Heldinnen 1: Cindy Moon (Silk)

Serie

Heldinnen

Die Welt da draußen ist voller Heldinnen – fiktive und reale, gezeichnete, erdachte und geborene. Höchste Zeit, ein paar von ihnen in dieser Serie aus unregelmäßig erscheinenden Beiträgen vorzustellen.

Entstehungsgeschichten von Superheld*innen haben meist eine tragische Komponente. Sei es der Tod der Eltern, die Vernichtung des Heimatplaneten, Experimente von verrückten Wissenschaftlern oder etwas ähnlich Schreckliches… Trotzdem haftet der Geschichte von Cindy Moon alias „Silk“ in meinen Augen etwas besonders Tragisches an. Cindy wurde von derselben Spinne gebissen, wie auch Peter Parker, der gute alte Spider-Man. Aus Angst vor den Inheritors jedoch – intergalaktischen Space-Vampiren, die Jagd auf Träger*innen des Spinnentotems machen – wurde Cindy als Jugendliche über zehn Jahre isoliert in einem Bunker eingeschlossen. Und das Ganze im Wissen, dass, sollte sie je wieder ans Tageslicht kommen, die Inheritors sie und die ganze Erde vernichten würden.

Peter Parker erfährt durch Zufall von Cindy und geht sie befreien, obwohl sich Cindy dagegen sträubt. Das Ganze führt zur Handlung des Cross-Overs „Spider-Verse“, in der die Inheritors schlussendlich von einer interdimensionalen Spider-Familie (inklusive Spider-Ham) besiegt werden. Von diesem Zeitpunkt an ist Cindy Moon frei.

Großer Nachholbedarf

Cindy hat einiges nachzuholen. Blöd nur, dass ihre Eltern und ihr Bruder in den zehn Jahren ihrer Isolation spurlos verschwunden ist. Und so dreht sich ein Großteil der „Silk“ Solo Comics um die Suche nach der verschwundenen Familie und den verzweifelten Versuch, irgendwie einen Platz in einer vollkommen veränderten Welt zu finden. Was ist mit Cindys damaligem Freund passiert? Was tun mit der Anziehung zu Peter Parker, der ja von derselben Spinne gebissen wurde? Und viel wichtiger: Was tun mit den eigenen Superkräften? Silk kann Spinnenfäden aus ihren Fingern schießen und sich damit selbst ein Kostüm weben, sie ist zwar nicht so stark, aber dafür deutlich schneller als Spider-Man. Kommt mit großer Macht tatsächlich große Verantwortung, oder will Silk nicht erstmal einfach nur die Sau raus lassen? Und wem kann sie sich anvertrauen?

In Spider-Woman und Spider-Gwen findet Silk Gleichgesinnte, die ihr helfen, klarzukommen. Mit den beiden erlebt Silk in „Spider-Women“ auch ein gemeinsames Abenteuer, da die Cindy Moon aus Spider-Gwens Dimension der Kopf einer bösen Geheimorganisation ist. Aber auch in der Diebin Black Cat findet Cindy Moon eine Person, die sie zu verstehen scheint. Wechselt Silk am Ende doch noch zu den Schurken? Natürlich nicht, sie ist lediglich undercover in Black Cats Gang unterwegs.

Silk und der Hulk könnten gute Freund*innen sein

Zehn Jahre allein im Bunker, Superkräfte, verschwundene Familie… klar, dass Cindy da die ein oder andere Anpassungsstörung entwickelt. Um sich helfen zu lassen, geht sie zu einer Psychologin. Sie gesteht ehrlich ein, dass sie sich manchmal in den Bunker zurückwünscht, weil sie dort sicher war. Aber vor allem ist sie wütend. Wütend auf die Welt, wütend auf die, die sie eingesperrt haben, wütend auf ihre verschwundenen Eltern, wütend auf sich. Und diese Wut muss Cindy kanalisieren und produktiv nutzen lernen.

Silks emotionale Reaktionen, ihre Bereitschaft, sich Hilfe zu suchen und ihr steiniger Weg auf der Suche nach einem Platz für sie in der Welt machen sie für mich zu einer besonderen Heldin. Cindy Moons koreanische Wurzeln bringen überdies zumindest ein wenig Diversität in das Marvel-Universum. Leider ist sie nach 2016 ein wenig in der Versenkung verschwunden und ihre Solo-Serie hat es nicht bis zu einer deutschen Übersetzung geschafft. Aber für diesen Sommer ist der Beginn einer neuen Comicreihe angekündigt und ich freue mich schon sehr darauf.

Autorin Robbie Thompson geht in ihrem Schlusswort näher darauf ein, was Silk für sie so besonders macht: Auch wenn Cindy Moon am Boden ist, macht sie immer weiter. Sie lässt sich von all den Tiefschlägen, die das Leben für sie bereit hält, nicht aufhalten. Sie geht ihren Weg und sie findet ihren Platz – im Marvel-Universum und in meinem Bücherregal bei den Lieblingscomics. Weil sie für mich eine echte Heldin ist.

Der Song zur Heldin

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