„Silberklingen“ von Joe Abercrombie

Joe Abercrombies aktuelle Trilogie: Zauberklingen, Friedensklingen, Silberklingen. Goooott, kommt endlich von diesem Klingen-Zug runter, Heyne! Naja, immerhin hat Heyne diesmal alle Autor*innen des Buches auf den Titel bekommen #SichtbarkeitfürSullivan.

Von den Titeln einmal abgesehen ist Abercrombies aktuelle Trilogie aber wieder absolut lesenswert und der letzte Band übertrifft noch einmal meine Erwartungen. Im englischen Original lautet der Titel übrigens “The Wisdom of Crowds“ – 10 Punkte für die, die darin eine “Klinge“ finden.

Silberklingen | Autor: Joe Abercrombie | Übersetzt von: Kirsten Borchardt
Verlag: Heyne | Erschienen am: 13.12.2021 | Seiten: 864
Werbung: Rezensionsexemplar

Es stinkt nach Revolution

CN: Exzessive grafische Gewalt (auch gegen Tiere), Ableismus, Bodyhorror, Substanzmissbrauch, Feuer/Feuerverletzungen, Misogynie, Polizeibrutalität, Rassismus, Sexismus, Erbrechen, Krieg, Fremdenhass

Vorsicht Spoiler: Wer die bisherigen Teile der Reihe noch nicht gelesen hat, kann auch direkt zur nächsten Überschrift springen

Der König ist tot, lang lebe der König. So ganz stimmt der Spruch in diesem Fall nicht. König Orso findet sich keinen Kopf kürzer wieder, dafür aber von heute auf morgen seiner königlichen Privilegien beraubt und unter Hausarrest gestellt. Die Revolution hat die Hauptstadt im Sturm genommen und die Machtverhältnisse haben sich umgekehrt. Blöd nur, dass die ehemals Unterdrückten wenig Ideen haben, was sie mit der ganzen Macht anfangen sollen.

Nicht nur für Orso ändert sich einiges. Auch Savine dan Brock und ihr Mann Leo finden sich unverhofft in Freiheit wieder, nachdem sie gerade mit ihrer eigenen Rebellion gegen den König glorreich gescheitert waren. Wie lange die Freiheit für die ehemals Adligen anhält, hängt auch von deren Geschick im Umgang mit den neuen Mächtigen ab.

Währenddessen hat die gute alte Rikke mit dem langen Auge (meine absolute Lieblingsfigur!) den großen Coup gelandet und den gesamten Norden unter sich vereint. Den gesamten Norden? Nein, auch gegen sie regt sich Widerstand und wer heute noch Freund war, kann morgen schon Feind werden.

The Great Change

Wie in den Büchern davor, finden sich Humor, Ironie, Drama und kluge Gesellschaftskritik zuhauf in “Silberklingen“. Abercrombies Welt und seine Figuren sind sowieso weit entfernt von so eindimensionalen Begriffen wie “Gut“ oder “Böse“. Es gibt weder gute noch schlechte Taten, keine Held*innen oder Schurk*innen. Es gibt nur Menschen mit nachvollziehbaren Beweggründen, die Dinge tun, für die sich manchmal verantworten müssen und manchmal nicht. Gerechtigkeit ist rar in der First Law-Welt.

Am beeindruckendsten für mich waren die vielschichtigen Charaktere. Mir waren alle (mit Ausnahme von Leo) auf die ein oder andere Weise sympathisch und ich habe ihre Erfolge mitgefeiert und bei ihren Niederlagen mitgelitten. Tatsächlich tendiert Abercrombie dazu, den Menschen mehr Niederlagen als Hochgefühle zu gönnen, es wird also viel gelitten.

Diese Verbundenheit mit den Figuren hat etwas Mitreißendes. Ich wollte unbedingt wissen, welches Schicksal Abercrombie für die Figuren geplant hatte und deshalb musste ich auch “Silberklingen“ wieder unbedingt lesen. Ich wurde – wie immer – nicht enttäuscht. Und jetzt steht die Trilogie dreifach in meinem Regal: einmal auf Englisch signiert als nummerierte Sonderausgabe, einmal signiert mit Extra Kurzgeschichte und einmal als deutsche Ausgabe. Das war es mir wert =)

Der Song zum Buch

1 Kommentar zu „„Silberklingen“ von Joe Abercrombie“

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