„Fuchs 8“ von George Saunders

Spontankauf im Buchladen: Das Cover sieht toll aus, der Klappentext interessant: Die Financial Times behauptet, „Fuchs 8“ könne auf wundersame Weise dazu beitragen, die Welt zu verändern. Weil das Buch in Plastik eingeschweißt ist, kann ich mir vom Inhalt keinen Eindruck verschaffen. Naja, mit der Verpackung verändert das Buch die Welt schon einmal nicht zum Positiven. Also, was war drin in der Wundertüte?

Fuchs 8 | Autor: George Saunders | Illustrationen: Chelsea Cardinal
Übersetzung: Frank Heibert | Verlag: Luchterhand | Seiten: 56 | Erschienen am: 28.10.2019

Aufsätze korrigieren

Stellt euch meine Überraschung vor, als ich plötzlich die Geschichte einer Grundschüler*in vor mir hatte. Oder so etwas in der Art, zumindest was die Rechtschreibung angeht:

„Warum hat der Schöpfer so ein krosen Feler gemacht, das die Kruppe, die so vil kann, so böse is?“

Ja klar, passt zur Geschichte, schließlich sitzt ein Fuchs – der namensgebende „Fuchs 8“ – jeden Abend am Fenster eines Hauses und hört den Menschen beim Erzählen von Gute-Nacht-Geschichten zu. So lernt er die menschliche Sprache und weil Rechtschreibung nun mal nicht mündlich weitergegeben wird, schreibt er selbstverständlich so, wie er es gehört hat. Wow, welch Kniff! Da war ich direkt mal richtig aus dem Häuschen! Auch wenn es an allem anderen fehlt, über mangelnde Authentizität kann ich mich nicht beklagen. Spaß wollte dadurch beim Lesen aber nicht wirklich aufkommen.

Und die Moral von der Geschicht…

Ein wenig darüber hinweg getröstet haben mich die tollen Illustrationen, die die Geschichte alle paar Seiten begleiten. Apropos Geschichte: Der Fuchs ist von den Gute-Nacht-Geschichten und damit auch von den Menschen total begeistert, muss aber schnell feststellen, dass sich das reale Verhalten der Menschen doch deutlich von dem in den Geschichten unterscheidet. Jep, das war’s. Klar, es gibt ein paar Feinheiten, etwa dass das zweite Rudel Füchse nach individuellen Merkmalen benannt ist, statt einfach als Gruppe von Füchsen über einen Kamm geschert zu werden. Etwas, worüber auch der Antirassismus-Knigge der Zeit spricht. (Nebenbei: Füchse sind gar keine Rudeltiere, so viel Realismus gibt die Geschichte dann doch nicht her.) Die Moral von der Geschichte jedenfalls ist diese:

„Wenn ir wollt, das oire Geschichten ein Heppi Ent haben, seit einfach mal ein bisschen netter.“

Wie diese Geschichte die Welt verändern soll, ist mir absolut schleierhaft. Und wer eine halbe Stunde frei zum Lesen der 56 Seiten hat, der könnte stattdessen auch… spazieren gehen? das Bad putzen? den Keller aufräumen? ein beliebiges anderes Buch lesen? Ich vergebe, wegen der tollen Illustrationen, immerhin noch zwei von fünf Lesezeichen.

Bewertung: 2 von 5 Lesezeichen

Der Song zum Buch

6 Kommentare zu „„Fuchs 8“ von George Saunders“

  1. Thihi, es beruhigt mich sehr zu lesen, dass ich nicht als einzige *nicht* aus dem Häuschen war bei dem kleinen Buch.
    Süß fand ich es schon, und sehe es nicht ganz so kritisch wie du, aber mehr als das Attribut „kurzweilig“ bekommt es von mir auch nicht.

    1. Liebe Tina,

      oha, du hast es auch gelesen? Wie kamst du dazu? Gibt es andere, die das Buch total toll fanden?
      Ich gebe zu, diese Rezension hat mir beim Schreiben deutlich mehr Spaß gemacht als manch andere, vielleicht ist sie deswegen ein bisschen fies geworden

      Liebe Grüße,
      Nico

  2. Hallo Nico

    Ja, sowas kann bei Spontankäufen passieren, dass halt auch mal ein fast Flop im Regal landet.
    Wenigstens haben dich die Illustrationen unterhalten. Und wenn ich es richtig sehe, könntest du die noch ausmalen. Sofern du ein paar Minuten Zeit hast. 😉

    Liebe Grüße,
    RoXXie

    Hättest du das Buch mitgenommen, wenn du im Laden hättest reinlesen können?

    1. Liebe RoXXie,

      nein, hätte ich das mit der Schrift vorher gesehen und auch die so geringe Seitenzahl, ich hätte es wohl nicht gekauft.
      Gute Idee, das mit dem Ausmalen. Vielleicht kann frau* so noch einen Nutzen aus dem Buchkauf ziehen

      Viele Grüße,
      Nico

  3. Guten Morgen!

    Na, zumindest weißt du, warums in Folie eingeschweißt war xD
    Ich denke mal, wenn man das durchblättert und die Rechtschreibung sieht, legen die meisten das Buch recht schnell wieder weg – nachdem sie die Zeichnungen noch kurz angeschaut und bewundert haben 😀

    Ich war ja tatsächlich auch neugierig auf das Buch, auf irgendeinem Blog hatte ich es in einem Neuerscheinungs-Post gesehen. Aber schon alleine die Seitenzahl hätte mich schon wieder zögern lassen…
    Vor 2-3 Tagen hab ich schon eine Rezension dazu gesehen und auch den Vermerk zur Rechtschreibung, aber dass es tatsächlich sooooo ist (hier ein großes Danke für die Zitate), das ist für mich schon extrem übertrieben.

    Meine Unsicherheit ist jedenfalls beseitigt, das muss ich nicht lesen.

    Liebste Grüße, Aleshanee

    1. Liebe Aleshanee,

      ja wenn ich über die Seitenzahl Bescheid gewusst hätte… der Preis von 12 Euro ist für die 56 Seiten schon happig, aber so ist das wohl bei Kunst. In diesem Fall kann ich es allerdings nicht wertschätzen. Am besten frau* kauft gar nicht erst eingeschweißte Bücher, sowieso eine Unart, sowas.
      Ich bin froh, das ich deine Neugier stillen konnte ☺️

      Liebe Grüße,
      Nico

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