Spider-Woman 1 – Familiengeheimnisse

Wohoo, endlich mal wieder ein Verriss! Ich versuche, schon vorab möglichst gründlich auszuwählen, was ich lese, um mir große Enttäuschungen möglichst zu ersparen. Allerdings mogelt sich trotzdem immer mal wieder etwas richtig Schlechtes darunter. Umso mehr Spaß macht das anschließende Schreiben der Rezension. Dieses mal ließ mich der aktuellste Spider-Woman Comic absolut fassungslos zurück. Gerade die ongoing Serien von Marvel und DC lassen ja immer wieder eine ziemliche Mittelmäßigkeit aufblitzen, trotzdem: Was zur Hölle hatte ich da gerade gelesen? Und warum hatte ich mir das bloß angetan? Aber von vorne…

Spider-Woman – Familiengeheimnisse | Autorin: Karla Pacheco | Zeichnungen: de Iulis, Pérez, Siqueira
Übersetzt von: Carolin Hidalgo | Verlag: Panini | Seiten: 140 | Erschienen am: 16.03.2021

Ein einziger Krampf

„Familiengeheimnisse“ ist der Auftaktband der neuen Spider-Woman Serie und wird als „prima Einstiegspunkt“ in den Kosmos deklariert. Prima Ausstiegspunkt hätte es wohl besser getroffen. Die Handlung? (Spoilerwarnung, aber da ihr diesen Comic hoffentlich sowieso nicht kauft, macht euch das sicher nichts aus.) Jessica Drew alias Spider-Woman braucht Geld, schließlich sind die Windeln ihres Sohnes nicht umsonst. Sie lässt sich also von einem zwielichtigen Milliardär für die Geburtstagsparty dessen Tochter anheuern, die prompt entführt werden soll.

Spider-Woman verhindert das, muss aber feststellen, dass ihr Arbeitgeber sie mit einer angeblichen Grippeimpfung tödlich vergiftet hat und nun Experimente zum Wohle seiner eigenen Tochter an Jessica durchführen will. Eine Impfung missbrauchen? In der aktuellen Situation vielleicht nicht der geilste Move. Unabhängig davon wäre ich als Superheldin verdammt schlecht drauf, wenn mich jemand vergiften würde. Aber was macht Spider-Woman? Mit der Aussicht, ihren kleinen Sohn niemals wiederzusehen? Eines überaus schmerzhaften Todes zu sterben? Als wäre sie komplett irre, lässt sie sich einspannen, schließlich hat der Vater das ja für seine Tochter getan. Was für ein Humbug ist das denn? Solche komplett zufälligen und in keinster Weise nachvollziehbaren Reaktionen zeigt Spider-Woman im Laufe des Comics noch öfter, so dass ich mir irgendwann nur noch dauerhaft an den Kopf fassen konnte. In keinster Hinsicht wird die Hauptfigur im Verlauf des Comics in irgendeiner Wiese greifbar oder gar nahbar. Schade um Jessica.

Mutti bist du‘s?

Der Milliardär stellt sich übrigens später als Jessicas Bruder heraus. Und der gemeinsamen Mutter begegnen sie auch noch. Inmitten von Dinosauriern. Allerdings ist die Mutter gar nicht echt, sondern ein Killer-Klon. Das habe ich aber nur erfahren, weil ich mich gefragt habe, wie schlecht es noch werden kann. Das war die einzige Motivation, die nächste Seite umzublättern.

Wenn ihr jetzt denkt, nur die Geschichte und die Hauptfigur wären kacke gewesen, dann habt ihr euch allerdings mächtig getäuscht! Nein nein, auch alles andere ist ziemlicher Mist. Offenbar hat das neue Team „Spider-Woman“ als weiblichen Deadpool konzipiert und so fällt der Comic sowohl durch übertriebene Gewaltdarstellung auf, als auch durch den verzweifelten Versuch, irgendwie witzig zu sein. Natürlich ist das von vornherein zum Scheitern verurteilt und es passt obendrein überhaupt nicht zur Figur Jessica Drew, die eine liebende Mutter und eine fürsorgliche Freundin ist. Niemand, der Schädel zu Brei schlägt. Puh.

Ach, außerdem wäre da noch die (in meinen Augen) übersexualisierte Darstellung von Spider-Woman, die mir in jedem zweiten Panel ihre Brüste entgegen reckt und die generell chaotischen Panels, die unübersichtlich sind und schon im Aufbau Fokus und Struktur vermissen lassen. Hier ist wirklich Hopfen und Malz verloren. Bitte, Leute, lest einen anderen Comic. Irgendeinen. Nur diesen nicht. Von mir gibts die Minimalwertung und die Hoffnung, dass so ein Scheiß nicht weiter verlegt wird. Wer kam denn auf die Idee, das zu drucken und – noch viel schlimmer – das auf Deutsch zu übersetzen? Hier wird doch erst dreimal überlegt, bevor eine Lizenz hergeholt wird. Ich muss jetzt auf jeden Fall erstmal sehr lange sehr tief durchatmen, um über diesen Comic hinwegzukommen. Wer Comics mit Held*innen aus dem Spiderverse will, ist bei Silk oder Miles Morales deutlich besser aufgehoben.

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