Kompromisslos kurzweilige Comics

Dieser Beitrag ist Teil des Themenmonats #Comicmärz

In meiner Planung sollte der Titel dieses Beitrags „Grandiose Graphic Novels“ heißen. Von Graphic Novels hatte ich bisher nur eine vage Vorstellung, dachte aber, das wären in einem Band zu Ende erzählte Geschichten im Gegensatz zu dem seriellen Ansatz traditioneller Comics. Zum Glück bin ich über diesen fantastischen Beitrag von Kathrin auf phantasienreisen.de gestolpert. Detailliert erklärt sie den Unsinn und die Marketingmasche, die hinter der Etikettierung „Graphic Novel“ steckt. Deshalb wird hier in Zukunft nicht mehr von Graphic Novels die Rede sein und stattdessen gibt es „Kompromisslos kurzweilige Comics“. Bloß, was ist damit gemeint?

Unter der ominösen Überschrift sammle ich einige Empfehlungen von mir zu Geschichten, die mich besonders gut unterhalten haben UND die auch nach dem Lesen noch für Beschäftigung sorgen. Wie? Das erfahrt ihr im Beitrag. Viel Spaß damit!

„Der große Indien Schwindel“ von Alain Ayroles und Juanjo Guarnido

Verlag: Splitter | Erschienen: August 2019 | Seiten: 160 | Preis: 35 €

Max vom Splitter Verlag preist in seinem Interview den großen Indienschwindel als „nahezu perfekte[n] Comic“ an und auch Gabriela von buchperlenblog.de und Bella von bellaswonderworld.de sind voll des Lobes. Zu Recht! Die Geschichte des Glücksritters Don Pablo ist spannend und wendungsreich. Pablos hat es sogar geschafft, mich als Leser hinters Licht zu führen. Dazu passend sind die Illustrationen wunderschön und mit großer Liebe zum Detail gezeichnet. Das Auge wird geradezu eingeladen, lange auf den einzelnen Panels zu verweilen. Hach, ich komme ganz ins Schwärmen…

Jedenfalls ist der Spaß mit dem Lesen von „Der große Indien Schwindel“ nicht vorbei, denn danach kann frau* sich einen großen Schwindel für den baldigen ersten April überlegen oder die Netflix-Serie „Haus des Geldes“ schauen, da geht es auch um einen großen Schwindel.

„Der Report der Magd“ von Margaret Atwood und Renée Nault

Verlag: berlin verlag | Erschienen: September 2019 | Seiten: 240 | Preis: 25 €

Im englischen Original erschien der Roman „The Handmaid’s Tale“ von Margaret Atwood bereits 1985 und musste ganze 34 Jahre auf seinen Nachfolger (The Testaments / Die Zeuginnen) warten. Eigentlich könnte diese Dystopie also längst veraltet und verstaubt sein, aber weit gefehlt: Der Stoff ist aktuell wie eh und je. Im fiktiven Staat Gilead wurden Frauen nach und nach immer mehr Rechte entzogen. Sie dürfen weder Berufe noch Freundschaften haben und Bildung schon gar nicht. Nach einer Katastrophe gibt es nur noch wenige fruchtbare Frauen und diese werden in Lagern zu Mägden ausgebildet. Diese Mägde werden dann zu Kommandanten geschickt, um ihnen Kinder zu gebären.

Wie weit sind wir von einer solchen Dystopie entfernt? Hoffentlich ziemlich weit. Aber von der Utopie der Gleichberechtigung vermutlich ebenso weit. Das Ende der Lektüre ist also der ideale Einstieg für feministisches Engagement, egal auf welche Weise. Und wer noch nicht genug Dystopie hat, kann den Nachfolgeroman „Die Zeuginnen“ lesen oder sich die Serie zum Buch und zur Graphic Novel „A Handmaid’s Tale“ bei amazon ansehen.

„M.O.R.I.A.R.T.Y.“

Verlag: Splitter | Erschienen: September 2019 | Seiten: 128 | Preis: 24 €

Eine Sherlock-Holmes Geschichte mit Steampunk-Elementen und Gastauftritten von Winston Churchill, Doktor Jekyll und Mister Hyde. Die Geschichte ist spannend und die düstere Farbpalette der Illustrationen passt sehr gut zur Handlung, in der es um nichts weniger als die Rettung Englands geht. Ich als Sherlock Holmes Fan kann sowieso nie genug von Neuinterpretationen rund um den berühmten Detektiv bekommen.

