Sonstiges

Feministische Bücher für verschiedene Anlässe – Frollein von Kunterbunt

Das Frollein von Kunterbunt im Portrait.

Ich habe heute die große Ehre und Freude, das Frollein von Kunterbunt mit einem Gastbeitrag zum feministischen September #femtember bei mir begrüßen zu dürfen. Sie hat für uns einen kleinen Ratgeber verfasst, damit wir zukünftig in jeder Lebenslage genau die richtige feministische Lektüre zur Hand haben. Die Beiträge und Rezensionen auf ihrem Blog strotzen nur so vor scharfen Beobachtungen und feinen Formulierungen, gerade wenn es um Feminismus geht, also schaut unbedingt mal bei ihr vorbei!

Feministische Bücher gibt es wie Sand am Meer, glaubt mir, ich habe viele davon gelesen. Alle Bücher verdienen dabei ihren Platz auf dem Buchmarkt, aber für jemanden, der sich neu in das Thema einlesen möchte, ist die schiere Auswahl an Literatur geradezu abschreckend. Man weiß nicht, wonach man eigentlich genau sucht, was man sich von dem Buch erhofft und steht dann am Ende verzweifelt vor dem Bücherregal.
Um euch etwas Abhilfe bei der Suche nach dem richtigen Buch zu schaffen habe ich euch meine persönlichen  Buchtipps mal zusammengefasst und schon mal dem dem richtigen Lese-Anlass versehen.

Ein Buch, um wütend zu werden

Feministin sagt man nicht“ von Hanna Herbst ist meine Top-Empfehlung, wenn es um feministische Bücher geht! Dieses Buch ist die in Worte gefasste Wut einer jungen Frau darüber, wie mit falschen Klischees und absichtlichen Missverständnisssen die Ziele des Feminismus verklärt werden und die Worte Feminismus und Feminist*in damit so negativ konnotiert werden, dass sie zu Schimpfworten hinab degradiert sind und nur noch Augenrollen bei den Zuhörer*innen verursachen.

Sarkastisch, schonungslos, unbequem, provozierend, aber nie kaltherzig, schreibt die Autorin in dem Buch über all die Dinge, die richtig und wichtig sind. Sie erklärt, warum wir Feminismus brauchen, aus welchen Gründen er verkannt und verklärt wird, und nimmt sich auch aktuelle Themen vor. Dabei lernt man als Leser*in so viel über Mechanismen, die im Hintergrund ablaufen und zur Unterdrückung beitragen, dass man während des Lesens einfach nur wütend wird. Da man diese Wut jedoch braucht, um Teil einer Bewegung zu werden, sollte dieses Buch dringend als allererstes gelesen werden.

Ein Buch zur Faktenlage und zum Widerstand

No more Bullshit“ des österreichischen Frauennetzwerks Sorority beschäftigt sich mit den typischen Stammtischparolen, die einem als Feminist*in oftmals in Diskussionen entgegen geschleudert werden. Um dem entgegen zu wirken wird im Buch zum einen erklärt, wie diese Parolen entstehen, wie man sie identifiziert und welche Methoden der Intervention es im Allgemeinen gibt, zum anderen werden 15 typische „Bullshit“-Parolen identifiziert und analysiert. Die einzelnen Beiträge umfassen dabei jeweils nur wenige Seiten und schaffen damit einen groben Überblick über diverse Themen und Probleme. Da das Buch nicht allzu viele Seiten umfasst können die Erklärungen nicht allzu sehr in die Tiefe gehen, sondern behalten eher einen Broschüren-Charakter. Das ist für den Anfang aber überhaupt nicht schlimm, sondern ist ein grandioser Einstieg darein, an welchen Stellen es überhaupt Probleme gibt und sorgt somit dafür, dass man für Problematiken sensibilisiert wird. Und wo wir schon mal beim Thema Sensibilisierung sind…

Ein Buch zur Sensibilisierung

…müssen wir auch gleich mit „He’s a stud and she’s a slut“ von Jessica Valenti weitermachen. Ist euch schon mal aufgefallen, dass bei Männern und Frauen mit zweierlei Maß gemessen wird? Und in wie vielen Bereichen das noch der Fall ist? Doppelstandards sind leider absolut an der Tagesordnung und die Autorin, die aus der Bloggerszene kommt, versucht in knappen, bissigen, teilweise zynischen Kapitel 50 dieser Doppelstandards aufzuzeigen und Lösungsansätze zu bieten. Es ist stellenweise wirklich augenöffnend, vor allem für Menschen, die noch neu sind im Feminismus-Kosmos. Hinterher werdet ihr viele Dinge anders sehen und kritischer hinterfragen, versprochen. Und lasst euch nicht davon abschrecken, dass dieses Buch auf English ist.

Ein Buch über den Alltag

Roxane Gay hat unter dem Titel „Bad Feminist“ mehrere ihrer Essays veröffentlicht, die eigentlich nur ihr Leben beschreiben. Klingt soweit unspektakulär, ist es aber nicht. Denn die US Amerikanerin schaut als Feministin auf ihr Leben zurück und stellt dann fest, in wie weit das Partriarchat ihr Leben beeinflusst und beschränkt hat und erzählt von ihrem Kampf, eben diese Grenzen zu durchbrechen. Dabei ist das Buch weder sonderlich laut noch sonderlich wütend, sondern besonnen, ruhig und stellenweise sehr amüsant. Wenn ihr glaubt, dass die Ungleichheit zwischen den Menschen die Leben von anderen nicht allzu sehr beeinflussen können, dann lasst euch von diesem Buch eines besseren belehren.

