Projekt Red erschien bereits 2007, habe ich gerade nachgeschlagen. Verrückt! Seit zwölf Jahren begleitet mich Geralt also schon. In den Spielen steuert frau* Hexer Geralt und erlebt dabei Abenteuer, die nicht in den Büchern stehen. Dabei begegnet man aber vielen aus den Büchern bekannten Figuren und kann die Beziehung zu ihnen ein Stück weit selbst ausgestalten. Geralt wird nämlich immer wieder vor moralische Entscheidungen gestellt, deren teils überraschende Folgen sich erst viel später im Spiel offenbaren. Besonders der dritte Teil hat diese Erfahrung perfektioniert, was die Spiele zu wahnsinnig intensiven und einnehmenden Erlebnissen macht. Und dabei werden über alle drei Teile hinweg sicher 200 Stunden Spielspaß geboten. Wenn ich irgendwann mal die Zeit habe, spiele ich die ganze Reihe nochmal durch…

Die Serie

Die erste Staffel der Serie ist seit dem 20. Dezember auf Netflix zu sehen und umfasst 8 Folgen. Darin behandelt werden Geschichten aus den beiden Kurzgeschichtenbänden sowie Teile des ersten Buches der Pentalogie, „das Erbe der Elfen“. Eine zweite Staffel ist bereits in Auftrag gegeben.

In Henry Cavill, Ex-Superman, wurde meines Erachtens eine ziemlich gute Besetzung für Hexer Geralt gefunden. A propos Besetzung: Die Entscheidung, hinsichtlich dem Äußeren einiger Figuren von der Romanvorlage abzuweichen und einen diverseren Cast einzuführen, finde ich ausgesprochen gut. Die Protestschreie im voraus kamen vermutlich größtenteils von alten weißen Männern.

Die Serie erlaubt sich auch bei den Geschichten kleinere Freiheiten und wechselt immer wieder die Zeitebene, erst ganz am Ende werden alle Handlungsstränge zusammengeführt. Das ist bisweilen verwirrend und hätte sicher stringenter gelöst werden können. Stellenweise hatte ich Schwierigkeiten mit dem Erzähltempo. Für manche Szenen wurde sich übertrieben viel Zeit genommen, andere waren zu hastig zusammengeschnitten. Auch die Budgetlimitierungen fallen besonders bei den Spezialeffekten und beim Monsterdesign auf. Die Serie ist also sicher (noch) kein Meisterwerk, allerdings sehr unterhaltsam und besonders nach der Lektüre der Bücher empfehlenswert. Ich bin sehr zuversichtlich, dass einige der Kinderkrankheiten in der zweiten Staffel der Vergangenheit angehören werden. Selbstverständlich werde ich mir auch die weiteren Folgen mit Erscheinungsdatum ansehen!

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9 Kommentare zu „The Witcher – Der Hexer Geralt von Riva“

  1. Huhu Nico!
    Ich hatte vor der Serie tatsächlich kaum Bezugspunkte zum Hexer, kannte die Spiele auch nur leidlich durch Freunde.
    Nun haben wir die Serie vorgestern beendet und ich fühle mich angekommen in dieser mittelalterlichen Welt und bin nun doch drauf und dran, mir die Bücher zu besorgen. 🙂 Deine Vorstellung hier hat nur noch mehr dazu beigetragen.

    Liebe Grüße!
    Gabriela

    1. Ich kenne auch nur das Spiel, habe aber bei einem Freund die Bücher gesehen und wusste bis heute nicht, dass sie sich um die Geschichte von The Witcher drehen. Danke für deine tolle Rezension. Sie hat mich sehr auf die Bücher angefixt. LG Marlene

  2. Hallöchen noch Mal,

    cooler Beitrag.
    Ich habe die Spiele nie gespielt, weil ich einfach nicht so der Computerspielmensch.
    Die Bücher hatte ich durchaus auf dem Radar, aber ich dachte die ganze Zeit es wären Bücher zu den Computerspielen, so wie die Assassins Creed Bücher. So was interessiert mich einfach nicht.

    Vor dem Erscheinen sah ich den Trailer der Serie und war richtig begeistert, aber ich wollte zuerst die Bücher lesen. Zumindest die Teile, auf denen die erste Staffel beruht. „Der letzte Wunsch“ gefiel mir sehr gut, aber an „Das Schwert der Vorhersehung“ habe ich ein paar Kritikpunkte.
    Die erste Staffel gefiel mir im großen und ganzen gut. Ich mochte die Diversität und das Yennefer und Ciri größere Rollen bekamen. Allerdings fand ich die Timeline ebenfalls etwas verwirrend und manche Änderungen von den Büchern wirkten unnötig.

    Ich werde bestimmt auch noch Rezensionen schreiben.

    LG
    Elisa

    1. Liebe Elisa,

      ich kann deine Kritikpunkte nachvollziehen. Ich habe die Hoffnung, dass sich die Serie in der nächsten Staffel besser einspielt und zu einer stringenteren Erzählweise findet.
      Gib mir gern Bescheid, wenn du deine Rezension geschrieben hast, dann verlinke ich sie unter dieser.

      Liebe Grüße,
      Nico

  3. Hi Nico!

    Ich kenne auch die Bücher (noch) nicht und ebenso wenig die Spiele, aber die Serie hat mich natürlich neugierig gemacht und möchte ich auch jetzt endlich in Angriff nehmen … mein Sohn hat sie schon angeschaut und war begeistert 🙂 Ich bin jedenfalls sehr gespannt, denn es hört sich defintiv gut an.
    Danach werd ich entscheiden, ob ich es auch mit den Büchern versuche 🙂

    Liebste Grüße, Aleshanee

    1. Liebe Aleshanee,

      dann bin ich gespannt, was du zur Serie sagen wirst. Falls du dich entscheidest und dir die Bücher vornimmst: Ich höre gerade „Zeit des Sturms“ als Hörbuch und bin total begeistert von dem Erzähler, der mit seiner Stimme wunderbar das Tempo der Handlung darstellt.

      Liebe Grüße,
      Nico

  4. Pingback: Mein Monatsrückblick: Januar - Im Buchwinkel

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