“The Impure – Buch 1” von Ralf Singh und Hannes Radke

Bis vor kurzem waren mir Ralf Singh und Hannes Radke noch kein Begriff. Obwohl beide schon seit mehreren Jahren (nicht nur) in der deutschsprachigen Comicbranche aktiv sind, waren sie bisher unter meinem Radar geblieben. Als ich dann aber zum ersten Mal von “The Impure” hörte, war ich sofort neugierig. Das Cover und die Sci-Fi-Geschichte um zwei Geschwister auf unterschiedlichen Seiten eines Krieges haben definitiv mein Interesse geweckt. Nach einer wohl sehr erfolgreichen Kickstarter-Kampagne ist nun Band 1 (von 4) bei Cross Cult erschienen und da stellt sich mir die Frage: Hält der Comic, was er verspricht?

The Impure – Buch 1 | Script + Farben: Ralf Singh | Zeichnungen: Hannes Radke
Verlag: Cross Cult | Erschienen am: 30.07.2021 | Seiten: 128
Werbung: Rezensionsexemplar

Eine Geschichte aus Blut und Tränen

“The Impure” handelt von den Geschwistern Nero (der Name ruft einige “Devil May Cry”-Assoziationen bei mir hervor) und Minerva, deren Heimatwelt von Aliens zerstört wird, was sie gleichzeitig zu Waisen machte. Sie schließen sich den ITO an, von den Menschen geschaffenen Spezialstreitkräfte, die mit Unterstützung mächtiger Wesen unheimlich mächtige Krieger*innen sind. Ihre Gedanken werden streng kontrolliert, damit diese Waffen sich niemals gegen die Menschheit erheben.

Die ITO werden von den Menschen gleichzeitig gefürchtet, benutzt und verachtet, denn sie sind nicht mehr ganz Mensch und damit in den Augen vieler minderwertig. Minerva, die ältere Schwester, kann der Gedankenkontrolle entfliehen und hinter die Propaganda der Terraner blicken. Sie wendet sich von den Menschen ab. Ihr Bruder Nero wird ausgesendet, um sie auszuschalten. Dabei folgt die Geschichte Neros Blickwinkel – eine Heldenreise also, die Nero als Schurke der Geschichte beginnt.

“Unrein”

“The Impure” ist nicht einfach nur ein SciFi-Comic. Das Besondere sind die Themen, die in der Geschichte aufgegriffen werden. “Impure” bedeutet übersetzt “Unrein” und wird im Comic als Beleidigung für Personen verwendet, die teils Mensch teils Alien sind. Autor Ralf Singh kennt das Gefühl, nirgends so recht dazuzugehören. Im Interview in der Pressemappe erzählt er:

Meine Mutter stammt aus Deutschland und mein Vater aus Indien, das macht mich zu jemanden mit gemischten Wurzeln, und da ist es besonders in jungen Jahren schwer gewesen. In der Schule war ich der Ausländerjunge, der rassistisch gemobbt wurde, und Zuhause war ich zu deutsch.Ralf Singh

Im Comic müssen sich Nero und Minerva ebenfalls mit ihrer Herkunft auseinandersetzen. Beide werden von denselben Ereignissen geprägt, ziehen für sich aber unterschiedliche Schlüsse daraus. So finden sich die beiden trotz ihrer Liebe füreinander auf unterschiedlichen Seiten des Konflikts wieder.

Außerdem geht es auch um Kolonialismus. Die Menschheit bemüht sich um ein Narrativ, das eine außerirdische Bedrohung beinhaltet, auf die geantwortet werden muss. Allerdings wird schnell deutlich, dass in Wahrheit die Menschen diejenigen sind, die andere Völker versklaven wollen. Nero ist also ein Streiter für die “Bösen”. Ich bin sehr gespannt, wie diese Themen in den weiteren Bänden (vier sind geplant, vielleicht entsteht sogar ein fünfter) behandelt werden und sich entwickeln. Aktuell bleiben auch viele Fragen offen, einiges wird nur angedeutet. Ich hoffe, die zukünftigen Bände nehmen die offenen Fäden auf und spinnen sie weiter.

Zu klein

Die Zeichnungen sind geprägt von dicker skizzenhafter Lineart, die manchmal Details vermissen ließ. Stellenweise waren die Pinselstriche für meinen persönlichen Geschmack einfach zu dick, die Gestaltung hat mir also nicht uneingeschränkt gefallen. Gut fand ich aber die Dynamik in den Kämpfen und Actionszenen, da hat das Hinschauen viel Spaß gemacht. Apropos Hinschauen: Durch das relativ kleine Format bei der Cross Cult-Veröffentlichung (16×24) sind einzelne Panels sehr klein geraten. Da wird die Aufmachung dem Inhalt nicht gerecht. Das Ganze hätte ein deutlich größeres Format und ein Hardcover! verdient gehabt. Das Cover ist so schön und würde auf einem größeren festen Einband sicher noch mehr Anziehungskraft entwickeln.

Ich kann nicht nachvollziehen, wie groß die Kickstarter-Ausgabe ist, aber sie besaß immerhin ein Hardcover. Leider habe ich keinen Weg gefunden, an die ursprüngliche Ausgabe heranzukommen. Vielleicht ist der Comic ja so erfolgreich, dass es irgendwann noch eine extra große Neuauflage gibt, das wäre schön. Ich hab jedenfalls total Bock auf den zweiten Band. Dieser erste Comic erhält von mir nach Punktabzug aufgrund der Darstellung – 4,5 von 5 Sternen und eine klare Leseempfehlung. Ich will unbedingt mehr solcher Themen in Comics!

Der Song zum Comic

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