Feminismus

[Feministische Essays #3] „Untenrum frei“

Als Abschluss meiner kleinen Reihe zum feministischen September #femtember habe ich mir mein erstes und auch liebstes feministisches Buch aufbehalten: „Untenrum frei“ von Margarete Stokowski. Zum ersten Mal begegnet bin ich Margarete Stokowski in einer Folge von „Schulz und Böhmermann“. Danach wurde ich neugierig und fing an, ihre Kolumnen auf Spiegel Online zu lesen. Sie war der Grund, warum ich anfing, mich mit Feminismus zu beschäftigen und ihr Buch hat mich so sehr beschäftigt, dass ich es bis heute mehrmals gelesen und auch als Hörbuch gehört habe.

Untenrum frei | Autorin: Margarete Stokowski | Originalverlag: Rowohlt
Sonderedition der bpb | Seiten: 256 | Erschienen am: 08.09.2016

Nieder mit dem Patriarchat

Laut Wikipedia ist Margarete Stokowski eine konfrontative Spiegel-Bestseller-Autorin. Für mich ist sie jemand, die Augen öffnet und hinsieht, auch wenn es weh tut. Sie ist Feministin und ein besonderes Anliegen ist ihr das Thema Gleichberechtigung, aber sie hat auch zu vielem anderen schon viele kluge Dinge gesagt. Ich habe ihre beiden Bücher gelesen und lege sie seitdem jedem ans Herz, bei dem nicht sowieso schon Hopfen und Malz verloren sind. Nebenbei bemerkt: Dass die Bundeszentrale für politische Bildung einen Sonderdruck von „Untenrum frei“ in Auftrag gegeben hat, spricht auch für sich, oder? Dabei ist das Cover doch in besonderem Maße gelungen!

Ich jedenfalls bleibe bei meiner Meinung, dass man(n) von Margarete Stokowski alles lesen sollte. Egal ob Kolumne, Buch, Kolumnenband, Kochrezept oder Abwesenheitsnotiz. Dabei eine Anmerkung zum Hörbuch: Margarete Stokowski liest die Einleitung und das erste Kapitel selbst. Auch wenn sie keine professionelle Sprecherin ist, fand ich es doch authentischer und eindringlicher, als den Rest (der auch gut vorgelesen ist). Schade, dass nur ein kleiner Teil von Stokowski selbst eingelesen wurde!

Wo bleibt die Gleichberechtigung?

„Für mich bedeutet Feminismus, dass alle Menschen unabhängig von ihrem Geschlecht, ihrer Sexualität und ihrem Körper dieselben Rechte und Freiheiten haben sollen.“

Margarete Stokowski – Untenrum frei

Klingt doch nachvollziehbar und ehrenwert und es ließe sich doch sicher ein Konsens dafür finden. So einfach ist es leider nicht. Und gerade hier erweitert Margarete Stokowski immer wieder meinen Horizont, weil sie mir zeigt, wo auch ich (immer noch) in sexistischen Denkmustern feststecke. Die Utopie der Gleichberechtigung ist noch lange nicht erreicht, deshalb muss Feminismus weiterhin laut, unverschämt und übertrieben daherkommen. Provozieren. Den Finger in die Wunde drücken. Am besten vorher eingerieben mit Salz.

In „Untenrum frei“ werden kleine Geschichten mit Feminismustheorie verwoben. Dabei sind alle Geschichten im Buch (laut der Autorin) tatsächlich passiert, was das Lesen sehr eindringlich und manchmal auch unangenehm macht. Es geht unter anderem um sexualisierte Gewalt, Essstörungen und selbstverletzendes Verhalten, was die ein oder andere Leser*in vielleicht triggern kann.

Natürlich kann – allein aufgrund Stokowskis Sozialisation – nicht jeder Aspekt des Feminismus mit persönlichen Erfahrungen verknüpft werden. Race und Gender Identity werden im Buch zwar behandelt, aber mit der Distanz einer Außenstehenden. Wer sich in diese Themen weiter einlesen möchte, muss sich zusätzliche Literatur suchen, etwa „Bad Feminist“ von Roxane Gay.

Hast du gerade „ficken“ gesagt?

Stokowskis Sprache ist stellenweise informell und sie nimmt weiß Gott kein Blatt vor den Mund. Dinge werden nicht umschrieben, sondern ausgesprochen. Der Tonfall ist stellenweise provokant. Gut so.

„Was passiert mit uns Frauen zwischen dem Moment, wo wir uns wünschen, Prinzessin oder Meerjungfrau zu sein, und dem Moment, wo wir merken, dass Sperma in den Augen brennt?“

Margarete Stokowski, S. 99

Die Rolle des Mannes im Feminismus

„Feministische Politik konzentriert sich zumeist auf Frauen, aber wir werden mit der Sache nicht fertig, wenn Männer nicht mitmachen, und Grund genug haben sie: Männer sterben früher als Frauen, sie bringen sich leichter in Gefahr, sie sehen ihre Kinder seltener, sie sollen immer noch stark sein und nicht leiden. […] Stattdessen gibt es immer noch weitverbreitete merkwürdige Bilder von Männern und ich glaube, wenn ich ein Mann wäre, würde ich mich darüber beschweren.“

Margarete Stokowski, S. 224

Ich denke, damit bringt Stokowski es auf den Punkt. Und deshalb bin ich dabei. Meine Freundin sagt zwar schon, ich sei die Feminist*in von uns beiden. Das mag stimmen, aber besser wäre es doch, wenn wir alle Feminist*innen wären.

Der Song zum Buch

Feministische Essays

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„Das optimale Einsteigerwerk“
Jennifer von leseninleipzig.de

„Lest dieses Buch!“
Anna von inkofbooks.com

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