Feministische Comics 2

Dieser Beitrag ist Teil des Themenmonats #ComicMärz 2021

Vor einem Jahr habe ich im Rahmen des ComicMärz einen ersten Sammelbeitrag über feministische Comics verfasst. Leider ist dieser zweite Artikel nicht ganz rechtzeitig zum diesjährigen feministischen Kampftag fertig geworden. Da wir aber noch Meilen von einer diversen gleichberechtigten und diskriminierungsfreien Gesellschaft entfernt sind, ist bis dahin sowieso jeder Tag feministischer Kampftag. Also Vorhang auf für eine neue Runde feministischer Comics!

„Wie gut, dass wir darüber geredet haben“ von Julia Bernhard

Verlag: avant-verlag | Einzelband | 96 Seiten

Ich habe ein wenig gebraucht, bis ich in Julia Bernhards Illustrationen reingekommen bin. Der Grund: Die Zeichnungen sind aus der Ego-Perspektive. Wow! Total spannend, was passiert, wenn die Leser*in alles aus dem Blickwinkel der Hauptfigur wahrnehmen muss. Über die Figur selbst erfahren wir nur etwas durch ihre Interaktionen: Mit Dates, mit der Oma, mit dem Hund.

Zuhören ist keinesfalls eine Stärke der Gesprächspartner*innen. In deren Äußerungen geht es um Misogynie, antifeministische Rollenvorstellungen und Einsamkeit. Allen voran die Oma demonstriert, wie ekelhaft Familie sein kann. Manches ist so zynisch, dass mensch nur noch ungläubig darüber lachen kann. Schade, dass der Band nach zehn Geschichten schon wieder vorbei ist. Ich dürste nach mehr! Zumindest lässt sich noch einiges Weiteres auf Julia Bernhards Webseite finden.

“Giant Days“ von John Allison, Lissa Treimann und Whitney Cogar

Verlag: Popcom | bisher 5 Bände auf Deutsch erschienen | jeweils 112 Seiten

Meine Entdeckung des bisherigen Comic-Jahres ist auf jeden Fall „Giant Days“! Worum gehts? Susan, Esther und Daisy wohnen Zimmer an Zimmer im Student*innenwohnheim. Alle drei haben gerade ihr Studium an einer britischen Uni begonnen. Die drei sind vollkommen unterschiedlich: Esther trägt Gothic Kleidung und kennt von zuhause keinerlei Geldsorgen. Daisy wurde zuhause beschult und ist ziemlich lernwillig. Susan wiederum… nun, Susan ist die Realistin mit der Lebenserfahrung, die das Überleben der beiden anderen sichert.

Natürlich geht es um Selbstfindung, Liebe, Sex. Aber auch andere Themen kommen zur Sprache: Sexuelle Orientierungen, toxische Männlichkeit, Armut, Depression, Mobbing. Trotzdem bleibt beim Lesen immer ein gutes Gefühl. Mit einer Brise Humor bleiben beim Lesen (und Genießen der Illustrationen) immer ein gutes Gefühl. Die drei Hauptcharaktere sind einfach zu sympathisch und machen immer gute Laune, ohne dabei sensiblere Themen außen vor zu lassen. Definitiv eine Comicserie, die ich mir noch häufiger ansehen werde!

“Ich fühl‘s nicht“ von Liv Strömquist

Verlag: avant-verlag | Einzelband | 176 Seiten

Liv Strömquist ist schon lange eine einflussreiche feministische Comiczeichnerin. Ihr Stil zeichnet sich durch viel Text und monochrome Bilder aus. In Deutschland sind bisher die Bände „Der Ursprung der Welt“, „Der Ursprung der Liebe“, „I’m every woman“ und „Ich fühl’s nicht“ erschienen. Dabei sind ihre Aussagen zutiefst gesellschaftskritisch.

„Ich fühl’s nicht“ dreht sich unter anderem um Leonardi DiCaprio’s Liebesleben, die emotionale Verfügbarkeit von Männern generell und Konkurrenzdenken zwischen Frauen. Ihre Thesen belegt Stromquist durch Zitate und Fachliteratur. Das ganze ist genauso lesenswert wie jedes andere ihrer Comics, auch wenn die Themen sich teilweise ähneln.

