„Sentient – Kinder der K.I.“ von Jeff Lemire und Gabriel Walta

Jeff Lemire ist ein echtes Comic-Schwergewicht und unter anderem verantwortlich für die Serien Descender, Gideon Falls und Sweet Tooth. Im Einzelband „Sentient“ (der auch für einen Eisner-Award nominiert war) hat Lemire sich mit Zeichner Gabriel Walta zusammengetan, um eine Adaption von „Herr der Fliegen“ im Weltall zu erzählen.

Sentient | Autor: Jeff Lemire | Illustration: Gabriel Walta | Übersetzt von: Bernd Kronsbein
Verlag: Panini | Erschienen am: 26.01.2021 | Seiten: 172

Mama?

CN: Massenmord, explizite Gewalt, Gewalt gegen Kinder

Das Raumschiff „USS Montgomery“ ist von der Erde zu einer Kolonie unterwegs, an Bord Familien, die bei der Besiedelung helfen sollen. Allerdings sind schon nach kurzer Zeit alle Erwachsenen tot. Zurück bleiben die Kinder – und eine KI namens Valarie. Um lebend in der Kolonie anzukommen, sind die Kinder auf Valarie angewiesen und umgekehrt. Unter Valaries Anleitung lernen die Kinder nach und nach, das große Raumschiff zu bedienen. Aber kann eine KI die Elternrolle für eine Gruppe an Kindern übernehmen? Und ist die „USS Montgomery“ im All tatsächlich so allein, wie alle glauben?

And then what happens?

Ganz ausgezeichnet gelungen ist Lemire der Spannungsbogen in „Sentient“. Mir war anfangs überhaupt nicht klar, in welche Richtung sich die Geschichte entwickeln würde und bis zur letzten Seite wird mit den Erwartungen der Leser*in gespielt. Hinter jeder Seite warten überraschende Ereignisse. Lange Zeit war ich komplett unsicher, in welche Richtung sich die entfesselte KI Valarie entwickeln würde. Und so konnte ich gar nicht anders, als den Comic atemlos von Anfang bis Ende durchzulesen. Die Geschichte hat mich auf Seite eins eingefangen, ordentlich durchgeschüttelt und erst auf der letzten Seite wieder ausgespuckt. Auch die emotionalen Aspekte rund um den Tod der Erwachsenen und den zentralen Konflikt zwischen den beiden Kindern Lil und Isaac empfand ich als authentisch und passend.

Die Bilder runden das Gesamtpaket ab. Walta gelingt eine außerordentliche Gratwanderung zwischen den niedlichen Kindern und der expliziten Gewalt. Jedes Panel und jede Perspektive wirkt passend und wie aus einem Guss. Die gedeckten Farben geben dem Comic einen eigenen, etwas schmutzigen Charme, der gut zur Geschichte passt. „Sentient“ ist ein 1A Comic, der so ziemlich alles richtig macht und verdientermaßen von mir fünf von fünf Lesezeichen erhält. Science Fiction vom Feinsten und eine klare Leseempfehlung von mir!

Der Song zum Comic

3 Kommentare zu „„Sentient – Kinder der K.I.“ von Jeff Lemire und Gabriel Walta“

  1. Hallo Nico,
    jetzt hab ich schon so viel Gutes über diesen Comic gehört – und ihn mir noch immer nicht gekauft. Das muss ich unbedingt nachholen.

    Aber jetzt frage ich mich, wie der Song von AMK zum Comic passt bzw. wo du die Verbindung siehst? 🙂

    Liebe Grüße
    Kathrin

    1. Naja, die Kinder werden von der KI großgezogen und auch das läuft nicht immer konfliktfrei ab =) Insofern die (schwache) Verbindung zum Song. Manchmal kommt mir beim Lesen eine Songzeile in den Sinn und dann schafft es das Lied in die Rezension, auch wenn es thematisch vielleicht gar nicht groß etwas damit zu tun hat.

      Ich hoffe, beim nächsten Mal läufst du nicht mehr an dem Comic vorbei, sondern schnappst ihn dir und überzeugst dich selbst von seiner Qualität =)

      Liebe Grüße,
      Nico

  2. Ah, daher der Song. Spannend diese Assoziation! Aber ich kenn sowas gut – ich hab auch bei manchen Lektüren bestimmte Songs, Zeilen oder Musikgenres im Kopf, ohne dass es einen direkten Bezug oder Schlüsselmoment gab. 🙂

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