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„Ein rassismuskritisches Alphabet“ von Tupoka Ogette

Als ich vor Jahren anfing, mich mit Feminismus, Rassismus, Intersektionalität etc. zu beschäftigen (besser spät als nie), zögerte ich lange, mich zu den Themen zu äußern. Ich fühlte mich zu inkompetent, zu unbelesen, zu unsicher, um meine Perspektiven einzubringen. Ich hatte Angst, etwas Falsches zu sagen und mich so zu disqualifizieren. Vielleicht hätte ich meinen Mund früher aufgemacht, wenn es damals schon „Ein rassismuskritisches Alphabet“ von Tupoka Ogette gegeben hätte.

Ein rassismuskritisches Alphabet | Autorin: Tupoka Ogette | Verlag: cbj
Erschienen am: 28.09.2022 | Seiten: 128
Werbung: Rezensionsexemplar

Auseinandersetzung und Kritik

Ogette ist sehr engagiert und gefühlt ununterbrochen mit rassismuskritischer Aufklärung beschäftigt. Der Verlag nennt sie sogar „DIE deutsche Vermittlerin für Rassismuskritik“. Neben Büchern wie „exit RACISM“ und „Und jetzt du.“ hat sie auch einen Podcast, den „tupodcast“ und gibt Workshops und Kurse. Auch auf ihrem Instagram-Kanal gibt es jede Menge Informationen und Erläuterungen. Auf ebendiesem Kanal wurde das rassismuskritische Alphabet zuerst veröffentlicht, bevor es jetzt als Buch erschienen ist.

In “ein rassismuskritisches Alphabet” ist jedem Buchstaben ein Begriff zugeordnet, der mit dem Thema “Rassismus” zu tun hat, zum Beispiel “A” für “Ally” oder “I” für “Intersektionalität”. Dabei sind die Erklärungen grundlegend gehalten, so dass auch Neulinge und Jugendliche problemlos mit den Erläuterungen zurechtkommen sollten. Zwischendurch gibt es immer wieder Möglichkeiten, eigene Gedanken oder Erfahrungen im Stile eines Workbooks direkt ins Buch schreiben. Gut gefallen hat mir auch, dass zu einigen Begriffen weiterführende Literatur und Videos angegeben sind. Zu “Blackfacing” ist zum Beispiel der TED Talk von Dr. Dwandalyn Reece “The Origins of Blackface and Black Stereotypes” verlinkt.

Das Buch lässt sich also auf ganz verschiedene Art und Weise nutzen: Als Lexikon, als Mittel zur Reflexion, als Diskussionsgrundlage, als Einstieg für eine tiefergehende Beschäftigung, oder auch als Unterrichtsmaterial in der Schule. Ich fand die Lektüre sehr gewinnbringend und werde mich auch in Zukunft noch mit einigen der genannten weiterführenden Quellen beschäftigen.

Zum Schluss dieser Rezension zitiere ich noch Ogettes Fazit, da ich das so erinnernswert finde:

Das rassismuskritische Alphabet ist hier zu Ende, aber die rassismuskritische Reise und vor allem deine bewusste Entscheidung, ein Ally zu sein, beginnt täglich von vorn. Jeden Morgen stehst du vor der Wahl: “Schaue ich hin? Trete ich als Verbündete*r gegen ein rassistisches System auf? Lerne ich weiter? Oder verweile ich heute doch lieber in good old Happyland?” Wenn du weiß bist, hast du diese Wahl, aber eben auch eine Verantwortung.Tupoka Ogette, S. 114

2 Kommentare zu „„Ein rassismuskritisches Alphabet“ von Tupoka Ogette“

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