Fantasy und Science Fiction,  Rezensionen

„Oktobermann“ von Ben Aaronovitch

Ein Titel, der perfekt zum Herbst passt, sollte frau* denken. Und Ben Aaronovitch, ein großer Name, also sicher auch ein großes Buch, sollte frau* denken. Ich habe es bisher nicht geschafft, Aaronovitchs „Die Flüsse von London“-Reihe zu lesen, aber mir wurde gesagt, „der Oktobermann“ sei auch ohne Vorkenntnisse lesbar. Also dachte ich mir, vielleicht ist das ein super Einstieg in die Welt der Flüsse von London und vielleicht macht mir das Buch ja Lust auf (viel) mehr? Und dann war Janna von KeJas-BlogBuch auch noch so nett und hat mir ihr Exemplar zukommen lassen. Dann mal nichts wie los ins Abenteuer!

Der Oktobermann | Autor: Ben Aaronovitch | Übersetzt von: Christine Blum
Verlag: dtv | erschienen am: 20.09.2019 | Seiten: 208

Klappentext

Die Flüsse von London‹ fließen nach Deutschland …
… denn auch hierzulande gibt es magische Vorkommnisse! Das deutsche Pendant zu Peter Grant heißt Tobi Winter und arbeitet beim BKA (Abteilung für komplexe und diffuse Angelegenheiten, sprich: Magie). Tobi bekommt es mit seltsamen Bräuchen in den Weinbergen rund um Trier zu tun – und mit einem übernatürlichen Rätsel, das schon Hunderte von Jahren alt ist. Selbstverständlich hat in dieser Gegend auch die Mosel ein Wörtchen mitzureden, wenn es magisch wird.

Offene Fragen

Eigentlich hat Janna es in ihrer kürzlich erschienenen Rezension bereits auf den Punkt gebracht:

„Zur Grant-Reihe habe ich Worte Absurdität, blutig, gelungener Spagat zwischen Realität und düster magischen Welt vernommen, alles Eigenschaften die dem „Oktobermann“ leider fehlen.“

Ich möchte es mir aber nicht nehmen lassen, auch ein paar Gedanken zum Oktobermann aufs Papier zu bringen. Warum überhaupt „der Oktobermann“? Weil die Weinernte (auch) im Oktober stattfindet? Ich habe in Erinnerung, dass im Buch ständig gutes Wetter ist, was ja nicht unbedingt zum Oktober passt. Aber vielleicht trügt mich meine Erinnerung auch, denn irgendwie plätscherte das ganze Buch so vor sich hin. Es war seicht, ganz angenehm zu lesen, aber irgendwie nicht relevant. Und so blieb mir auch wenig in Erinnerung.

Hinzu kam, dass die menschlichen Nebenfiguren für mich wenig unterscheidbar waren und mir teilweise nicht mehr klar war, wer jetzt wie mit wem in Verbindung stand. Aber das war irgendwie auch gar nicht so schlimm. Die magischen Nebenfiguren wiederum waren durchaus interessant, spielten aber eine viel zu kleine Rolle. Von denen hätte ich gern gelesen.

Und jetzt kommen wir zu meinem größten Kritikpunkt: Die Dialoge. Teilweise haben sich mir da wirklich die Nackenhaare aufgestellt, was für einen bedeutungslosen Mist die Hauptcharaktere miteinander geredet haben. Und mittendrin erfährt Kommissar Tobi Winter von einer Fremden plötzlich, dass sie als Kind beinahe vergewaltigt worden wäre. Völlig zusammenhanglos und für die Story ist die Vergewaltigung auch nicht notwendig. Puuuuh.

Wo war der Feinschliff?

Mir kam es an vielen Stellen so vor, als lese ich noch die Rohfassung eines Buches. Es ist grob alles da, aber es wäre noch jede Menge Arbeit zu tun: Charaktere individualisieren, Dialoge feinschleifen, Handlungsstränge kürzen bzw. verlängern und und und. Ein paar zusätzliche Überarbeitungsdurchgänge hätten dem Buch sichtlich gut getan. Und so lautet mein Fazit: Ein seichter Krimi mit Magieeinschlag und Schwächen. Zwei von fünf Gütesiegeln von mir.

Leider hat mir „der Oktobermann“ wenig Lust auf Aaronovitchs übriges Werk gemacht. Wer einen ordentlichen Krimi lesen möchte, ist vielleicht mit „1793“ besser beraten und wer ordentliche Fantasy lesen möchte, der greife sich zum Beispiel „Die Könige der Finsternis“ .

