Fantasy und Science Fiction

Josiah Bancroft – Im Turm

Die Trilogie liegt seit mehr als einem halben Jahr auf meinem Stapel der ungelesenen Bücher. Da es nur als Softcover erschienen ist, fand ich es als Reiselektüre gut geeignet. Ich war mir vorher nicht sicher, ob ich mit der Geschichte etwas anfangen können würde, weshalb ich das Buch wohl auch so lange liegengelassen habe. Das sollte sich als große Fehleinschätzung herausstellen…

Der Mann und der Turm

Thomas Senlin ist Schulleiter und einziger Lehrer einer kleinen Dorfschule am Meer. Mit dem offenen Zeigen von Gefühlen hat er es nicht so, weshalb sein Ruf im Dorf auch eher… gemischt ist. Trotzdem hat er seine Traumfrau gefunden und unternimmt mit ihr eine Hochzeitsreise zum Herzen der Zivilisation… Zum Turm von Babel.

Leider läuft nicht alles wie erhofft und Senlin verliert seine frischgebackene Ehefrau bereits am ersten Abend in der Menschenmenge. Nachdem er einen geschlagenen Tag auf sie gewartet hat (wow!), macht er sich schließlich auf die Suche nach ihr. Er muss feststellen, dass der Turm von Babel nicht das zivilisatorische Herzstück ist, das er erwartet und erträumt hatte und dass der Turm jeden Besucher verändert. Meist nicht zum Guten. Die Chancen stehen schlecht, dass er seine Angetraute jemals wiedersehen wird.

Sackstarke Charaktere

Auf seiner Reise begegnet Senlin einer Reihe einzigartiger Figuren, die allesamt ihr Päckchen zu tragen haben und die Senlin entweder auf seiner Reise helfen, oder ihm im Wege stehen – oder beides. Sie alle haben ihre vom Turm beeinflusste Geschichte und sind so lebendig geschrieben, dass ich mit ihnen mitgelitten und mitgefiebert habe.

Besonders gefallen haben mir die starken Frauenfiguren, allen voran Iren und Edith. Die Frauen sind alles andere als wehrlos und keinesfalls nur Randfiguren, sondern elementarer Bestandteil der Handlung und ihr Schicksal ist eng mit dem Senlins verwoben. Auch über Marya, Senlins Ehefrau, erfährt man im Laufe der Handlung einiges, was keinesfalls dem traditionellen Frauenbild entspricht. Die Figuren sind so gut beschrieben, dass sie sich in meiner Vorstellung beinahe real anfühlten.

Bewegende Bilderwelten

Nicht nur die Beschreibungen der Figuren ließen mich staunen. Bancroft gelingt es auch, den Turm und die unterschiedlichen Stockwerke des Turms durch Vergleiche und Adjektive so lebendig zu beschreiben, dass in meinen Gedanken oftmals beinahe ein eigener Film entstanden ist. Die Sprache ist dabei so geschliffen und elegant, dass ich dahinter niemals ein Erstlingswerk vermutet hätte.

Auch das Tempo der Handlung gestaltet sich abwechslungsreich. Zwischendurch fühlt sich „Der Turm“ beinahe wie ein harmloser Abenteuerroman an, ein wenig wie „Der Hobbit“ vielleicht. Aber diese Leichtigkeit wird immer wieder durchbrochen von unheimlich spannenden Passagen und expliziten und heftigen Gewaltausbrüchen. Das verleiht der Geschichte Ecken und Kanten, die das Buch noch besser machen. Von mir begeisterte 10/10 Reiseführer!

Das emotionsloseste Zitat

Senlin did not believe in that sort of love: sudden and selfish and insatiable. Love, as the poets so often painted it, was just bald lust wearing a pompous wig. He believed true love was more like an education: It was deep and subtle and never complete.

Der Song zum Buch

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