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„Schamlos“ von Amina Bile, Sofia Nesrine Srour und Nancy Herz

Ein Cover wie ein Ausrufezeichen. Lies! Dieses! Buch! Ich fand die Illustration auf dem Einband von „Schamlos“ wahnsinnig gelungen, sowohl künstlerisch, wie auch inhaltlich. Illustratorin Esra Røise hat nicht nur das Cover beigesteuert, sondern auch innerhalb des Buches immer wieder schöne Begleitillustrationen gefunden. Das Cover hat mich auf das Buch aufmerksam gemacht, wegen dem Cover habe ich das Buch gelesen.

Schamlos | Autorinnen: Amina Bile, Sofia Nesrine Srour, Nancy Herz
Illustrationen: Esra Røise | Übersetzt von: Maike Dörries
Verlag: Thienemann-Esslinger | Seiten: 168 | Erschienen am: 11.02.2019
Werbung: Rezensionsexemplar

Negative soziale Kontrolle

Worum geht es? Die drei norwegischen Autorinnen – alle nach 1990 geboren, haben ein feministisches Buch geschrieben über ihr Aufwachsen als Muslimas in einem westlichen Land und den Drahtseilakt zwischen „zu westlich“ und „zu muslimisch“. Ein Drahtseilakt, bei dem vor allem junge Muslimas nur verlieren können.

Ein großes Thema ist in diesem Zusammenhang das, was die Autorinnen „negative soziale Kontrolle“ nennen: Die Summe aller Maßnahmen, die sie daran hindern, ihr Leben so zu leben, wie sie es wollen. Da wären zum Beispiel all die beiläufigen Kommentare von Bekannten darüber, wie frau* sich als anständiges Mädchen zu benehmen hätte. Oder der Begriff „Schamlos“ für Mädchen, die sich nicht an geltende Normen halten. Diesen Begriff haben sich die Autorinnen ironisch zu eigen gemacht. Sie wollen die ihnen von außen aufgedrückte Scham nicht annehmen und sich stattdessen von aller Scham befreien.

Ein wichtiges Buch

„Schamlos“ ist ein wichtiges Buch. Für junge Muslimas, weil das Treffen eigener Entscheidungen wie das Tragen eines Hidschab, Kleidung generell und das Finden einer eigenen Identität im Spannungsfeld so unterschiedlicher Kulturen behandelt werden. Für alle anderen, weil das Buch hilft, kulturelle Unterschiede zu erklären und zu reflektieren. Dabei steht der Feminismus im Islam vor ganz anderen Herausforderungen als zum Beispiel in Deutschland (auch wenn die großen Ziele dieselben sind). Dieses Wissen kann hilfreich dabei sein, interkulturelle Verständigungsprobleme zu verringern. Meinen Horizont hat das Buch jedenfalls immer wieder erweitert.

Die Autorinnen des Buchs: Nancy Herz, Sofia Nesrine Srour, Amina Bile

Unterlegt werden die Diskussionen immer wieder mit persönlichen Erfahrungen aus dem Umfeld der Autorinnen, teils erschreckende und bedrückende Erzählungen von Erlebnissen wie Erpressung und Fremdenhass. Wahnsinnig bewegend fand ich dabei den Brief, den die Autorin Sofia Nesrine Srour an ihr zehnjähriges Ich schreibt und in der sie von dem Hass erzählt, der ihrer Familie in Norwegen begegnet.

Für mich persönlich hat die generelle Erzählform des Buches leider nicht so gepasst. Große Teile des Buches bestehen aus Unterhaltungen zwischen den drei Autorinnen, die quasi transkribiert auf das Blatt gebracht wurden. Und wie es in einem Gespräch häufig ist, kommt frau* nicht immer direkt zum Punkt, redet drumherum, kurz: Die Informationen sind zwischen blabla verpackt und nicht verdichtet, wie es zum Beispiel in einem Essay der Fall sein könnte. Und das blabla hat mich zeitweise gestört. Deshalb bekommt „Schamlos“ von mir „nur“ vier Gütesiegel und nicht fünf.

Abschließen möchte ich meine Rezension mit einem passenden Zitat aus dem Buch:

„Es gibt ein paar unschöne Geschichten, aber im Großen und Ganzen zieht sich ein erfreulicher roter Faden durch die gesamte Debatte: ein „Fuck you“ an alle, die versuchen, uns zu kontrollieren.“

Schamlos, S. 23

Weitere Rezensionen:

„ein leichter Einstieg in ein komplexes Thema.“
Eva-Maria von Schreibtrieb

„sollte von jedem Mädchen und jeder Frau gelesen werden!“
Bella von Bella’s Wonderworld

„Mich hat das Buch begeistert und meinen Horizont definitiv erweitert.“
Juliane von I am Jane

„Ein All-Age-Buch, für alle Menschen dieser Welt.“
Janna von kejasblogbuch

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