Damit jedoch nicht genug. Warum nach dem Ende der Lektüre nicht selbst eine eigene kleine Sherlock Holmes Geschichte verfassen, so wie zum Beispiel Neil Gaiman („A Study in Emerald“ ) und viele andere? Oder Stunden damit verbringen, eine schöne Sammleredition der Originalgeschichten von Sherlock Holmes zu finden? Und dann sind da ja auch noch all die Serien und Filme…

„Das Tagebuch der Anne Frank“ von Ari Folman und David Polonsky

Verlag: S. Fischer | Erschienen: Oktober 2017 | Seiten: 160 | Preis: 20 €

Der grobe Inhalt der Tagebücher von Anne Frank, die sich mit ihrer jüdischen Familie in Amsterdam vor den Nazis versteckte, ist vermutlich bekannt. Die Umsetzung der sowieso schon wortgewaltigen Tagebucheinträge in Bilder finde ich extrem gut geglückt und erweckt Anne und ihre Familie beinahe noch einmal zum Leben. Dazu passend gibt es eine ausführliche Gesamtausgabe aus dem S.Fischer Verlag, in der nicht nur die Tagebuchtexte, sondern auch weitere Briefe von ihr veröffentlicht sind.

Und danach kann frau* den Original Handlungsschauplatz besuchen: Das Anne Frank Haus in Amsterdam (Rundgang in der aktuellen Situation auch mit VR-Brille möglich) und sich überlegen, wie frau* zukünftig politisch aktiv werden möchte. Schließlich tragen wir alle die Verantwortung dafür, dass solche Gräueltaten nie wieder passieren.

8 Kommentare zu „Kompromisslos kurzweilige Comics“

  1. Lieber Nico,
    zwei der vorgestellten Comics habe ich auch gelesen und freue ich, dass sie auch dich begeistern konnten. Anne bleibt unvergessen und soll jede weitere Generation an die schlimme Zeit erinnern. Meiner Nichte habe ich die GN vor paar Wochen geschenkt und sie hat sie inhaliert.

    „Der große Indien Schwindel“ und „M.O.R.I.A.R.T.Y.“ sind auf meiner Wunschliste gelandet. Ich habe noch bedarf an weniger schweren Comics. Mein SuB beinhaltet viele Comics, die sich ernsten Themen zufenden.

    Danke für den wundervollen Beitrag!
    GlG, monerl

  2. Liebe Nico,

    ich fühle mich sehr geehrt, dass du meinen Beitrag hier verlinkst und dass er dich tatsächlich zum Hinterfragen des Begriffes und zum Umbenennen deines Artikels veranlasst hat!

    „Der große Indien Schwindel“ wird wirklich überall gelobt. Bisher konnte mich der Zeichenstil nie so ganz überzeugen, aber bei so vielen begeisterten Stimmen muss ich dem Comic wohl doch mal eine Chance geben.

    Liebe Grüße
    Kathrin

    1. Liebe Kathrin,

      aber klar, dafür sind Mitblogger*innen doch auch da! Um Ansichten zu ändern und auf Neues aufmerksam zu machen 🙂

      Ich kann den Indien Schwindel wirklich nur erleben, sowohl der Zeichnungen wegen, aber auch vor allem aufgrund der spannenden und sehr intelligenten Geschichte. Du musst nur schauen, dass dein Regal groß genug ist, das Ding ist schon echt überdimensional.

      Liebe Grüße,
      Nico

  3. Lieber Nico,
    den »Indienschwindel« habe ich auch gerade erst gekauft und bin schon sehr gespannt aufs Lesen – jetzt erst recht.
    Danke für die tollen Tipps und liebe Grüße
    Kerstin

    1. Liebe Kerstin,

      ohooo dann bin ich total gespannt, wie du ihn findest. Für mich auf jeden Fall der Comic des letzten Jahres. Liegt aber auch daran, dass ich ihn von meiner Frau zum Geburtstag bekommen habe 🙂

      Liebe Grüße,
      Nico

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