„Infinitum“ von Christopher Paolini

Mit einem befriedigenden *plopp* klappt das Buch nach dem Lesen der letzten Seite zusammen. „Infinitum“ von Christopher Paolini hat mich nun eine ganze Zeit lang begleitet – weil ich aktuell nur wenig zum Lesen komme und weil der Wälzer immerhin 960 Seiten dick ist. Paolini selbst hat sich ganze neun Jahre mit dem Werk herumgeschlagen, nachdem ihm mit der Eragon-Reihe ja bereits Weltbestseller gelungen waren. Allerdings habe diesmal die Geschichte lange nicht richtig funktioniert und er habe sie immer wieder überarbeiten müssen, erzählt Paolini im Nachwort. „Infinitum“ sei nicht perfekt, aber die beste Fassung, die ihm zu schreiben möglich war. Ich will mir gar nicht vorstellen, wie nervenaufreibend die Arbeit an dem Buch gewesen sein muss…

Infinitum | Autor: Christopher Paolini
Übersetzt von: Barbara Häusler, Anke Kreutzer, Eberhard Kreutzer, Katharina Naumann
Verlag: Knaur | Erschienen am: 15.09.2020 | Seiten: 960

Greif nach den Sternen

In Zentrum der Geschichte steht Kira, ihres Zeichens Xenobiologin und dafür zuständig, von der Menschheit noch unbewohnte Planeten auf außerirdische Lebensformen zu untersuchen. Ihr großer Traum ist es, den Ruhm für die Entdeckung einer intelligenten außerirdischen Lebensform anerkannt zu bekommen. Als sie dann aber tatsächlich auf intelligentes Leben trifft, wandelt sich die Geschichte sehr schnell zu einem Alptraum. Ein schwarzer Staub geht mit Kira eine symbiotische Verbindung ein. Kira versteht anfangs weder die Motive noch den Zweck des Xenos. Sie verliert alles und muss lernen, das Alien zu verstehen und mit ihren neuen Fähigkeiten umzugehen.

„Die schwerste Lektion, die wir im Leben zu lernen haben, ist die, dass wir manche Dinge nicht ändern können.“ Falconi schwieg, sein Blick war hart, und seine Augen funkelten.Infinitum, S. 546

Dabei ist es überhaupt nicht hilfreich, dass nicht nur das Militär der menschlichen Liga, sondern auch jede Menge plötzlich erscheinender Aliens es auf sie abgesehen haben. Was folgt ist eine stellenweise atemberaubende Reise durch fremde Galaxien, während der Kira auf jede Menge originelle Charaktere trifft.

Da wäre zum Beispiel Maschinenmeisterin Hwa-jung, die mit Sicherheit stärkste Person auf dem Schiff. Oder Trig, der fast noch ein Kind und ein ziemliches Plappermaul ist. Am interessantesten von allen fand ich aber die Schiffspersona Gregorovich. Eine Schiffspersona ist ein riesiges ehemals menschliches freischwimmendes Gehirn, das sich mit einem Raumschiff verbindet und dessen neuer Körper quasi das Schiff ist. Wie für alle anderen Figuren auch, so hatte das Leben für Gregorovich nicht nur Süßigkeiten parat, weshalb er nun ein wenig… nun ja, eigenartig ist.

„Gregorovich, reiß den Durchflussbegrenzer heraus“, sagte Falconi. Eine winzige Pause vonseiten des Schiffsgehirns. „Bist du vollkommen sicher, o Captain, mein Captain?“
„Ja. Bin ich. Reiß ihn raus.“
„Ich lebe nur, um dir zu dienen“, erwiderte Gregorovich und kicherte etwas mehr, als Kira lieb gewesen wäre.Infinitum, S. 657

Schweif nicht ab

Auf der langen Reise sind mir die Figuren ans Herzen gewachsen und haben die Handlung getragen. Ich stimme absolut mit Paolini überein: „Infinitum“ ist kein perfektes Buch. Es ist eine tolle, stellenweise extrem spannende Science-Fiction-Erzählung mit interessanten Aliens, fremden Planeten und riesigen Raumschlachten. Das Zukunftskonzept wirkt größtenteils gut durchdacht und der wissenschaftliche Hintergrund, zum Beispiel zum Reisen bei Überlichtgeschwindigkeit, ist in einem Addendum zusätzlich zusammengefasst. Aber. Aber die Geschichte ist mindestens 200 Seiten zu lang. Oder auch 300. Und so reihen sich an spannende Stellen auch einige Längen und Nebenhandlungen und Erzählstränge, die wenig zielführend sind. Ein wenig mehr Geradlinigkeit und Fokus hätten das Buch noch besser gemacht. Und so reicht es für mich nicht zur Bestwertung für Infinitum, sondern „nur“ für 4,5 von 5 Lesezeichen.

PS: Im Übrigen ist bereits eine Verfilmung des Buches geplant. Von der Länge des Buches her würde ich eine Serienadaption für geeigneter halten aber wer weiß, vielleicht erwartet uns auch ein 8-Stunden-Blockbuster. Oder die Handlung wird so gestrafft und auf das Wesentliche reduziert, dass der Film der absolute Hammer wird.

Weitere Rezensionen

Fantasievolle Science-Fiction, die voller Action steckt und dennoch zum Erträumen des Weltalls einlädt.
– Bella von bellaswonderworld.de

Es ist erwachsener und brutaler als Eragon, manchmal hatte die Geschichte auch beklemmende oder sogar abstoßende Momente.
– Jasper von jaspersbuchblog.de

Der Song zum Buch

12 Kommentare zu „„Infinitum“ von Christopher Paolini“

  1. Die Story und was du zu berichten hast, klingt ja schon mal sehr interessant. Und das mit der Länge ist scheinbar das Problem des Autors, so ging es mir schon mit den eragon Büchern, habe irgendwann die Kapitel von eragon Bruder überspringen, weil die sich so gezogen und langweilig waren.

