„Shanghai“ von Mathieu Mariolle und Yann Tisseron

Dieser Beitrag ist Teil des Themenmonats #Comicmärz

„Shanghai“ Band 1 war ein coverinspirierter Spontankauf, das gebe ich zu. Das erste Cover sieht aber auch inspirierend aus, jetzt mal ehrlich! Band 2 und Band 3 kaufte ich dann aber, um zu erfahren, wie die Geschichte weitergeht und ob sich alle Fäden der Handlung zu meiner Zufriedenheit auflösen. Setting und Geschichte fand ich nämlich ziemlich erfrischend und unverbraucht.

Shanghai | Text: Mathieu Mariolle | Zeichnung und Farben: Yann Tisseron
Übersetzt von: Tanja Krämling | Verlag: Splitter | Bände: 3 (abgeschlossen)
Erschienen: 2011-2015 | Seiten: 56 pro Band

Shanghai, Triaden, Opium

Die Handlung spielt im Shanghai des frühen 20. Jahrhunderts. Die Triaden sind die wahren Machthaber in der Stadt. Sie kontrollieren den chinesischen Opiumschmuggel in Kooperation mit französischen und englischen Autoritäten. Wir begegnen zwei Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Auf der einen Seite Yu Xin, rechte Hand des Oberhaupts der Triaden, brutal und kaltherzig. Auf der anderen Seite Jade, eine als Zirkusartistin getarnte Agentin des Kaisers von China, getrieben von der naiven Hoffnung auf ein besseres China. Die Wege der beiden kreuzen sich und eine nimmt der anderen etwas für sie sehr Wertvolles. So kommt es zum Konflikt, der sich über die drei Bände hinzieht und der am Ende über das Schicksal des gesamten chinesischen Reichs entscheidet.

Anfangs scheint es, als wäre das ganze eine (halbwegs) realistische Darstellung der Zustände im Shanghai des frühen 20. Jahrhunderts. Allerdings werden zunehmend mythische Elemente in die Handlung eingewebt, es kommt zur Nutzung von Magie und auch die sagenumwobene Terrakotta-Armee spielt eine Rolle. Für mich hat sich dieser Mix aus Historik und Mythologie gut zusammengefügt und fühlte sich zu keinem Zeitpunkt künstlich an.

Kleinere Schwächen trüben den Eindruck etwas

Gezeichnet ist das ganze größtenteils in traditionellen Panels, die in seltenen Ausnahmen aber auch von fließend ineinander übergehenden Bildern durchbrochen werden. Zeichnerisch sind mir einige schöne Details aufgefallen, wie zum Beispiel eine Doppelseite, bei der die Anordnung der Panels und deren Inhalt beinahe gespiegelt waren, obwohl die Handlung voranschritt. Allerdings fielen mir auch immer wieder einzelne Panels ins Auge, die weniger detailliert und liebloser hingekritzelt schienen, als andere. Hier hätte ich mir gewünscht, dass alle Seiten die gleiche hohe Qualität hinsichtlich Details, Anordnung und Farbgebung aufweisen, die sonst immer wieder durchscheint.

Auch hinsichtlich der Handlung schafft es „Shanghai“ nicht, alle Fäden zu meiner Zufriedenheit aufzulösen. Das Ende ist gut, lässt aber zu viele Fragen unbeantwortet, um wirklich befriedigend zu sein. Vielleicht hätte dem ganzen ein vierter Band noch gut getan, aber die Serie ist nach diesen drei Bänden abgeschlossen. Deshalb gibt es für mir insgesamt 4 von 5 Lesezeichen.

Bewertung: 4 von 5 Lesezeichen

Der Song zum Comic

2 Kommentare zu „„Shanghai“ von Mathieu Mariolle und Yann Tisseron“

  1. Hi Nico,

    ich bin anscheinend ein „Augen“ Mensch *lach*
    Bei Büchern ziehen mich die Cover an, bei den Comics anscheinend auch die Optik *g* Das sieht sehr cool gezeichnet aus, finde ich, irgendwie spielt dann die Handlung nicht mehr eine so große Rolle für mich. Zumindest im Moment … wenn ich jetzt einfach schaue, was mich anspricht.

    Die Optik ist einfach ein zusätzlicher Reiz und ich liebe schöne Zeichnungen … wenn ich dann Comics sehe, die ich sehr „platt“ gezeichnet finde, haben sie bei mir von vornherein einen schweren Stand ^^

    Liebste Grüße, Aleshanee

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