“Horizon Zero Dawn – 1 – Sonnenhabicht“ von Ann Maulina und Anne Toole

Verlag: cross-cult | Band 1 erscheint auf Deutsch am 15.03 | Band 1 von 3 | 128 Seiten

Aloy aus „Horizon: Zero Dawn“ ist ein schon beinahe ikonischer Videospielcharakter. Wo es sonst vorrangig um Helden geht und Frauen vielfach sexualisiert dargestellt werden, sticht Aloy deutlich heraus. Die Welt von „Horizon“ bietet aber noch weitaus mehr spannende Figuren, zum Beispiel Talanah. Als erste Frau wird sie Anführerin der renommierten Jäger-Loge, was längst nicht jedem alteingesessenen Jäger schmeckt. Im Versuch, allen die Rechtmäßigkeit ihrer Führung zu beweisen, schwimmt sie bald Hals über Kopf in Schwierigkeiten.

Die Geschichte einer Frau, die mit der bestehenden und diskriminierenden Ordnung der Dinge nicht zufrieden ist, wird auf unterhaltsame Weise in diesem Comic erzählt, der viele Anknüpfungspunkte zum Videospiel enthält. Für Personen, die das Videospiel gar nicht kennen, ist der Einstieg aber ziemlich schwer.

“Girlsplaining“ von Katja Klengel

Verlag: Reprodukt | Einzelband | 160 Seiten

Es hatte sein Gutes, dass der Comic-salon Erlangen 2020 nur digital stattfand. So bekam ich die Möglichkeit, ein signiertes und mit einer Zeichnung verschönertes Exemplar von „Girlsplaining“ zu bestellen. Wohoo! Der sanfte rosa Schein der Illustrationen trügt. Offen, ehrlich und autobiografisch (?) zeichnet Katja Klengel in Girlsplaining Situationen aus ihrem Leben: Komplexe aufgrund von Körperbehaarung, Selbstbefriedigung mit einem Uralt-Handy, Menstruationsblut. Alles kommt zur Sprache – und das ist gut so.

Wenn endlich mal viele Themen rund um Sexualität enttabuisiert werden, können Mädchen vielleicht auch mit einem gesunderen Verhältnis zu ihrem eigenen Körper aufwachsen. Da macht dieser Comic einen Anfang. Eine sehr empfehlenswerte Lektüre für alle, auch schon in jüngeren Jahren.

Kennt ihr noch mehr feministische Comics? Ab in die Kommentare damit!

5 Kommentare zu „Feministische Comics 2“

  1. Lieber Nico,

    danke für die tolle Zusammenstellung! Eine schöne Mischung aus Bekanntem und Geheimtipps 🙂

    Giant Days kannte ich zwar vom Titel her, habe mich aber irgendwie nie näher damit beschäftigt. Jetzt frage ich mich, warum. Die Reihe klingt wirklich großartig! Und deine Ausgabe ist auch optisch echt ein Schmuckstück!

    Liebe Grüße
    Kathrin

    1. Hallo Kathrin,

      vielen Dank =) Oh, ich liebe liebe liebe „Giant Days“. Gerade habe ich mir Band 7, 8 und 9 (auf Englisch) bestellt. Und ich habe gelesen, dass die Reihe wohl insgesamt auf 17 Bände kommt, bis zum Abschied von der Uni. Ich freue mich jetzt schon darauf, den Rest ausgiebigst zu lesen.

      Liebe Grüße,
      Nico

      1. 17 Bände – wow! Jetzt bin ich am Überlegen, ob ich noch warte, bis die Reihe abgeschlossen ist oder ich doch schon früher einsteige. Da muss ich wohl noch ein bisschen grübeln – und bis dahin die hier angesammelten Comics lesen. 😉

  2. Pingback: [Die Sonntagsleserin] März 2021 - Phantásienreisen

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