8 Kommentare

  • Buchperlenblog

    Huhu Nico!
    Ich habe die GRANT-Reige aktuell bis zum 5. Band verfolgt, um den Oktobermann bin ich demnach auch schon herumgeschlichen.
    Wie du dieses Buch beschreibst, scheint es ganz anders zu sein, als die Hauptreihe. Die ist nämlich vor allem eines: flott unterwegs. Teilweise passiert so viel, Hauptstrang, Nebenstrang, buchübergreifender Fall und extra Mord, dass man da ebenso flott den Faden verlieren kann, wenn man nicht aufpasst 😀
    Kleiner Tipp von mir, wenn du dich an etwas ähnlichem probieren magst, greif zur Alex-Verus-Reihe von Benedict Jacka. Der erste Teil ist noch recht schnörkellos, wird aber immer besser 🙂

    Liebe Grüße!
    Gabriela

    • Nico aus dem Buchwinkel

      Liebe Gabriela,

      danke für deinen Tipp, ich werde mir die Alex-Verus-Reihe einmal ansehen. Aber es sieht aus, als wäre die Hauptreihe wohl tatsächlich deutlich besser als dieses alleinstehende Buch. Vielleicht wage ich irgendwann noch einen Sprung in die Flüsse von London 🙂

      Liebe Grüße,
      Nico

  • Grit

    Ich denke, der Oktobermann eignet sich wirklich nur, wenn man so voll in der Reihe und der Grant-Welt drinne hängt. Da die Reihe neben den Dresden Files und Alec Verus zu meinen liebsten Urban Fantasy-Welten gehört, liebe ich die Novellen. Zu Tobias gabs auf Bens Blog mal eine Kurzgeschichte, die fand ich schon so nett. Ich liebe so kleine Zwischengeschichten, die die Welt an sich etwas erweitern, auch wenn sie zum Hauptstrang nicht viel beitragen. Ich würde aber auch definitiv dazu raten, den ersten Band zu lesen. Noch besser, als englisches Hörbuch zu genießen (Kobna Holdbrook-Smith liest sie ganz hervorragend.)

    • Nico aus dem Buchwinkel

      Lieber Grit,

      vielen Dank für deine Empfehlung. Vermutlich ist es wirklich besser, erst einmal bei Band 1 anzufangen. Ich werde der Reihe noch eine Chance geben, ob als Hörbuch oder Buch, das weiß ich noch nicht.

      Viele Grüße,
      Nico

  • Janna | KeJas-BlogBuch

    Wie süß bist du denn <3 Ein Danke und ein Zitat (bei dem mir auffällt, das mir ein Wörtchen fehlt, hab das gleich mal in meiner Rezi verbessert *schäm)

    Und schade, dass dich das Buch auch nicht so packen konnte … Mich störte das mit dem Missbrauch auch, warum? Trägt nicht zur Geschichte bei bzw. hätte dafür auch eine andere Situation zum gleichen Verlauf geführt.

    Mir war der Anteil des magischen auch zu gering, aber meine Neugierde bezüglich der Grant-Reihe bleibt bestehen. Viele Fans sind wohl eher enttäuscht von diesem Buch, kann "Die Flüsse von London" nur gut und besser sein 😉

    Kann dir aber zustimmen, alles nicht ganz ausgereift und der Titel lässt viele ratlos zurück …

    Und da Gabriela es erwähnt, ich bin seit gestern glückliche Besitzerin vom ersten Band der Verus-Reihe, wann ich jedoch davon berichte, steht in den Sternen *lach

    Hab deine Rezension bereits bei mir verlinkt (= (und dich endlich mal in meinen Feedly Reader gepackt!)
    Mukkelige Grüße!

    • Nico aus dem Buchwinkel

      Liebe Janna,

      habe ich dein Zitat nicht wortwörtlich übertragen? oO Oder sollte ich daran noch etwas verändern?

      Ganz lieben Dank für die Verlinkung und die in den Feed-Verpackung 🙂 Ich freue mich schon auf zukünftige Rezensionen von dir und falls ich dir mal ein von mir rezensiertes Buch zusenden kann, gib Bescheid!

      Liebe Grüße,
      Nico

      • Janna | KeJas-BlogBuch

        Hast du wortwörtlich übernommen, ich habe nur ein Wort im Satz vergessen 😀

        Das mit dem dich verfolgen hätte mir auch schon früher einfallen können! Bei Twitter geht ja immer viel unter …
        Liebsten Dank für dein Angebot <3

        PS: das mit dem Abonnieren der Kommis klappt nicht, hab keine Nachricht erhalten, das du geantwortet hast 🙁

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