Meine liebsten Hörbücher

Der Weg zum Arbeitsplatz und zurück beträgt für mich täglich entweder 40 Minuten mit dem Auto oder 1,5 Stunden mit dem Zug. Ich habe daher schon vor langer Zeit angefangen, auf dem Arbeitsweg neben dem Podcast von Jan Böhmermann (viele Grüße an Mallefitz an dieser Stelle) auch Hörbücher zu hören. Nicht nur mir, auch dem Stapel ungelesener Bücher tat das ganz gut, ich höre nämlich meistens die Hörfassungen von Büchern, die schon zu lange ungelesen geblieben sind. Im Verlauf der Zeit bin ich neben einigen Enttäuschungen auch auf die ein oder andere Perle gestoßen, die ich euch in diesem Beitrag näherbringen möchte.

Im Hinblick auf die Hörbuchanbieter habe ich einiges durchprobiert:

  • Onleihe der örtlichen Bücherei
    Versteht mich nicht falsch, ich finde Büchereien wichtig und sinnvoll. Aber für mich sind sie nichts. Ein Buch Zurückgeben, in dem ich versunken bin und das ich gerne gelesen habe? Niemals. Das muss bei mir im Regal stehen, nach Wunsch herausgenommen und erneut gelesen werden. Das ganze trifft auf Hörbücher natürlich nur beschränkt zu, allerdings haben mich Rückgabedatum und teilweise eingeschränkte Verfügbarkeit bisher von der Onleihe abgehalten.
  • Spotify
    Zum Musik hören finde ich Spotify großartig. Für Podcasts ebenso. Aber für Hörbücher: nicht so. Das liegt an einigen Bedienschwächen. Im Gegensatz zu Podcasts speichert Spotify den Fortschritt beim Hören von Hörbüchern nicht. Ich müsste ihn mir also jedes Mal selbst aufschreiben, da ich ja zwischendurch auch Musik hören will. Und wenn ein Navi läuft, stoppt Spotify das Hörbuch nicht, sondern spricht leise weiter. Für jemanden wie mich, der viel Hörbuch im Auto hört (und sich schlecht orientieren kann), ist das nervig.
  • Audible
    Ich höre deshalb meine Hörbücher über Audible. Der Bedienkomfort (Stopp bei Navi-Ansprache, Speichern des Fortschritts auch wenn mehrere Hörbücher parallel gehört werden, offline Hören von Hörbüchern) und die Auswahl mit vielen Eigenproduktionen und auch Hörspielen haben mich aktuell überzeugt.

Worüber hört ihr eure Hörspiele? Schreibt es mir gerne in die Kommentare! Kommen wir nun aber zu meinen liebsten Hörbüchern:

Mein liebstes Hörbuch für lange Autofahrten

Letzten Sommer fuhr ich mit dem Auto und mit meiner (mittlerweile) Frau nach Schweden. Auch in Schweden waren die Fahrtwege oft lang. Ein Glück, dass uns ein Känguru und ein Kleinkünstler begleiteten und immer wieder zum Lachen brachten. Vorgelesen vom Autor Marc-Uwe Kling entfalten die vier Känguru-Teile noch einmal eine ganz andere Humor-Dimension als einfach nur als Buch. Und das Beste: Bei jedem erneuten Hören findet frau* noch einmal neue versteckte Anspielungen und Witze. Ich habe jeden Teil mittlerweile mindestens drei Mal gehört und die nächste lange Autofahrt mit dem Känguru kommt bestimmt. Mein liebster Teil sind übrigens die Känguru-Apokryphen, da hier unzusammenhängend Kurzgeschichten gesammelt sind und die Lacher noch dichter kommen, als in der Triologie.

Mein liebstes Hörbuch für schlaflose Nächte

Ist es ein Krimi? Nun ja, es passiert ein Mord, aber so spannend ist es auch nicht. Ist es ein Reiseführer? Nun ja, frau* erfährt viel über Damaskus, aber es fehlen jegliche Karten. Ist es ein Kochbuch? Nun ja, es wird ständig über Essen geredet, aber die Zutaten sind nicht alle bekannt. Ist es eine Biographie? Nun ja, frau* erfährt durch die allwissende Erzähler*in eigentlich alles über das Leben der beiden Kommissare, aber das sind ja „nur“ literarische Figuren. Was also ist „Die geheime Mission des Kardinals“ von Rafik Schami wirklich für ein Buch? Ehrlich gesagt: Ich weiß es nicht. Aber die Geschichte plätschert sanft vor sich hin, ohne langweilig zu sein und die Sprecher reden ruhig, ohne eintönig zu werden. Auch wenn frau* durch plötzliches Einschlafen mal ein paar Minuten verpasst, ist das kein Problem, die Handlung läuft nicht weg. Für mich also ein prima Hörbuch zum Einschlafen.

