Feministische Comics

Dieser Beitrag ist Teil des Themenmonats #Comicmärz

Auch im #ComicMärz möchte ich Politik und Gesellschaft nicht außen vor lassen. Feminismus ist schließlich ein Herzensthema von mir. Beim Blick in die Comicregale der näheren und entfernteren Buchhandlungen fällt mir immer noch ein eklatantes Ungleichgewicht zwischen Autoren und Zeichnern und Autor*innen und Zeichner*innen auf. Natürlich gibt es Besprebungen dieses Ungleichgewicht aufzuheben, davon erzählt auch Max vom Splitter-Verlag im Interview. Aber auch der Blick in den aktuellen Splitter Katalog offenbart: Wir haben noch einen verdammt weiten Weg vor uns bis zu einer annähernd gleichwertigen Sichtbarkeit, sowohl hinsichtlich der Urheber*innen als auch hinsichtlich der Themen. Dass es auch anders geht, zeigen diese feministischen Comics.

„Die dicke Prinzession Petronia“ von Katharina Greve

Verlag: avant-verlag | Erschienen: März 2019 | Seiten: 104 | Preis: 20 €

Worum gehts?

Prinzessin Petronia ist die Cousine des weltberühmten kleinen Prinzen und die beiden ähneln sich mal überhaupt nicht. Petronia ist missmutig, bisweilen zynisch und weder niedlich noch sozialkompetent. Höchste Zeit also, dass Petronia die Heldin ihrer eigenen Geschichte wird! Ihr Planet ist noch ein Stück kleiner als der des kleinen Prinzen und statt einer Rose erhält sie einen Multifunktionswurm namens Mirco. Ihre Versuche, der Langeweile zu entfliehen, scheitern meist spektakulär.

Die kurzen Geschichten und Anekdoten erstrecken sich meist über eine Seite und ließen mich häufig grinsend zurück. Wo der kleine Prinz fast schon nervig philosophisch ist, punktet Petronia mit ihrem fatalistischen Humor.

Das ist feministisch, weil…

Prinzessin Petronia eine Frau ist, die nicht traditionell männliche Attribute wie Stärke und Durchsetzungsvermögen mitbringen muss, um die Hauptfigur ihrer eigenen Geschichte zu sein. Ebensowenig muss sie die männliche Idealisierung einer Frau (Stichwort Sexsymbol) verkörpern, sondern kann stattdessen so sein, wie sie ist. Das ist manchmal lustig und stimmt manchmal nachdenklich. Eines ist es aber nie: langweilig.

„Waves“ von Ingrid Chabbert und Carole Maurel

Verlag: Archaia | Erschienen: Mai 2019 | Seiten: 90 | Preis: ca. 13 €

Worum gehts?

Im ursprünglich auf Französisch erschienen und bisher leider nur auf Englisch übersetzten Comic „Waves“ geht es um ein lesbisches Paar, das eine Fehlgeburt erleidet. In wunderschön gezeichneten Bildern geht es um die wahnsinnige Herausforderung, mit dieser traumatischen Erfahrung irgendwie zurechtzukommen. Viel spielt sich in der Interaktion zwischen den Figuren statt, manchmal werden auch die Träume der Hauptfigur dargestellt. Begeistert war ich von der Farbgebung des Comics: Nach dem Verlust ist alles grau und unwirtlich, nach und nach kommen wieder Farbtupfer in das Leben der Figuren.

Der Comic basiert dabei auf der persönlichen Geschichte der Autorin und enthält ein sehr eindrückliches Nachwort.

Das ist feministisch, weil…

das Buch ein Tabuthema zeigt, welches in unserer Gesellschaft immer noch totgeschwiegen wird. Kein „das Kind war doch noch gar nicht auf der Welt, hab dich doch nicht so. Mach einfach ein neues!“ Stattdessen der Blick auf den Schmerz, der die Autorin beinahe aufgeben lässt und auf den mühsamen Weg zurück zur Normalität. Ein Weg, der sich anfühlt, als müsste frau* ganz neu Laufen lernen.

„Rebellische Frauen – Women in Battle“ von Marta Breen und Jenny Jordahl

Verlag: Elisabeth Sandmann Verlag / Bundeszentrale für politische Bildung | Erschienen: Februar 2019 | Seiten: 128 | Preis: 25 € / 4,50 €

Worum gehts?

