„The Old Guard Band 1 – Erstes Gefecht“

Ja ich weiß, ich komme etwas spät zur Party. Band 1 von „The Old Guard“ wurde bereits im November 2017 veröffentlicht und die Netflix-Produktion ist auch schon seit dem 10. Juli draußen. Jetzt habe ich es auch endlich geschafft, mir Comic und Film zu Gemüte zu führen und was soll ich sagen? Was der Einband verspricht, macht der Inhalt mehr als wahr.

The Old Guard 1 | Autor: Greg Rucka | Zeichnungen: Leandro Fernández | Farben: Daniela Miwa
Verlag: Splitter | Veröffentlicht am: 16.11.2017 | Seiten: 184

Der Fluch der Unsterblichkeit

Dies ist ein Märchen aus Blut und Kugeln.
Es ist die Geschichte von zwei Frauen und drei Männern,
die nicht sterben können. Meistens.
Ihre Namen sind Andy, Nicky, Joe, Booker und Nile.
Es ist eine Geschichte über die Zeit, das Alter, die Epochen
und über Freundschaft, Liebe und Bedauern.
The Old Guard

Kugeln? Ja. Blut? Definitiv ja. „The Old Guard“ hat mich durch sein halsbrecherisches Tempo begeistert. Eine Mischung aus „Highlander“ und „The Expendables“, meint Jill von Letterheart. Es passiert viel, es geht schnell und der Comic ist randvoll gepackt mit Kämpfen und Schusswechseln. Die fünf Hauptfiguren können nicht sterben, haben aber keine Ahnung, warum das so ist. Die Älteste, Andy, lebt seit über sechstausend Jahren. Der Preis dieser Unsterblichkeit ist, alle, die frau* je geliebt hat, sterben zu sehen und das hinterlässt bei ihnen allen Spuren. Sie gehen unterschiedlich mit ihren Narben um, aber schlussendlich wünschen Sie sich alle den erlösenden Tod.

In einer zunehmend technologisierten Welt wird es immer schwieriger für die Truppe, ihre Geheimnisse zu wahren. Und es gibt durchaus interessierte Fraktionen, die aus der Unsterblichkeit der fünf Soldat*innen einen persönlichen Profit ziehen wollen…

Meisterhaft skizziert

Die Story wirkt – trotz Unsterblichkeit – erfrischend anders. Was „The Old Guard“ aber zu einem wahren Genuss macht, sind die Zeichnungen. Ähnlich der Charakterisierung der Figuren, über die zwar in kurzen Rückblenden bruchstückhaft etwas bekannt wird, die aber immer unvollständig und mysteriös bleiben, sind auch die Illustrationen angefertigt: Reduziert, auf das Wesentliche fokussiert, mit viel Negativraum, der Raum für eigene Vorstellungen lässt.

Und dann ist da noch diese Koloration… wie auf dem Cover bereits zu sehen, sind die einzelnen Doppelseiten beinahe monochrom in Blau- oder Organgetönen, die immer wieder von Kontrastfarben durchbrochen werden. So werden auch Schlachtfelder und abgetrennte Köpfe zu Kunstwerken. Nicht nur in dieser Hinsicht, auch mit Blick auf die Darstellung der Frauenfiguren hat mich „The Old Guard“ immer wieder an das ebenfalls sehr gute „Space Bandits“ erinnert. Wer weiß, vielleicht wird der Comic auch irgendwann auf die große Leinwand gebracht.

Und was war mit dem Film?

Andy wird im Film gespielt von Charlize Theron, was ich gut getroffen finde, da ich ihr die Rolle der eiskalten und von der Zeit gebrochenen Killerin komplett abnehme. Immer wieder hat mich ihr Auftritt an den in „Mad Max: Fury Road“ erinnert, den ich wirklich klasse fand. Ansonsten habe ich mit einiger Verwunderung festgestellt, dass die zweite Hälfte des Films doch recht deutlich von der Geschichte im Comic abweicht. Die Entscheidung finde ich wenig nachvollziehbar, in meinen Augen brauchte es keine künstlichen Zusätze.

Was dem Film natürlich fehlt, ist der einzigartige Stil, der sich durch den Comic zieht. Die im Comic beeindruckend und dynamisch gestalteten Actionsequenzen sind im Film einfach nur Gemetzel. Hier hätte ein wenig mehr Mut zu einem anderen visuellen Stil gut getan. Nichtsdestotrotz hat mich der Film gut unterhalten und ich finde ihn durchaus sehenswert, gerade in Verbindung mit dem Comic.

Frauenfiguren in Actioncomics

Besonders hervorheben möchte ich – in Comic und Film – die Darstellung der weiblichen Figuren. Andy ist nicht die Anführerin der Truppe, weil sich ein kurzer Rock in Kampfszenen gut macht, sondern weil sie die Älteste und Erfahrenste ist. Und kurze Röcke sucht man in „The Old Guard“ sowieso vergeblich, ebenso wie tiefe Ausschnitte oder frauenfeindliche Witze. Dafür gibt es eine toll dargestellte queere Liebesbeziehung. Gut, dass der Film das alles übernommen hat! Frau* merkt, dass eine Regisseurin am Werk und auch das Produktionsteam teilweise weiblich besetzt war.

Abschließend kann ich sagen, dass Comic und Film ihre Zeit wert sind, wobei der Comic durch die stylischen Illustrationen für mich besonders hervorsticht und absolut empfehlenswert ist! Fünf von fünf Lesezeichen für mich dafür.

PS: „The Old Guard Band 2 – Konzentrierter Kräfte erscheint am 01. November ebenfalls bei Splitter!

Der Song zum Comic

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