Mein liebstes Hörbuch für meine zukünftigen Kinder

Das kleine Gespenst“ von Otfried Preußler war schon zu meiner Kindheit ein Klassiker. Ehrlicherweise hat meine Mutter diese wunderbare Geschichte aber nicht ganz so schön vorgelesen wie Nora Tschirner. Hach, Nora ist für mich sowieso eine absolute Sympathieträgerin, weshalb ein von ihr eingelesenes Hörbuch nur ein Ohrenschmaus werden kann (wie übrigens auch „Not That Kind of Girl“ von Lena Dunham). Ich kann mir gut vorstellen, dass Nora auch meinen Kindern einmal die Autofahrten versüßen wird. Ansonsten höre ich sie einfach nochmal alleine!

Mein liebstes Hörbuch für Politikverdrossenheit

Vielleicht wäre Politik ja was für mich? Warum nicht, ich rede gerne, trete für meine Überzeugungen ein, verhalte mich halbwegs sozial… Ups, das sind ja Qualitäten, die ich überhaupt nicht brauche. „Herr Sonneborn geht nach Brüssel“ beschreibt den Alltag im EU-Parlament, wo es an vielen Stellen schlimmer zugeht, als… keine Ahnung, mir fehlten nach dem Anhören erst einmal die Worte. Vielleicht im Kindergarten, während alle Erzieher*innen krank zuhause geblieben sind? Egal, aber eines weiß ich ganz sicher: Auf gar keinen Fall gehe ich jemals in die Politik. Noch besser wäre das Hörbuch nur, wenn Martin Sonneborn es selbst eingelesen hätte. Das Hörbuch habe ich übrigens auch schon als “Urlaubslektüre“ empfohlen.

Mein liebstes Hörbuch, wenn ich mich verlaufen habe

Wer kennt das nicht: Frau* ist an einem fremden Ort, ohne eine wirkliche Idee, wo sie hin muss und ohne Plan, wie sie dahin kommt. Kommt heutzutage dank Smartphone und Europa-Flatrate vermutlich seltener vor, bei Saša Stanišićs Flucht aus dem Kosovo ging es ihm aber vermutlich noch viel schlimmer. Vermutlich, weil das ganze Buch sich um Heimat, Herkunft und Flucht dreht, jedoch selten explizit wird. Stanišić selbst hat die Episoden eingelesen, von denen nicht immer klar ist, ob sie so passiert oder doch künstlerisch überhöht wurden. Das spielt aber keine Rolle, denn Stanišićs Stimme verleiht der Erzählung eine solche Intensität und Wucht, dass ich nicht gebannter hätte zuhören können. Bereits bei meiner Rezension zum Buch habe ich von der Hörbuchfassung geschwärmt, „Herkunft“ erhielt für mich absolut gerechtfertigt den deutschen Buchpreis.

Mein liebstes Hörbuch auf Englisch

Habe ich schon erwähnt, dass Neil Gaiman einer meiner absoluten Lieblingsautor*innen ist? Ja? Ich langweile euch also? Sicher habt ihr dann auch alle schon „The View from the Cheap Seats“ gehört, gelesen von Neil Gaiman. Hier spinnt Gaiman ausnahmsweise mal nicht fantastische Geschichten, sondern gibt in Sachtexten und Essays seine Meinung zu Autor*innen, lesenswerter Literatur, Comics, Märchen, Büchereien und nicht zuletzt zu seinem Besuch in einem Flüchtlingslager zum Besten. Gaimans Sachtexte sind mindestens genauso hörenswert wie seine literarischen Texte, besonders wenn er sie selbst einspricht. Und das Englisch ist gut verständlich.