BIs weit ins 20. Jahrhundert zählten Frauen nicht. Sie hatten dem Mann beizustehen und eine gute Hausfrau und Mutter zu sein, alles andere war inakzeptabel. Immer wieder gab es Frauen, die sich gegen diese Diskriminierung und die sklavenähnlichen Zustände auflehnten. Von diesen Frauen, etwa Elizabeth Cady Stanton oder Margaret Sanger, handelt „Rebellische Frauen“. In übersichtlichen und einfach gehaltenen Panels erzählt der Comic die Geschichten dieser Frauen und ihres Kampfes um Gleichberechtigung. Dabei sind viele Gegebenheiten verkürzt dargestellt, da in Comics nur begrenzte Textmengen zur Verfügung stehen, für einen anschaulichen Überblick über die Geschichte des weiblichen Kampfes gegen Unterdrückung reicht das aber alle mal.

Tatsächlich hat die Bundeszentrale für politische Bildung den Comicband ebenfalls verlegt, weshalb er auf deren Homepage für 4,50 € bestellbar ist. Die Schriftenreihe der Bundeszentrale ist übrigens durchaus einen zweiten Blick wert, ich habe dort unter anderem auch „Untenrum frei“ von Margarete Stokowski gefunden.

Das ist feministisch, weil…

naja. Der Titel sagt es ja schon. Also nieder mit dem Patriarchat!

„I’m every woman“ von Liv Strömquist

Verlag: avant-verlag | Erschienen: März 2019 | Seiten: 112 | Preis: 20 €

Worum gehts?

Die schwedische Autorin und Comiczeichnerin Liv Strömquist ist vermutlich der Inbegriff der feministischen Comiczeichnerinnen. Auch frühere Werke von ihr sind schon unter den Titeln „Der Ursprung der Welt“ und „Der Ursprung der Liebe“ auf Deutsch erschienen. In „I’m every woman“ geht es nicht um die Geschichte der Vulva (siehe „Ursprung der Welt“), sondern um Geschichte aus Sicht von Frauen. In ihren Comics kommen unter anderem Priscilla Presley, Yoko Ono, Nadja Allilujewa-Stalina (Stalins Frau) und Mileva Maric (zeitweise Ehefrau von Albert Einstein) zu Wort. Der Ton ist abwechselnd mutig, gesellschaftskritisch und witzig. Ganz generell kann ich jeder Leser*in die Bücher von Strömquist nur empfehlen.

Das ist feministisch, weil…

Frauen in der Geschichte generell maßlos unterrepräsentiert sind. Wusstet ihr zum Beispiel, dass keine einzige deutsche Universität nach einer Frau benannt wurde? Und seien wir mal ehrlich, ein Mann kann kluge Ideen haben oder Kunstgeschichte schreiben und trotzdem gleichzeitig ein Arschloch sein. Dieser Comic leistet einen wichtigen Beitrag dazu, an den Sockeln berühmter Männer zu sägen, die vielleicht nicht vollkommen zurecht auf ein Podest gestellt wurden.

„West, West Texas“ von Tillie Walden

Verlag: REPRODUKT | Erschienen: August 2019 | Seiten: 320 | Preis: 29 €

Worum gehts?

Bea und Lou laufen beide vor etwas weg und treffen sich zufällig an einer Tankstelle. Aus der anfänglichen Zweckbeziehung wird nach und nach ein abenteuerlicher Roadtrip, der für beide wichtig und heilsam ist. Die Reise durch Texas nimmt dabei zunehmend surreale Züge an und endet in einer Mischung aus Magie und Realismus. Gleichzeitig eine ganz persönliche Geschichte und ganz großes Kino.

Das ist feministisch, weil…

Beziehungsentwürfe abseits der Heteronormativität im Comic so selbstverständlich dargestellt werden, wie sie es eigentlich sein sollten. Die beiden jungen Frauen im Comic sind auf der Suche nach einem Entwurf für ihre Leben, dabei benötigen sie jedoch keinesfalls die Hilfe anderer, vor allem nicht anderer Männer. Sie schaffen es alleine, das Steuer über ihr Leben in die Hand zu nehmen. Zusätzlich wird das Tabuthema des Missbrauchs innerhalb der Familie behandelt.

3 Kommentare zu „Feministische Comics“

  1. Pingback: [Die Sonntagsleserin] März 2020 - Phantásienreisen

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