Comics und Graphic Novels,  Rezensionen

„Schattenspringer 2“ von Daniela Schreiter

Nach dem Ende von „Schattenspringer“ habe ich noch am selben Abend mit dem Lesen des zweiten Bandes angefangen. Ich wollte unbedingt noch mehr über Danielas Leben mit Autismus erfahren. Im ersten Band ging es vorrangig um ihre Kindheit, jetzt im zweiten Band mit dem Untertitel „Per Anhalter durch die Pubertät“ geht es – wer hätte es gedacht – um ihre Jugend und ihr Erwachsensein.

Das Cover zu Schattenspringer 2

Schattenspringer 2 | Autorin: Daniela Schreiter | Zeichnungen: Daniela Schreiter
Verlag: Panini Comics | Seiten: 160 | Veröffentlicht am: 20.07.2015
Werbung: Rezensionsexemplar

Was ist schlimmer als die Jugend?

Bei meiner Rezension zum ersten Teil habe ich bereits über die Autorin Daniela Schreiter und das Thema „Autismus“ geschrieben, hier nachzulesen. Es soll in diesem Beitrag also lediglich um die in Band 2 aufgegriffenen Themen gehen.

„Was ist schlimmer als die Jugend? Die Jugend mit Autismus.“

Denise Linke im Vorwort zu „Schattenschreiter 2“, S.6

Das Buch beginnt mit Danielas Klassenfahrt in der siebten Klasse. Sie hat noch immer mit ihrem Anderssein zu kämpfen, kennt aber nach wie vor nicht den Grund dafür. Die Autismus-Diagnose soll erst viel später kommen. Aber natürlich reagieren ihre Mitschüler*innen auf ihr Anderssein, und das meist nicht positiv. Kinder können wirklich grausam sein. Schonungslos offen und ehrlich berichtet die Autorin über Mobbing-Erfahrungen in der Schule, bevor andere wichtige Jugendthemen besprochen werden: die erste Periode, die Sehnsucht nach Freundschaft und Akzeptanz, der erste Kuss, das erste Mal. Wow! Ich war begeistert und fasziniert von dem Mut, der damit einhergeht.

Eindringlich und nachvollziehbar

Ein Ausschnitt aus Schattenspringer 2.

Wenn Daniela Schreiter ihre Bemühungen darstellt, als normal wahrgenommen zu werden und sich auch immer wieder ihr Scheitern eingesteht, braucht das nicht viele Worte, denn die Zeichnungen sind wahnsinnig ausdrucksstark. Im Vergleich zum ersten Band finde ich die Zeichnungen in „Schattenspringer 2“ noch passender und eindringlicher. Auch das Layout der Seiten wirkt für mich ein wenig aufgeräumter, so dass einer meiner wenigen Kritikpunkte an Teil 1 verschwindet. Kurz gesagt: Ich finde Teil 2 noch besser als Teil 1. 10 von 10 Soja-Joghurts!

Bewertung Schattenschreiter 2: 10/10 Sojajoghurts

Der aktuelle Stand der Hilfssysteme

Es war für mich frustrierend, Danielas ewig langen Weg bis zur Autismus-Diagnose nachzuverfolgen. Daniela Schreiter wurde 1982 geboren und zur Zeit ihrer Jugend gab es wohl beinahe niemanden, der eine Ahnung von Autismus hatte. Soweit ich das beurteilen kann, hat sich das mittlerweile geändert. Bei mir im Landkreis gibt es den „Fachdienst Autismus“, der gut vernetzt ist und auch schon viel mit den örtlichen Frühförderstellen zusammenarbeitet. Meine Hoffnung ist, dass heutzutage Kinder mit Autismus viel früher die Gründe für ihre Anpassungsschwierigkeiten erfahren und dass ihnen durch die Diagnose viel von dem Druck genommen wird, den Daniela in „Schattenspringer 2“ so gut beschreibt.

Der Song zum Buch

3 Kommentare

  • Buchperlenblog

    Huhu Nico!
    Wie schön, dass du gleich noch zu Band 2 gegriffen hast und dieser dich dann auch noch mehr begeistern konnte. Schattenspringer kenne ich persönlich noch nicht, aber dank deiner beiden Rezensionen dazu sollten sie wohl doch mal bei mir einziehen. 🙂

    Komm gut ins Wochenende!
    Gabriela

  • RoXXie SiXX

    Hallo Nico,

    ich bin begeistert. Ich habe mir die beiden Bände gleich mal auf meinen Wunschzettel gesetzt.

    Das erster Mal habe ich von Autismus gehört, als ich mir den Film „Rain Man“ an gesehen habe. Noch heute bewundere ich, wie in diesem Film damit umgegangen wird. Es wirkt so ehrlich, dass Charlie Babbitt (Tom Cruise) eigentlich überhaupt keinen Nerv hat sich um seinen autistischen Bruder Raymond (Dustin Hoffman) zu kümmern, Nicht nur weil er egoistisch ist, einfach auch weil er nicht weiß, wie er mit Autismus umzugehen weiß.
    Ich bin immer wieder gefesselt mit welcher realitätsnahen Darstellung Dustin Hoffman Autismus damals dargestellt hat.

    Nach dem Film hab ich mich immer mal wieder mit dem Thema befasst. Auch weil es unglaublich ist, wie hochbegabt viele Autisten oft sind. Und ich finde es traurig, dass viele Menschen hier von einer Krankheit sprechen. Krankheiten sind heilbar, aber Störungen (Disorders) halt nicht. Je nach Störung kann man sie therapeutisch fast „neutralisieren“, damit der/die Betroffene normal am Leben teilhaben kann. Bei Autismus ist dies leider nicht der Fall.

    Leider wird das Thema auch, meines Erachtens nach, nicht genug in der Öffentlichkeit benannt.
    Und ich denke nur einem kleinen Teil ist der 02. April eines Jahres als „World Autism Awareness Day“ bekannt.

    Ich danke dir, dass du mir mit deiner Rezi, dieses Thema wieder einmal vor Augen geführt hast.

    Wünsche dir ein angenehmes Wochenende mit viel Lesevergnügen.
    RoXXie

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