Mein liebstes Hörspiel

Zugegeben, Hörspiele ziehen mich weniger an, als Hörbücher. Auch wenn die Sprecher fantastisch sind. Und die Inszenierung einem Kinofilm gleicht. Ich möchte auch beim Hören meine Fantasie aktivieren und mir Räume, Klänge und Figuren selbst vorstellen. Hörspiele drängen mich zu sehr in ein Korsett. Trotzdem habe ich die Vertonung von “Macbeth“ genossen. Das Hörspiel fühlte sich wie ein (langes) Theaterstück an und war sehr spannend. Die Sprecher*innen sind renommiert, das ganze Epos ist sehr professionell umgesetzt. Besonders die Szenen mit den drei alten Hexen sind mir in Erinnerung geblieben. Auch wenn ich bis zu meinem Lebensende wohl kein passionierter Hörspielhörer mehr werde, habe ich diese Shakespeare-Umsetzung gern gehört.

Was sind eure liebsten Hörbücher? In welches Hörbuch sollte ich unbedingt einmal reinhören? Ich bin auf eure Anregungen in den Kommentaren gespannt 🙂

Dieser Beitrag wurde in der Linkparty Januar von monerl verlinkt. #miteinanderstattgegeneinander

15 Kommentare zu „Meine liebsten Hörbücher“

  1. Lieber Nico,
    das mache ich auch, dass ich Hörbücher raussuche, von Büchern, die ich auf dem SuB habe. Das ist total praktisch! So werden sie auch berücksichtigt, zudem kann ich ein Hörbuch immer zwischen reinschieben, in meine Leseplanung.

    Dein Arbeitsweg ist wirklich sehr lang. Früher hatte ich das auch und liebte das Lesen in der Bahn oder HB im Auto. Nun wohne ich schon seit ein paar Jahren im gleichen Ort, wo ich auch arbeite und was soll ich sagen, es gibt nicht´s schöneres als zu Fuß zur Arbeit zu können. Da kann man auch immer HB hören und die Zeit, die man spart, ist so kostbar. Ich wünschte, jede*r könnte es so haben, wenn er*sie es so haben wollen würden.

    Ich nutze auch Audible und BookBeat. BookBeat ist auch eine Hörbuchverleih, mit einem festen, monatlichen Abobeitrag. Je nach Hörgwohnheit kannst du zwischen zwei Abos entscheiden. Ich habe das Prämium, da es sich für mich schon ab dem 2. Hörbuch lohnt. Ich brauche nicht alle Hörbucher besitzen, deshalb passt das zu mir. BookBeat hat neben Audible die meisten Hörbücher im Angebot, auch ungekürzte.

    Aus deiner Liste kenne ich „Herkunft“ und „Das kleine Gespenst“. Meine Mädels lieben das Gespenst. 🙂

    Ich habe schon so viele Hörbücher gehört, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll… hihi

    Aus der letzte Zeit mochte ich aber „Blackout“ von Marc Elsberg sehr, auch „Bob, der Streuner“ von James Bowen, „Der Gesang der Flusskrebse“ von Delia Owens, „Charlotte“ von David Foenkinos, „Die Zwerge“ von Markus Heitz… Falls du stöbern willst, schau doch mal im Hörbuch-Archiv vorbei.

    GlG und ein schönes Wochenende,
    monerl

    1. Liebe Monerl,

      vielen Dank für deine Tipps, auch hinsichtlich BookBeat! Ich bin ehrlicherweise ein wenig neidisch auf deinen kurzen Arbeitsweg, wobei ich vermutlich immer noch privilegiert bin mit meinem Weg, da gibt es Menschen, die noch viel länger fahren müssen.
      Ich finde es lustig, dass du Hörbücher auch zum Abbau des SuB nutzt, so wie ich 🙂

      Liebe Grüße,
      Nico

  2. Huhuuuuuu (=

    Ich muss gestehen, das ich nur „Das kleine Gespenst“ als Print kenne, aber die Känguru-Chroniken sind schon in meiner Liste bei Audible und bookbeat gespeichert!
    Ich kann dir sehr „Die juten Sitten“ empfehlen, gehört zu meinen Highlights des vergangenen Jahres! Ansonsten müsste ich erstmal stöbern, um dir noch mehr Titel zu nennen, aber ich denke mit (m)einem Jahreshighlight zu starten, kann nicht schaden 😉

    Mukkelige Grüße!

