“Die Wächterinnen von New York” von N. K. Jemisin

Hin und wieder lässt sich jemand auf einen buddy read mit mir ein – was ganz wunderbar ist! Sich gemeinsam über eine gerade gelesene Stelle im Buch austauschen, die Erfahrungen und Ansichten anderer Lesender kennenlernen, das intensiviert ein Leseerlebnis durchaus. Mein jüngster buddy read fand statt mit Steffi von faanieliebri.de. Gemeinsam haben wir uns mit “Die Wächterinnen von New York” von N. K. Jemisin beschäftigt. Jemisin hat es mit ihrer Broken Earth-Trilogie als erste Autorin überhaupt geschafft, drei Jahre in Folge den HUGO-Award zu gewinnen, was eine unglaubliche Leistung ist. Klar, dass auch ihr gerade frisch auf Deutsch erschienenes neues Buch ein must read für mich ist.

Die Wächterinnen von New York | Autorin: N. K. Jemisin | Übersetzt von: Benjamin Mildner
Verlag: Tropen | Erschienen am: 19.03.2022 | Seiten: 544

Urbane Mythen

“Die Wächterinnen von New York”, im englischen Original “The City We Became” ist wortwörtlich Urban Fantasy. In Jemisins Welt können Städte nämlich geboren werden und sind dann lebendige, atmende Entitäten mit einem Avatar, der sie schützt. Offenbar gibt es aber auch Kräfte, die Städte am Erwachen hindern wollen und so kommt es bei der Geburt New Yorks zu folgenschweren Komplikationen. Statt einem einzelnen Avatar tummeln sich plötzlich fünf in der Stadt, analog zu den fünf Stadtteilen New Yorks. Die sind alle erstmal ziemlich verwirrt und mit der ihnen übertragenen Aufgabe maßlos überfordert.

Auch in Jemisins früheren Fantasywerken ging es bereits um Themen wie Rassismus, Diversität oder Gleichberechtigung. “Die Wächterinnen von New York” spielt aber in einer Welt, die stark an unsere Jetztzeit angelehnt ist, weshalb diese Themen noch deutlicher und expliziter stattfinden. Eine Szene mit einem offen rassistischen Künsterkollektiv in der Bronx war für mich so unangenehm zu lesen, dass mein Puls sich erst lange nach der Szene wieder beruhigt hatte.

Ich war noch niemals…

Jemisins Roman ist aufs Engste mit einer Stadt verknüpft – New York. Das ist Segen wie Fluch. Die Stadt und einige ihrer Stadtteile sind so bekannt, dass viele Leser*innen zumindest über Vorwissen verfügen, vielleicht sogar Teile der Stadt schon selbst gesehen haben. Gleichzeitig hat mich persönlich (und vielleicht auch einige andere) der Ort weniger angesprochen, weil ich wenige Emotionen mit ihm verbinde. Ich war zwar schonmal in New York, aber es ist sicher nicht meine Lieblingsstadt geworden. Eine persönliche Verbindung zu New York bereichert sicher das Lesevergnügen.

Unabhängig davon ist “Die Wächterinnen von New York” ein zutiefst eindrücklicher und aktueller Roman, der nicht selten Leseerwartungen in den Wind schlägt und sich auch politisch klar positioniert. Die Geschichte strotzt nur so vor kreativen Einfällen und frischen Ideen, mensch könnte meinen, dass hier ganze Genres neu erfunden werden. Beeindruckend, was Jemisin da wieder geschaffen hat.

Hinsichtlich einer Fortsetzung bin ich mir unsicher, ob die geplante Trilogie mittlerweile zu einer Dilogie geschrumpft ist. Ich hoffe aber sehr, dass auch der Folgeband in Deutschland veröffentlicht wird – dann vielleicht etwas zeitnaher zum internationalen Release. Falls jemand da nähere Infos hat, schreibt es mir gern in die Kommentare!

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