Feminismus,  Geschichte mal weiblich

[Geschichte mal weiblich #2] Jacquotte Delahaye

aus „Good Night Stories for Rebel Girls“ . Illustration: Rita Petruccioli

Wenn ich an Piraten denke, fällt mir zum Beispiel Klaus Störtebeker ein, der der Legende nach selbst kopflos noch elf seiner Männer vor dem Beil rettete. Oder Edward „Blackbeard“ Teach, der erst nach zwanzig Säbelhieben und fünf Schüssen das Zeitliche segnete. Oder vielleicht Sir Francis Drake, der für seine Plünderungen spanischer Schiffe zum Ritter geschlagen wurde und dessen Nachfahre in den Videospielen der „Uncharted“-Reihe auch noch den ein oder anderen Schatz findet. Aber Piratinnen? Nie gehört? Zeit für [Geschichte mal weiblich]!

Piratin aus Notwendigkeit

„Vor vielen Hundert Jahren lebte in Haiti ein Mädchen mit feuerroten Haaren. Ihr Name war Jacquotte“

aus „Good Night Stories for Rebel Girls“

Der Legende nach starb Jacquottes Mutter bei der Geburt ihres jüngeren Bruders. Wenige Jahre später starb auch ihr Vater eines gewaltsamen Todes und hinterließ den Geschwistern weder Geld noch anderweitigen Besitz. Aus Fürsorge für ihren jüngeren behinderten Bruder trommelte Jacquotte eine Crew zusammen und begann, kleinere spanische Schiffe um ihre Habseligkeiten zu erleichtern. Als Stützpunkt erwählten die Pirat*innen sich ihre eigene kleine Insel, auf der Jacquotte eine Freibeuter-Republik ins Leben rief.

Der spanischen Krone gefielen die Raubzüge der rothaarigen Piratin keineswegs und auch rivalisierende Pirat*innen waren von ihr wenig angetan. Um ihren Häscher*innen zu entkommen, täuschte Jacquotte Delahaye schließlich ihren Tod vor. Standesgemäß stelle ich mir vor, dass sie über die Planke ging, aber über die Umstände ihres vorgetäuschten Todes darf gerne weiter spekuliert werden.

Die rote Untote

Der Ruhestand war auf Dauer nicht auszuhalten für Jacquotte, weshalb sie nur wenig später wieder auf der Bildfläche erschien – unter anderem Namen und als Mann verkleidet. Ihr Haar verriet sie allerdings und schon bald fuhr sie wieder offen als Piratin zur See. Ab da erhielt sie auch endlich einen berühmten Beinamen, wie es unter Pirat*innen Tradition ist: „Die rote Untote“. Ihre Legende endet damit, dass sie bei der heroischen Verteidigung ihrer Insel starb.

Was mit ihrem Bruder geschah und ob Jacquotte Delahaye tatsächlich nur ein weiteres Mal ihren Tod vortäuschte (Übung darin hatte sie ja)… Vielleicht sollte darüber mal jemand ein Buch schreiben? Ich würde es lesen.

Die Informationen für die Beiträge der Reihe [Geschichte mal weiblich] stammen aus den Büchern „Good Night Stories for Rebel Girls“, „Good Night Stories for Rebel Girls 2“ und „Kickass Women“. Teilweise wurden zusätzlich Internetquellen zurate gezogen.

Die Beitragsreihe [Geschichte mal weiblich]

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