Fantasy und Science Fiction

Madeline Miller – Das Lied des Achill

Seit ich Madeline Millers zweiten Roman „Ich bin Circe“ gelesen habe, wollte ich unbedingt alles Weitere von ihr lesen. Ich war von dem Buch nämlich ebenso begeistert, wie die goodreads Community, die „Circe“ zum besten Fantasy-Buch des Jahres 2018 gewählt hat. Über Pfingsten kam ich nun endlich dazu, den Debütroman über Achilles Leben und Sterben zu lesen. War Achilles nicht der mit dem Pfeil in der Ferse?

Love, Love, Love

Das Buch wird nicht aus Achilles Sicht erzählt, sondern aus der von Patroklos, dem Freund, Liebhaber und Lebensgefährten von Achilles. Die Sage um die Schlacht von Troja, die bereits Homer in seinem Epos „Ilias“ beschreibt, erfährt hier eine zeitgemäße Neuinterpretation, noch dazu aus dem ungewohnten Blickwinkel einer damals eher unbedeutenden Figur. Schließlich begegnen wir in dem Buch auch noch Odysseus, der schönen Helena oder Paris von Troja.

Wir begleiten also Patroklos und Achilles von ihren jungen Jahren und dem Beginn ihrer Freundschaft bis hin zum zehn Jahre dauernden Krieg um Troja. Dabei begegnen wir sagenhaften Figuren und Göttern und erleben die Hinterlist von Odysseus oder das Kriegsgeschick von Achilles aus nächster Nähe.

Das heldenhafteste Zitat

“Name one hero who was happy.“
I considered. Heracles went mad and killed his family; Theseus lost his bride and father; Jason’s children and new wife were murdered by his old; Bellerophon killed the Chimera but was crippled by the fall from Pegasus‘ back.“

Eleganter Schreibstil mit kleinen Mängeln

Geschrieben ist das ganze Spektakel auf dieselbe leicht distanzierte Art und Weise, die ich schon bei „Ich bin Circe“ so erfrischend fand. Gefühlt haben die aufkommenden Emotionen ein wenig Zeit zum Abkühlen, bevor sie beim Leser ankommen, was meiner Meinung nach sehr gut zu dieser teils historischen, teils phantastischen Erzählung passt.

Allerdings fehlt mir bei dem Lied des Achill ein klein wenig der Feinschliff des zweiten Romans. Wo bei „Circe“ jedes Wort absolut am richtigen Platz, jede Szene wertvoll und das ganze Buch ein einziges Flow-Erlebnis war, ist der Weg in diesem Buch ein wenig holpriger. Man könnte sagen: „Das Lied des Achill“ ist gut, „Ich bin Circe“ ist noch besser. 8 von 10 Pfeilen von mir!

Nebenbei: Im Buch stirbt Achilles nicht durch einen Pfeil in der Ferse. Ist ja auch irgendwie ein Witz, ich meine, wie stirbt man durch einen Pfeil in der Ferse? Humpeln, ja. Bein abnehmen? Vielleicht. Aber was muss das für eine krasse Blutvergiftung sein, wenn man davon direkt stirbt?

Der Song zum Buch

5 Kommentare

  • Buchperlenblog

    Guten Morgen! 🙂
    Klingt mir nach einem interessanten Buch, dass etwas am altbekannten vorbeischippert – schön! Ich habe mir das mit der Schwachstelle an seiner Ferse immer so vorgestellt, dass alles Leid und aller Schmerz, den man empfinden kann, sich auf diesem einzigen Punkt befindet und es deshalb mit nur einem Pfeil möglich ist, Achilles zu töten.

    Sonnige Grüße!
    Gabriela

    • Wutzkopf

      Interessanter Gedanke. Ich verbinde Achilles auch immer mit Siegfried. Der war nach seinem Bad im Drachenblut auch nur noch an einer Stelle verwundbar, weil ein Blatt auf seiner Schulter gelandet ist. Wie frustrierend muss es sein, wenn der Gegner dann genau diese Stelle trifft? Ich meine, wer zielt auf eine Ferse? Da ist ja wahrscheinlich der Pfeil vorher noch abgerutscht, dass der so getroffen hat.

      Naja, mit seinem Stolz und dem ganzen Kriegsgehabe ist Achilles eh nicht meine Lieblingsfigur in der griechischen Mythologie. Da finde ich zum Beispiel die drei Schicksalsgöttinen, die den Schicksalsfaden spinnen, viel interessanter. Oder Orpheus, der für seine große Liebe bis in die Unterwelt reist.

      Hast du griechische Lieblingsfiguren?

  • Antonie

    Hallo Nico,

    ich habe mir das Buch erst letztens mitgenommen und fiebere auch dem Erscheinen von „Ich bin Circe“ entgegen. Ich denke, ich werde als erstes dein liebstes Buch von ihr lesen und danach „Das Lied des Achill“, damit ich den direkten Vergleich habe – das Cover von „Ich bin Circe“ sieht aber auch zu verlockend aus 😀

    Danke für deine ehrlichen Worte und die leicht gemachte Entscheidung!

    Liebste Grüße,
    Antonie

    • Nico aus dem Buchwinkel

      Liebe Antonie,

      freut mich, dass ich dir bei deiner Entscheidung helfen konnte. „Das Lied des Achill“ ist ein gutes Buch, aber „Ich bin Circe“ ist ein großartiges, du triffst also auf jeden Fall die richtige Entscheidung 🙂

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