Comics und Graphic Novels,  Rezensionen

„Life is Strange – Staub“ von Emma Vieceli

Es gibt Videospiele, die hinterlassen einen Nachhall nach dem Spielen. Weil die Handlung mitnimmt. Und die Charaktere berühren. Ein solches Spiel ist für mich „Life is Strange“ (und die beiden Nachfolger) aus dem Jahr 2015. Essentiell geht es um die Beziehung zwischen den Jugendlichen Max und Chloe. Die beiden waren mal beste Freundinnen, bis Max weggezogen ist und sich der Kontakt verliert. Nun ist Max wieder da und stellt fest, dass sie Zeitlinien verändern und damit Chloes Leben in einer Schießerei retten kann. Die Spieler*in muss dabei immer wieder Entscheidungen treffen, die das Leben der Figuren des Spiels auf unterschiedliche Weise beeinflussen. Bei den Entscheidungen gibt es manchmal kein Richtig und kein Falsch und selbst anfänglich für richtig empfundene Entscheidungen können negative Konsequenzen nach sich ziehen. Wie gesagt, ein Spiel, das über das Spielen hinaus beschäftigt.

Zu ebendiesem Spiel gibt es nun eine Graphic Novel. Ich habe mich zwar einerseits sehr auf ein Wiedersehen mit Max und Chloe gefreut, war aber auch sehr skeptisch, ob die Graphic Novel auch nur ansatzweise mit dem Spiel mithalten kann.

Cover von Life is Strange

Life is Strange – Staub | Autorin: Emma Vieceli | Zeichnungen: Claudia Leonardi
Farben: Andrea Izzo | Lettering: Astarte Design | Übersetzung: Bernd Kronsbein
Verlag: Panini Comics | Veröffentlicht am: 27.08.2019 | Seiten: 116
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Die Geschichte

Die Geschichte von „Life is Strange – Staub“ spielt in einer der vielen möglichen Zeitlinien nach Ende des Videospiels, in der Chloe und Max überlebt haben und nach Seattle gezogen sind. Max wird von den sprichwörtlichen Geistern der Vergangenheit eingeholt, weshalb sich die beiden zurück nach Arcadia Bay, dem Schauplatz des Videospiels, aufmachen, um alles wieder in Ordnung zu bringen. Dabei geht es um Multiversen und parallele Zeitlinien, den Schmetterlingseffekt und – vor allem – um die Beziehung zwischen den beiden.

Ich war sehr froh darüber, wie einfühlsam die Autorin mit dem Erbe und den Emotionen der Charaktere umgegangen ist: Max und Chloe sind in ihren Handlungen eindeutig wiedererkennbar, gleichzeitig hat sich ihre Beziehung natürlich weiterentwickelt. Sie versuchen sich von der Vergangenheit freizumachen und können ihr gleichzeitig nicht entkommen.

Erfrischend fand ich die Idee, nicht das Zeitreisen und die Manipulation der Zeitlinien in den Mittelpunkt zu stellen, sondern das Ringen von Max und Chloe um eine gemeinsame Zukunft, die ihnen nicht vorherbestimmt scheint.

Die visuelle Aufmachung

Die Zeichnungen ähneln der Ingame-Grafik, auch das Lettering ist an das Spiel angelehnt, was für einen angenehmen Wiedererkennungswert sorgt. Wie im Spiel schießt Max auch in der Graphic Novel Polaroidbilder, die immer wieder auf den Seiten auftauchen. Insgesamt empfand ich das als einen sehr wertschätzenden Umgang mit der Vorlage.

Allerdings: Unzufrieden war ich mit der Mimik der Figuren. Die Emotionen fand ich nicht deutlich genug dargestellt, die Erlebnisse spiegeln sich nicht immer in den Gesichtern der Charaktere. Hier fehlte mir eindeutig die Ausdrucksstärke. Genau das ist mir bei der visuellen Ausgestaltung einer Geschichte aber besonders wichtig. Deshalb gebe ich – trotz der erfrischend interessanten Handlung und dem wertschätzenden Umgang mit den liebgewonnenen Charakteren – „nur“ 8 von 10 Schmetterlingen. An dieser Stelle auch ein Hinweis: Wer die Spiele nicht kennt, wird an „Life is Strange – Staub“ vermutlich nicht so viel Freude haben. Ganz klar eine Geschichte für Fans der Videospiele.

Bewertung Life is Strange

Der Song zur Novel

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