„En Garde“ von Quentin Zuttion

Identitätskonflikte sind Quentin Zuttion nicht fremd. In seinem ersten in Deutschland erschienenen Comic „Nennt mich Nathan“ (gemeinsam mit Catherina Castro) geht es um die Transition von Lila zu dem trans Mann Nathan. In „En Garde!“ widmet Zuttion sich nun sexueller Gewalt und wie diese die Leben betroffener Frauen verändert.

En Garde! | Text und Zeichnungen: Quentin Zuttion | Übersetzt von: Anne Thies
Verlag: Splitter | Erschienen am: 01.08.2020 | Seiten: 208

Schwere Kost

Im Mittelpunkt des Comics stehen Lucie, Tamara und Nicole. Alle drei gehen mit ihren Erfahrungen unterschiedlich um. Während Lucie immer ein Messer mit ins Bett nimmt, proviziert Tamara, wo sie kann. Und Nicole hat ihr ursprüngliches Leben beinahe aufgegeben. Die drei treffen sich in einem einjährigen Kurs „Therapeutisches Fechten“, der ihnen bei der Verarbeitung ihrer Erfahrungen helfen soll.

Die Vergewaltigungserfahrungen der Frauen werden im Buch offen thematisiert. Der Bruder zwingt seine minderjährige Tochter zum Sex. Der (mittlerweile) Ex-Mann vergewaltigt seine Frau. Trotzdem hat er noch das Umgangsrecht für den gemeinsamen Sohn. Auch die Reaktionen aus dem Umfeld der Frauen werden gezeigt und auch diese sind teilweise nur schwer zu ertragen. Umso wichtiger, dass sich ein Comic diesem Thema widmet und es so klischee- und vorurteilsfrei wie möglich behandelt. Sehr feministisch!

Therapeutisches Fechten

Beim therapeutischen Fechten geht es laut Internetrecherche darum, durch Selbstwirksamkeitserfahrungen zu einer besseren Körperbewusstheit zu gelangen. Das soll der Überwindung von Angst und Selbstzweifeln dienen und kann als Ergänzung zu anderen psychotherapeutischen Maßnahmen dienen.

In „En Garde!“ begleiten wir Lucie, Tamara und Nicole während dieser einjährigen Maßnahme. Wir sehen die Veränderungen, die die Therapie bei ihnen auslöst. Dabei endet der Comic offen. Auch wenn Veränderungen angestoßen werden, gibt es kein Happy End, und warum auch? Es wäre ja zu schön, wenn alle traumatisierenden Erfahrungen innerhalb eines Jahres wegtherapiert werden könnten.

„Vincent… ich hab mich gefragt… warum du das machst.“
„Weil ich weiß, dass das Fechten Leben retten kann.“
En Garde! S. 172

Viel Bewegung, viel Gefühl

Die Illustrationen sehen aus wie mit Markern gezeichnet und sind eher grob, mit dicken Linien. Auch wenn der Stil nicht zu hundert Prozent mein Fall ist, passt er besonders gut zu den Fechtsequenzen, die sehr dynamisch und bewegt wirken.

„En Garde!“ ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie groß die Bandbreite an verschiedenen Comics mittlerweile ist und dass Comics mitnichten ein Medium für Kinder sind. Vielmehr ermöglichen sie eine visuelle Auseinandersetzung auch mit schwierigen Themen, wie etwa sexueller Gewalt. „En Garde!“ erhält auf jeden Fall eine dicke Leseempfehlung von mir. Ich bin froh, dass solche Geschichten auch den Weg hierher nach Deutschland schaffen, zum Beispiel durch den Splitter Verlag. Fünf von fünf Lesezeichen von mir.

2 Kommentare zu „„En Garde“ von Quentin Zuttion“

  1. Pingback: {Rezension} En Garde! von Quentin Zuttino – Bella's Wonderworld

  2. Pingback: Bundle-Rezension | Die Waise von Perdida, Infidel & En Garde! – Letterheart

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