“Im Zeichen der Mohnblume – Die Erlöserin” von R. F. Kuang

Rebecca F. Kuangs “Poppy Wars”-Trilogie ist seit Mai diesen Jahres endlich auch in Deutschland vollständig erhältlich. Hier tragen die Bücher den Namen “Im Zeichen der Mohnblume” und jeweils andere Untertitel. “Die Schamanin” und “Die Kaiserin” habe ich hier auf dem Blog bereits rezensiert, jetzt folgt mit “Die Erlöserin” noch das große Finale rund um Rin, ihren Phönix und die chinesische Geschichte des 20. Jahrhunderts.

Im Zeichen der Mohnblume – Die Erlöserin | Autorin: R. F. Kuang
Übersetzt von: Michaela Link | Verlag: blanvalet | Erschienen am: 16.05.2022 | Seiten: 784
Werbung: Rezensionsexemplar

Eine Geschichte aus Feuer und Tod

CN: Emotionaler und physischer Missbrauch (auch von Tieren), Kannibalismus, Drogen, Sexismus, Vergewaltigung, Selbstverstümmelung, Folter, abgetrennte Körperteile, exzessive Gewaltanwendung, Verbrennungen, Experimente an Menschen, Tod (auch von Kindern), Massaker

Spoilerwarnung! Wer nicht wissen möchte, worum es im dritten Teil geht, weil sie*er die Vorgänger noch nicht gelesen hat, scrollt bis zur nächsten Überschrift vor.

Der finale Band von “Im Zeichen der Mohnblume” beginnt mit Rin, die von ihren Verbündeten verraten wurde, aber überlebt hat. Gemeinsam mit dem ihr innewohnenden Gott, dem Phönix, hat sie sich der Rebellenarmee im Süden des Landes angeschlossen. Die Rebellen versuchen verzweifelt, sich gegen die Überbleibsel der Besetzung durch die Mugener zu wehren und gleichzeitig nicht der neuen und technologisch übermächtigen Republik im Norden zum Opfer zu fallen.

Der Kampf wird zunehmend verzweifelter und Rin ist weiterhin nur eine Schachfigur auf einem Feld voller Spieler, die noch mächtiger sind als sie. Kann sie sich von den Marionettenfäden lösen? Und was wird passieren, falls Rin das schafft? Wird sie die Welt in Flammen setzen oder ihr Land in eine blühendere Zukunft führen können?

Geschichtsunterricht

In meiner Rezension zum zweiten Band “Die Kaiserin” bin ich schon näher darauf eingegangen, dass Rins Geschichte angelehnt ist an die Geschichte Chinas im 20. Jahrhundert. Das Ganze wird ausgeschmückt mit phantastischen Elementen, allerdings lassen sich die Rollen der ausländischen Mächte Japan und den USA sowie die innerpolitischen Spannungen trotzdem gut nachvollziehen, wenn man ein wenig darüber nachliest. In einem Interview erzählt die Autorin, dass die Trilogie sich mit den aufkommenden kommunistischen Bewegungen als Antwort auf den westlichen Imperialismus beschäftigt. Das finale Buch “Die Erlöserin” stellt die Frage, ob auch eine Alternative zu Mao für China möglich gewesen wäre.

Die Gezeiten der Geschichte hatten sich verändert. Rin hatte bisher nie an das Schicksal geglaubt, aber eins wurde ihr von Tag zu Tag klarer: Durch die Schrift der Welt zog sich jetzt ein leuchtend roter Streifen, der sich nicht mehr entfernen ließ.R. F. Kuang, S. 594

Monumental brutal

Die Content Notes (CN) bzw. Triggerwarnungen oben verraten es schon. “Im Zeichen der Mohnblume” ist keine leichte und gutgelaunte Kost. Stellenweise wird es ganz schön übel. Auf dem Klappentext steht ein Zitat aus der Publishers Weekly: “Kuang verschont weder Figuren noch Leser vor den Schrecken und Folgen des Krieges”. Und das ist mehr als wahr. Lebendig begrabene Menschen, verhungernde Kinder, und noch einiges mehr – all das kommt explizit im Buch vor. Einige Szenen sind mir länger im Gedächtnis geblieben, als mir lieb war. Ich bin ehrlich, die aktuelle globale Situation hat das Lesen nicht einfacher gemacht. Der Schritt von den Kriegsverbrechen im Buch zu den täglich stattfindenden Kriegsverbrechen in der Ukraine ist nicht besonders groß.

Davon losgelöst hat “Im Zeichen der Mohnblume – die Erlöserin” vieles, was ein gutes Fantasy-Buch ausmacht. Gleichzeitig gibt es auch einiges, das eine gute Geschichte nicht gebraucht hätte. Die Anlehnung an ein düsteres Kapitel der chinesischen Geschichte, der technologisch hochentwickelte Westen als Feind im Hintergrund, das schamanistische Magiesystem – alles grandios!

Und die Figuren? Rin hat mich deutlich weniger genervt als im zweiten Band, das muss man ihr zugute halten. Trotzdem, gerade in der Interaktion mit Erzfeind/Exfreund Nezha musste ich mir öfter die Haare raufen. Kitay, mit dem sie ein enges Band verbindet, bleibt zunehmend blass. Und Venka, die für mich den zweiten Band getragen hat, kommt über einen sehr schwachen Auftritt nicht hinaus. Bleibt am ehesten noch Daji, die von Rin enttrohnte Kaiserin, deren Charakter ich spannend fand.

Davon abgesehen hätte es in meinen Augen den ein oder anderen erzählerischen Umweg nicht gebraucht (und deren Auslassung hätte das Buch kürzer und zugänglicher gemacht). Allerdings soll die Kritik nicht davon ablenken, dass “Im Zeichen der Mohnblume” mit seinen drei extradicken Bänden ein monumentales Fantasywerk ist, das ausnahmsweise mal nicht von einem alten weißen Mann geschrieben wurde und es trotzdem in seiner Gesamtheit nach Deutschland geschafft hat. Nicht nur deshalb unbedingt lesenswert und auch in Zukunft bitte mehr davon!

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