    Alles Liebe

    Nadine

    1. Hallo Nadine,

      die Eragon-Bücher sind bei mir echt lange her, deshalb habe ich wenig Erinnerung an Längen oder Ähnliches. Aber spannend, dass das ein Markenzeichen Paolinis zu sein scheint, welches sich durch sein Gesamtwerk zieht. Im „Sich Zeit lassen“ ist er wohl wirklich gut, das sieht frau* ja auch an den 9 Jahren Schreibarbeit, die in „Infinitum“ geflossen sind xD Weder er noch seine Geschichte lassen sich hetzen.

      Liebe Grüße,
      Nico

  2. Schönen guten Morgen!

    Da war ich jetzt echt gespannt, wie dir das Buch gefallen hat 🙂
    Ich hab ja auch grade einen mega Wälzer von Eschbach hinter mir (sogar nochmal 200 Seiten länger), bei dem auf keiner Seite Langeweile aufkam und das ist schon echt richtige Kunst ^^
    Es ist aber auch Wahrnehmungssache, denke ich, denn wenn es trotzdem spannend erzählt wird, oder einen fesselt, können auch Passagen, die scheinbar nicht so wichtig sind, trotzdem gelungen sein und den Leser bannen.

    Ich hab ja Eragon nie gelesen. Mein erster Versuch vor 2 Jahren ist gescheitert und ich hab Band 1 nach ca. 250 Seiten abgebrochen.
    Das neue Buch interessiert mich aber sehr und der schwarze Staub, der sich mit Kira verbindet, macht mich extrem neugierig. Ich werd das Buch auf jeden Fall auf meiner Wunschliste behalten, werde aber in diesem Jahr wohl nicht mehr dazu kommen …

    Liebste Grüße, Aleshanee

    1. Hey Aleshanee,

      ja es gibt Wälzer, bei denen jede Seite super spannend ist. Das ist hier leider nicht so, es gibt durchaus Längen =) aber ich finde das Buch trotzdem gelungen und glaube, auch du wirst etwas damit anfangen können. Nächstes Jahr dann =)

      Viele Grüße,
      Nico

      1. Da ist mir noch was eingefallen: Einige haben vermerkt, oder ich täusch mich grade, dass es hierzu eine Fortsetzung geben soll? Weißt du was davon? Bzw. ist das Ende des Buches auch ein Ende der Geschichte? 🙂

        Übrigens auch hier (wie bei Eschbach), toll dass der Verlag das Buch im ganzen gelassen hat und nicht gesplittet!

        1. Hey Aleshanee,

          ich habe ebenfalls gelesen, dass es weitere Geschichten im selben Universum geben soll. Das Ende ist so, dass die Geschichte zwar ein befriedigendes Ende hat, aber gleichzeitig ganz klar Raum für eine Fortsetzung gelassen wird, indem Fäden bewusst nicht geschlossen werden. Von daher denke ich, dass es sicher eine Fortsetzung geben wird =)

  3. Huhu Nico!
    Bei diesem Buch habe ich eine Freundin quasi begleitet, die es in einer Leserunde gelesen hat. Und dabei fiel mir vor allem eines auf: Das sich viele dort mit der Geschichte schwer taten, die von einem Paolini wohl eher etwas eragon-ähnliches erwartet hätten. Ihr wiederrum hat es sehr gefallen und ich bin froh zu lesen, dass es dir ebenso ergangen ist. Dieses Buch ist auf jeden Fall auch auf meiner Wunschliste, mal sehen wann der kleine Wälzer einziehen darf.

    Alles Liebe!
    Gabriela

    1. Liebe Gabriela,

      ich bin mir sicher, du wirst den Wälzer schneller durch haben als ich, bei deiner Lesegeschwindigkeit =)

      Ich finde es gut, dass Paolini einen neuen Schritt gewagt und dich von seinem ursprünglichen Universum entfernt hat. Ich finde die Längen lassen sich gut verschmerzen, weil die spannenden Passagen und die Figuren das absolut wieder wett machen.

      Viele Grüße,
      Nico

    2. @Gabriela: Grade weil ich hoffe, dass der Autor sich mit den Jahren doch etwas verändert hat und eben nicht einen „Eragon Abklatsch im Weltall“ geschrieben hat, bin ich sehr neugierig auf das Buch.
      Eragon konnte mich ja nicht begeistern – aber ich geb ihm hier gerne noch eine Chance. Das hört sich genau nach meinem Geschmack an 😀

  4. Hallöchen Nico,

    diese Rezension macht mich noch aufgeregter auf das Buch, als ich ohnehin schon bin. Ich habe „Eragon“ mit 10 zum ersten Mal gelesen und geliebt. Das war in meiner Kindheit und Jugend eine meiner Lieblingsreihen und ich habe manche der Bücher 11 Mal gelesen (keine Übertreibung). Seit der letzte Band erschien habe ich die Reihe nicht noch mal gelesen, aber ich habe richtig Lust auf Paolinis neues Buch. Vielleicht werde ich mir das Buch demnächst holen.

    LG und danke für die Rezi
    Elisa

    1. Liebe Elisa,

      wenn du alle Eragon-Bücher verschlungen hast, dann bist du mit Paolinis ausschweifendem Schreibstil ja sehr vertraut und dann fällt für dich auch der einzige große Kritikpunkt, den ich habe, weg. Also wünsche ich dir schon mal ganz viel Vergnügen! =)

      Liebe Grüße,
      Nico

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