Sonstiges

„Homo Deus“ von Yuval Noah Harari [Hörbuch]

Was wird mit der Welt passieren, wenn die Digitalisierung so ungebremst weitergeht? Wird der Homo sapiens gar zum „Homo Deus“, zum gottgleichen Menschen werden? Diese Fragen klangen für mich erst einmal nach einem interessanten Sachbuch. Nun, jeder kann sich mal irren…

Die CD-Hülle von Homo Deus von Yuval Noah Harari. Das "O" von Homo ist als stilisierter Fingerabdruck dargestellt.

Homo Deus | Autor: Yuval Noah Harari | Sprecher: Jürgen Holdorf
Übersetzt von: Andreas Wirthensohn | Verlag: Der Hörverlag |
Erschienen am: 24.02.2017 | Spieldauer: 17 Std. 13 Min.

Homo praeteritum

„Homo Deus“ beginnt mit einer Zukunftsvision, nur um im nächsten Kapitel zu sagen, wir hätten nicht die Kapazität, uns die Zukunft bei diesem rasenden Fortschritt überhaupt vorzustellen. Hm, warum dann überhaupt ein Buch darüber schreiben?

Stark ist das Buch immer dann, wenn bestehende Forschungsergebnisse auf ein verständliches Niveau heruntergebrochen und vor dem Leser/Zuhörer ausgebreitet werden. Stark ist es auch, wenn über vergangene Ereignisse berichtet und Zusammenhänge erklärt werden.

Schwieriger fand ich die Schlussfolgerungen, die „Homo Deus“ zieht teilweise wie Fakten darstellt. Zum Beispiel die Antwort auf die Frage, warum Kreationisten die Evolutionstheorie hassen. „Homo Deus“ kam mir da stellenweise sehr oberlehrerhaft vor, als hätte das Buch alle Weisheit gepachtet. Ich komme mir manchmal auch so vor, mein Umfeld holt mich da glücklicherweise schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Dieses Korrektiv hat dem Buch ganz offenbar gefehlt.

Homo religio

Außerdem besteht gefühlt der Großteil des Buches aus Religionskritik. Ich meine, ich habe nichts gegen Religionskritik, alles schön und gut. Aber das ist nicht das, was ich von diesem Buch eigentlich mitnehmen wollte. „Eine Geschichte von morgen“, klar spielt da morgen Religion auch noch eine Rolle. Aber es gibt doch auch noch anderes. Und, wie gesagt, die Schlussfolgerungen kann ich so nicht alle unterschreiben.

Homo repetensis

Oh, da habe ich mich doch gerade wiederholt. Kann ärgerlich sein, wenn man Dinge liest, die man kurz zuvor schon einmal gelesen hat. „Homo Deus“ macht das genauso. Ständig. Ich verstehe ja, manches muss man öfter sagen, damit es auch alle verstehen. Aber so oft? Immer wieder dasselbe? Kein Wunder, dass ich trotz des routinierten Vorlesens von Jürgen Holdorf, der auch Synchronsprecher ist und in vielen Hörspielen mitspricht, immer wieder abgeschweift bin. Macht aber gar nichts, denn „Homo Deus“ wiederholt sich ja so oft, dass man das vormals Überhörte sicher bald wieder vorgekaut bekommt.

Leider, leider habe ich mich viel zu lange mit dem Hörbuch gequält, bevor ich es nach 9 von 17 Stunden endlich abgebrochen habe. Mit meinem Nachfolger-Hörbuch, „Herr Sonneborn geht nach Brüssel“ habe ich mich bereits nach fünf Minuten deutlich besser unterhalten gefühlt als mit „Homo Deus“. Von mir keine Wertung an dieser Stelle, ich habe ja (zum Glück) vor Ende des Hörbuchs abgebrochen.

Homo audi

Das Beste am Buch ist das neue Lied von den Ärzten, das wie die Faust aufs Auge zu der ganzen Geschichte passt.

2 Kommentare

  • Petrissa

    Lieber Nico,

    oh, das ist ja schade!
    Ich habe mir das Buch, damals als es rauskam, ausgeliehen und angefangen zu lesen. Ich war völlig fasziniert, musste es aber bald wieder abgeben. Ich hatte es mir dann gekauft und na ja, da steht es noch auf dem SuB.
    Wiederholungen mag ich auch gar nicht. Das ist etwas, was mich extrem nervt.

    Nun ja, ich bin gespannt und hoffe, es gefällt mir besser als Dir. ^^

    Herzlich
    Petrissa

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.