“Im Spiegelsaal” von Liv Strömquist

Laut Klappentext gehören Liv Strömquists Sachcomics zu den meist verkauften Graphic Novels weltweit. Was soll ich sagen, auch in meinen Regalen stehen alle Werke von ihr, die bisher auf Deutsch erschienen sind. Selbstverständlich darf da auch ihr neuester Comic “Im Spiegelsaal” nicht fehlen. Auf den ersten und zweiten Blick ähnelt der den vorhergehenden Bänden – und das ist Fluch und Segen zugleich.

Im Spiegelsaal | Text und Bilder: Liv Strömquist | Übersetzt von: Katharina Erben
Verlag: avant-verlag | Erschienen am: 01.10.2021 | Seiten: 168
Werbung: Rezensionsexemplar

Spieglein, Spieglein an der Wand

CN: Anorexie, Misogynie, Toxische Männlichkeit, Sexuelle Gewalt, Femizid

In den fünf gesammelten Sachcomics von Strömquist geht es dieses Mal um Schönheitsideale. Welchen Einfluss hat Kylie Jenners Instagram Account auf die Jugend? Was war los mit Kaiserin Sisis Zähnen? Welche Schönheitsideale vermitteln Märchen? Wie werden Frauen in verschiedenen Gesellschaftssystemen dargestellt? Wie funktioniert Schönheit als Kapital?

Und natürlich: Was hat Schönheit mit unserem heutigen Konzept von “Liebe” zu tun? Hier mal ein Auszug aus der Antwort:

Es hat gewissermaßen keine PRAKTISCHE BEDEUTUNG oder FUNKTION mehr, sich mit jemandem zusammenzutun, außer dass man Liebe/sexuelle Anziehung füreinander empfindet. Und deshalb ist, wie hübsch/sexy/fuckable man ist, heute WICHTIGER, weil es quasi der einzige Grund für eine Beziehung ist!Liv Strömquist - Im Spiegelsaal

Ein bisschen radikal vielleicht die Antwort, aber auch dieses mal sind viele Standpunkte wieder mit Quellen unterfüttert.

Und täglich grüßt das Murmeltier

Das “auch dieses Mal” ist, was mir an “Im Spiegelsaal” ein wenig sauer aufstößt. Weder auf den ersten, noch auf den zweiten Blick unterscheidet sich Strömquists neuer Comic von älteren Veröffentlichungen, wie zum Beispiel “Ich fühl’s nicht” oder “I’m every woman“. Ja, vielleicht ist der inhaltliche Schwerpunkt ein wenig verschoben und vielleicht sind die Texte stellenweise schärfer formuliert. Aber davon abgesehen beschlich mich immer wieder das Gefühl, das Ganze schon einmal (bzw. mehrmals) gelesen und vor allem gesehen zu haben.

Gerade hinsichtlich der Zeichnungen war ich zwiegespalten. Auf der einen Seite: Unverkennbar Liv Strömquist. Auf der anderen Seite fiel mir das teilweise mangelnde Zusammenspiel zwischen Text und Bild auf. Oft unterstreicht das Bild (oder die Sprechblase) den Text, ergänzt ihn aber nicht um weitere Bedeutungsebenen. Das habe ich bei “Unerschrocken” zum Beispiel deutlich besser gesehen.

So bleibt mir als Fazit: Wer mehr von Liv Strömquist lesen möchte, der bekommt beim “Im Spiegelsaal” mehr vom Gewohnten, und das auch wieder unterhaltsam aufbereitet. Aber in meinen Augen ist das nicht ihr stärkster Comic, was vielleicht daran liegt, dass er sich zu wenig von den Vorgängern abhebt. Für Einsteiger*innen kann ich Strömquists andere Werke mehr empfehlen, vor allem den Doppelband “Der Ursprung der Welt & Der Ursprung der Liebe”.

Der Song zum Buch

4 Kommentare zu „“Im Spiegelsaal” von Liv Strömquist“

  1. Sehr spannend – vielen Dank! Das Thema klingt nach meinem Beuteschema, wobei natürlich solche Dopplungen zwischen den Werken immer etwas schade sind. Gut, wenn man immer wieder neue Impulse zu dem Thema bekommen möchte, aber auch etwas schade, wenn neue Impulse ausbleiben.
    Meine Erstbegegnung mit Liv Strömquist steht noch aus. Welches Werk von ihr empfiehlst du? 🙂

    1. Hey =)

      Wenn du dich gleich ganz groß hineinstürzen willst, kann ich dir den Doppelband “Der Ursprung der Welt & Der Ursprung der Liebe” sehr empfehlen. Die haben mich persönlich auch am meisten abgeholt. Allerdings ist das direkt ein großer (und auch teurer) Brocken.
      Zum vorsichtigen Einlesen wäre vielleicht auch “I’m every woman” geeignet? Der gefiel mir auch sehr gut.

      Ich hoffe, das hilft dir ein wenig weiter.

      Liebe Grüße,
      Nico

  2. Pingback: {Rezension} Im Spiegelsaal von Liv Strömquist ♣ Bellas Wonderworld

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