Ein Buch zum schmunzeln

Sophie Passmann kennen viele als Radiomoderatorin oder als Teil des Ensembles im Neo Magazin Royale. Sie ist aber auch viel im Netz unterwegs und schreibt dort über Feminismus. Was sich schnell rausstellte: als Feinbind des Feminismus wird der alte weiße Mann gesehen. Um dieser Theorie nachzugehen hat sie sich mit bekannten deutschen ((mittel)alten und weißen) Männer getroffen um mit ihnen über Sexismus, Feminismus, Chancengleichheit und die Frauenquote zu sprechen und hat ihnen die Frage gestellt, ob diese glauben, sie würden zu alten weißen Männern werden. Herausgekommen ist dabei dieses Buch und die bissige Art Passmanns und die Reaktionen der Interviewten lässt einen wirklich viel schmunzeln. Zeitlgeich zeigt es aber auch, dass wir bei weitem noch nicht so reflektiert sind wie wir glauben und wir manchen Dinge wirklich nochmal überdenken müssen.

Ein Buch für die nächste Generation

Es ist ja nicht so, dass die Ungleichbehandlung von Männern und Frauen erst im Erwachsenenalter beginnt, ganz im Gegenteil. Wer also bereits Jugendliche für das Thema begeistern möchte, der könnte „Moxie“ von Jennifer Mathieu verschenken. Ja, das Buch hat Schwächen, aber diese beziehen sich nur auf die klischeehafte Handlung der zwei Protagonisten. Und das sage ich als erwachsene Person; Leser*innen, die der Zielgruppe angehören, finden diese hoch-romantisierte „Kriegen wir uns am Ende doch noch?“-Handlung vielleicht richtig gut.
Aber ich schweife vom Thema ab, denn neben der Liebesprobleme der beiden Hauptdarsteller werden auch feministische Themen behandelt, beispielsweise warum Schülerinnen nicht in kurzen Hosen zur Schule kommen dürfen, die Schüler aber oben ohne. Oder warum es Alltag ist, dass die Jungs der Sportmannschaften die Cheerleader bedrängen dürfen, ohne, dass es Konsequenzen nach sich zieht.
Ja, die Handlung ist teiweise sehr klischeebelastet, aber ich kann mich nur wiederholen: ich bin nicht teil der Zielgruppe. Jugendliche mögen die Handlung spannend finden. Vor allem aber bietet es Lösungsansätze was den Feminismus betrifft und spannende Ideen damit umzugehen. Und Bikini Kill wid genannt, da schlägt jedes Feminismus-Herz höher.

Ein Buch für die Emotionen

„We should all be feminists“ von Chimamanda Ngozi Adichie ist trotz seines geringen Umfangs von gerade mal 64 Seiten so etwas wie die Bibel des Feminismus. Das Buch ist eigentlich nur der Abdruck ihres TEDTalks, den sie vor einigen Jahren in Euston gehalten hat und den man sich kostenlos bei YouTube anschauen kann. Diese Rede ist aber so emotional und aufwühlend gewesen, dass sie schnell über die Landesgrenzen hinaus bekannt und berühmt wurde. Beyonce hat beispielsweise Teile der Rede als Einspieler bei ihrem Coachella Auftritt genutzt.
Daher entschied sie sich dazu, die Rede anschließend auch in Buchform abzudrucken. Ihre Worte entwickeln beim Lesen nochmal eine ganz andere Kraft und nach dem Lesen bleibt man randvoll mit Emotionen zurück. Lest es, weint, lacht, trauert und seid wütend – all das braucht es, um sein Herzblut und seinen langen Atem im Kampf gegen das Partriarchat nicht zu verlieren.
Und wenn die Tränen trocken sind, dann lest auch alle anderen Bücher von Adichie.

All diese Bücher spiegeln natürlich nur meine persönliche Empfehlung wider und können nicht als allgemein gelten. Nicht jedes Buch ist für jede*n Leser*in genau richtig. Buch und Leser*in müssen sich finden. Manchmal ist nicht die richtige Zeit oder der richtige Ort für ein Zusammentreffen. Ich hoffe jedoch sehr, dass ich dem Buch-Schicksal mit diesem Artikel vielleicht ein wenig auf die Sprünge helfen konnte und gute Bücher mit neuen Leser*innen vereinen kann.

Falls euch keines der Bücher ansprechen sollte, dann schaut doch mal auf meinem Blog vorbei. Feministische Bücher finden immer wieder den Weg in mein Bücherregal und damit auch immer mal wieder als Empfehlungen auf meine Seite. Vielleicht ist demnächst das ein oder andere Buch für dich mit dabei.

Herzlichst,
Frollein von Kunterbunt

Alle Beiträge zum feministischen September findet ihr hier.

4 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.