„Feminismus – Die illustrierte Geschichte der weltweiten Frauenbewegung“

Dieser Band im Coffee-Table-Format beleuchtet die wichtigsten feministischen Strömungen der letzten 150 Jahre und setzt die Geschichte des Feminismus mit historischen Dokumenten und Fotografien in Szene. Dargestellt werden kämpfende Frauen von der Suffragettenbewegung bis hin zu Feminist*innen heute. Geschichte ist ja schön und gut, aber was nutzt die Lektüre des Buches für die aktuelle Debattenkultur? Die Antwort liefern die Autor*innen in der Einleitung direkt selbst:

Weil es für Feminist*innen wichtiger ist denn je, ihre Geschichte zu kennen. Wer überzeugend sein will, wer die Ansichten anderer verstehen und einordnen können will, muss zwangsläufig gut informiert sein.
Feminismus, S. 4

Feminismus – Die illustrierte Geschichte der weltweiten Frauenbewegung
Autor*innen: Jane Gerhard und Dan Tucker | Übersetzt von: Kristin Lohmann
Verlag: Prestel | Erschienen am: 02.03.2020 | Seiten: 256
Werbung: Rezensionsexemplar

Die Geschichte der (US-Amerikanisch-Britischen) Frauenbewegung

Unterteilt ist „Feminismus – Die Geschichte der weltweiten Frauenbewegung“ in sechs Schwerpunkte:

  • Frauenwahlrecht
  • Das Recht auf Schwangerschaftsabbruch
  • Die Rechte der Frau in der Ehe
  • Das Recht zu Arbeiten
  • Die ständige Bewertung des Aussehens von Frauen
  • Gleiches Recht für Alle

Alle sechs Bereiche sind ausführlich und informativ aufbereitet und zusätzlich durchsetzt von Fotografien und Portraits wichtiger Frauen. Für meinen Geschmack gingen manche Abschnitte sogar zu sehr ins Detail und verloren sich dann in der Aufzählung von Jahreszahlen und Ereignissen. Hier half die Auflockerung durch die vielen Bilder und den beigefügten kurzen Bildbeschreibungen.

Zu kurz gekommen sind in meinen Augen die Frauen im Rest der Welt. Das Narrativ fokussiert sich schon sehr deutlich auf die USA und Großbritannien. Ja, es gibt auch Absätze zu den Geschehnissen in anderen europäischen, afrikanischen und vereinzelt auch asiatischen Ländern. Für eine „Geschichte der weltweiten Frauenbewegung“ ist das jedoch zu wenig. Vielleicht ist dies dem Umstand geschuldet, dass die beiden Autor*innen US-Amerikaner*innen sind. Jane Gerhard ist amerikanische Feminismusforscherin und Dozentin, während Dan Tucker der Gründer des Independent-Buchverlags ist, in dem das Buch ursprünglich erschien. Trotzdem schade.

Abzüge in der B-Note

Und wenn wir schon am Meckern sind: Häufig haben die Illustrationen den Fließtext mitten im Satz unterbrochen, so dass ich teilweise mehrere Seiten weiterblättern und den Absatz zu Ende lesen musste, bevor ich mich auf die Bilder konzentrieren konnte. Das war ein wenig nervig. Zu wenig zur Sprache kam auch die immer wieder berechtige Kritik an der Frauenbewegung, die zeitweise sehr exkludierende Forderungen stellte und rassistische und transfeindliche Tendenzen aufwies.

Auch eine Brücke zu LBGTQ-Bewegung und Intersektionalität wurde im Buch nur unzureichend geschlagen, obwohl es ein Kapitel gibt, in dem es um „gleiches Recht für alle“ geht. Es kommen also Aspekte des modernen sowie Kritik am historischen Feminismus durchaus zu kurz. Der Untertitel des Buches sollte demnach eher „Eine unvollständige Geschichte der US-Amerikanischen und Britischen Frauenbewegung“ heißen.

Trotzdem ist das Buch informativ und wichtig, es beleuchtet historische Zusammenhänge verständlich und wird gerade da ausführlich, wo andere Literatur zum Thema eher zusammenfasst. Beeindruckend ist die Sammlung an (historischen) Fotografien und Bildern, die auf den Seiten abgedruckt sind. Allein dafür lohnt sich das Durchblättern und Einlesen. Insgesamt vergebe ich 4 von 5 Lesezeichen.

Der Song zum Buch

2 Kommentare zu „„Feminismus – Die illustrierte Geschichte der weltweiten Frauenbewegung““

  1. Huhu!

    Das Buch ist mir schon öfter beggenet und schön, dass du die Kritikpunkte deutlich benennst! Worin diese geschuldet sind mag sich erklären, ist aber für ein Buch in der heutigen Zeit mehr als schade! Ich hatte überlegt es mir zu holen, doch wenn es nciht wirklich weltweit und auch nicht allumfassend ist, warte ich lieber noch auf ein ähnliches Buch, das nicht nur einen Schwerpunkt hat. Wichtig ist es bestimmt und das Anfangszitat absolut richtig, Geschichte muss bekannt sein, um zu hinterfragen, neu zudenken, Fehler (mal ganz oberflächlich genannt) nicht zu wiederholen – hach hier könnte eine ganze Liste dafür aufgeführt werden … und gut, wenn es von Historik zu Heute geht, aber eben schade, wenn dies beschränkt ist.

    Mukkelige Grüße – hoffe jetzt klappt das mal mit Kommi-Abo (=
    Janna

    1. Und ich wünsche, ich würde zufällige Mail-Notifications bei Kommentaren erhalten, dann müsste ich nicht zufällig über deine Kommentare stolpern… Sorry, dass das Beantworten so lange gedauert hat!

      Ja, dadurch, dass das Buch so groß und dick ist, hatte ich schon einen weltweiteren Blickwinkel erwartet und weniger USA-Zentrismus. Aber naja, die weltweite Geschichte würde vermutlich jede Veröffentlichung in einem Einzelband übersteigen. Schade halt, dass es anders postuliert ist und damit falsche Erwartungen weckt.
      Falls ich auf ein Buch mit einer umfassenderen Zusammenfassung stoße, gebe ich dir Bescheid. Und ich hoffe, du erhälst eine Benachrichtigung über den Kommentar =)

      Liebe Grüße,
      Nico

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