„Sonnenseiten“ von Ana Penyas

Den Verlag “bahoe books” kannte ich bis vor kurzem überhaupt nicht. Eine Internetrecherche brachte immerhin hervor, dass der Verlag aus Wien kommt und schwerpunktmäßig zur Geschichte der Arbeiterbewegung veröffentlicht. Da passt der Comic “Sonnenseiten” gut zum Rest des Programms: Am Beispiel eines spanischen Küstendorfes zeigt Ana Penyas, dass im neoliberalen Kapitalismus als allererstes die Menschen auf der Strecke bleiben.

Sonnenseiten | Text und Zeichnungen: Ana Penyas | Übersetzt von: Lea Hübner
Verlag: bahoe books | Erschienen im: April 2022 | Seiten: 144
Werbung: Rezensionsexemplar

Urlaub im Faschismus

Klappentext:

Massentourismus, Immobilienspekulation und menschliche Dramen: In Sonnenseiten versetzt uns die junge Comiczeichnerin Ana Penyas an die spanische Levante zu Beginn der 1960er Jahre, um uns die Geschichte einer Familie zu erzählen, die unter den verheerenden Folgen des Massentourismus leidet, dem wichtigsten Motor der wirtschaftlichen Entwicklung zu Francos Zeiten. Im Laufe der Jahrzehnte erleben wir, wie die Landschaft und ihr natürlicher Reichtum für immer verändert wurden und wie der aufkommende Neoliberalismus die Hoffnungen und Projekte dieser Familie zunichte macht. Doch es gibt noch einen Ort, der Widerstand leistet: Zwischen den alten, engen Stadtkernen und den zu Ferienorten gewordenen Küstendörfern erstreckt sich die Huerta, wo sich noch eine Lebensweise hält, die vom unerbittlichen Vormarsch des Stahlbetons bedroht ist.

Die hässliche Fratze des Kapitalismus

“Sonnenseiten” kommt in ungewohntem Format daher: 17cm hoch, 24cm breit. Unterbrochen werden die Panels immer wieder von Buch- und Filmausschnitten (unten ein Beispiel aus dem Reiseführer des spanischen Fremdenverkehrsamts aus der Zeit der Franco-Diktatur). Erzählt wird die Biografie einer Familie über knapp 50 Jahre hinweg, von 1969 bis 2017. Zwischen den episodischen Einblicken in das Familienleben liegen Zeitsprünge von mehreren Jahren.

Nicht nur auf den ersten Blickt wirkt der Comic sperrig: Weder die Bilder, noch die Geschichte oder die Erzählstruktur oder gar das ungewöhnliche Format wirkten auf mich allzu einladend. Unter der Fassade verbirgt sich allerdings eine politische und relevante Geschichte, die zum Nachdenken und Reflektieren einlädt. Wer sich darauf einlässt, wird mit einem ungewöhnlichen Comic belohnt, der nicht auf ausgetretenen Pfaden wandelt, sondern stattdessen einen eigenen Weg geht. Dieser Weg dient nicht (nur) der Unterhaltung, sondern erfordert auch von den Lesenden einiges an Arbeit, womit der Kreis zur eingangs erwähnten Arbeiterbewegung geschlossen wäre.

Der Song zum Comic

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