      1. Bin sehr gespannt was du sagt und hoffe es begeistert dich ebenso wie mich! <3

        Aber ehrlich, du brauchst ein neues Kommi-Plugin, ich bekomm nie eine Mail, trotz Häkchen, das du geantwortet hast … 🙁 (kann dir, hast du WP?, "wpDiscuz" nur empfehlen)

        Mukkelige Grüße!

        1. Hey Janna,
          ich bekomme immer die Antwortmails von Nicos Blog. So such deine hier und bemerke erstaunt,
          dass ich von eurem Blog keine solche Antwortmail zu meinen Kommis erhalten habe. Bin grad mal rüber gehuscht und es gibt Antworten. Hmmm, das ist jetzt seltsam!
          GlG, monerl

  3. Hallo Nico,

    ich höre auch gerne Hörbücher, wobei ich im letzten Halbjahr Podcasts etwas den Vorzug gegeben habe.
    Ich nutze auch in der Regel Audible für Hörbücher und bin damit sehr zufrieden.

    Ich bin vermutlich eine der wenigen, die die Kängurugeschichten nicht mag (ich hatte den ersten Band auch als Hörbuch gehört). Das Neil Gaiman Buch liegt glaube ich noch auf meinem SuB.

    Von Rafik Schami hatte ich letztes Jahr mein erstes Buch gelesen und es gefiel mir gut, da klingt deine Empfehlung sehr gut. Ich mag Shakespeare sehr gerne und ich glaube ich werde mir das „Macbeath“ Hörbuch runterladen.

    Meine Lieblingshörbücher sind vermutlich die zur Zamonienreihe von Walter Moers und zu George R. R. Martins „A Song of Ice and Fire“. Selbst wenn man die Bücher schon gelesen hat, lohnen sich die Hörbücher zu beiden Reihen, da die Sprecher sie sehr gut lesen. Ich höre auch gerne Biographien, die von den Autoren selbst gelesen werden. Da kann ich „Not my Father’s Son“ von alan Cumming (TW: Kindesmissbrauch) und „When we Rise “ von Clive Jones empfehlen.

    LG
    Elisa

    1. Liebe Elisa,

      cool, vielen Dank für deine Empfehlungen! Wie hast du es denn bei „A Song of Ice and Fire“ gemacht? In der englischen Originalvertonung oder mit deutschen Sprecher*innen? Ich hab die Bücher auf Englisch gelesen, auch weil ich die eingedeutschten Namen schrecklich finde.

      Liebe Grüße,
      Nico

      1. Ja, ich habe die englischen Fassungen gehört. Zuvor hatte ich die Bücher schon 2 oder 3 Mal auf Englisch gelesen. Die deutsche Übersetzung habe ich mir nie angetan.

  4. Hi Nico!

    Unter deiner Ankündigung für den Comic März konnte ich leider nicht kommentieren? Deshalb einfach mal hier: Ich finde es ein super Thema, vor allem da ich Comics ja immer noch sehr meide und darum bin ich umso gespannter auf die vielen Beiträge, die mir die Comics sicher etwas schmackhafter machen werden 😀

    Ich hab deinen Post auch gerne auf meiner Aktionsseite geteilt!

    Ich freu mich schon!

    Liebste Grüße, Aleshanee

    1. Liebe Aleshanee,

      das liegt leider daran, dass der Überblick eine eigene Seite ist und nicht „nur“ ein Beitrag. Aber schön, dass du dir trotzdem die Mühe gemacht und kommentiert hast. Ich hoffe, es werden auch Beiträge für dich dabei sein, die dich so neugierig machen, dass du gar nicht mehr um einen Comic oder eine Graphic Novel herumkommst! Ich muss gestehen, mich hat die Freude am Comiclesen erst in den letzten beiden Jahren erreicht, vorher konnte ich mit dem Medium nicht so viel anfangen. Umso begeisteter bin ich mittlerweile über den wahnsinnigen Ideenreichtum und die vielen verschiedenen Comicwelten.

      Vielen Dank für die Aufnahme zu deiner Aktionsseite!

      Liebe Grüße,
      Nico

  5. Pingback: Neil Gaimans Comicwelten - Im Buchwinkel

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