„Reset Band 1: Die Entwurzelten“

Mit Blick auf die täglichen Nachrichten stellt sich die Frage: Brauchen wir da noch zusätzlich Dystopien in der Literatur? Der erste Band der dreiteiligen Reihe „Reset“ spielt nämlich im Jahr 2084 (war da nicht was?). Auf der Erde sind die Zustände desolat: Ein explodiertes Atomkraftwerk, die Sahara unbewohnbar, Hochwasser in Frankreich, die USA in einzelne verfeindete Staaten zerbrochen, eine unheilbare Grippe mit Ursprung in China (ja, wir sind noch beim Comic)…

Also alles wie gehabt. Die Menschheit war schon immer erstaunlich kreativ darin, sich selbst auszurotten. In „Reset“ findet sich ein etwas unvorhergesehener Ausweg aus der Misere.

Reset Bd. 1: Die Entwurzelten | Szenario: Fred Duval | Zeichnungen und Farben: Emem
Design: Fred Blanchard | Verlag: Splitter | Erschienen am: 30.04.2020 | Seiten: 64
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Zu lange zugesehen

Nachdem man sich 150 Jahre zuvor (rechne, rechne) noch gegen einen Eingriff entschlossen hatte, stimmt nun der „Komplex“, ein Zusammenschluss außerirdischer Spezies, für eine Intervention auf der Erde. Es soll einen Reset, einen Neuanfang geben. Mit gütiger Unterstützung der Aliens soll die Menschheit von ihrem selbstmörderischen Weg abgebracht werden. Aber sind die Motive der Außerirdischen wirklich so altruistisch? Das wird in diesem ersten von drei Bänden nur angedeutet. Klar ist aber, dass die Menschheit sich nicht kampflos einer unbekannten Macht aus dem All ergeben wird. Wie wird der Komplex mit den Menschen umgehen, die sich nicht unterwerfen?

Der Auftaktband stellt erst einmal viele Fragen, die Lust auf mehr machen. Im August soll wohl der zweite Band erscheinen, der dann auch schon die Weichen fürs Finale stellt. Ein Finale, das mich sehr interessiert, weil das Szenario ziemlich interessant ist und ich noch absolut keine Ahnung habe, in welche Richtung sich das alles entwickeln wird.

Vernünftig oder nur vernunftbegabt?

Verantwortlich für die Geschichte zeichnet sich Fred Duval, dessen Erzählstil ich auch schon in M.O.R.I.A.R.T.Y. spannend fand. Die grafische Umsetzung konnte mich hingegen nicht restlos begeistern. Der Aufbau der Panels ist recht klassisch und ein wenig statisch für meinen Geschmack. Hier hat mir der ein oder andere Ausbruch aus der Struktur gefehlt. Die Farben sind eher gedeckt und damit dem dystopischen Setting angemessen.

Die Aliens sind recht menschenähnlich dargestellt, was mich anfangs gestört hat, aber später auch zum Nachdenken anregte. Denn es wird immer wieder angedeutet, dass bei den Außerirdischen auch nicht alles rund läuft. Verspätungen, Gefühlsausbrüche, Uneinigkeit. Sind wir uns am Ende ähnlicher, als die technologisch zweifellos überlegenen Aliens zugeben möchten? Wer weiß. Der Auftakt von „Reset“ macht auf jeden Fall Lust auf mehr und bekommt von mir 4 von 5 Lesezeichen.

Bewertung: 4 von 5 Lesezeichen

Um abschließend zur Ausgangsfrage zurückzukommen: Wenn die Dystopie so spannend dargestellt wird, wie in „Reset“, dann ist es für die Dauer des Lesens doch egal, was vor der Tür passiert.

Der Song zum Comic

1 Kommentar zu „„Reset Band 1: Die Entwurzelten““

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