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„Die verrückte Ballonfahrt mit Professor Stegos Total-locker-in-der-Zeit-Herumreisemaschine“ von Neil Gaiman

Neil Gaiman schreibt nicht nur grandiose Comics wie den Sandman, phantasievolle Fiktion wie „Ein gutes Omen“ oder „Niemalsland“ und originelle Sachtexte zu Literatur, Kunst und Politik, sondern auch Kinderbücher. Sind Gaimans Kinderbücher so gut, dass ich sie später einmal meinen Kindern vorlesen möchte? Dieser Frage will ich nachgehen, angefangen bei „Die verrückte Ballonfahrt mit Professor Stegos Total-locker-in-der-Zeit-Herumreisemaschine“ oder auf Englisch: „Fortunately the Milk“.

Das Cover zu ""Die verrückte Ballonfahrt mit Professor Stegos Total-locker-in-der-Zeit-Herumreisemaschine" von Neil Gaiman

| Die verrückte Ballonfahrt… | Autor: Neil Gaiman | Illustrationen: Chris Riddell |
| Übersetzung: Ursula Höfker | Verlag: Arena | Erschienen am: 04.03.2014 |

Zu Titel, Cover, Illustrationen

Du fragst dich vermutlich gerade: Habe ich den deutschen Titel gerade richtig gelesen? Wer hat denn das verbrochen? Ganz genau! Was soll das denn? Der Titel ist viel zu lang und hölzern und gar nicht eingängig. Ich hätte da ein paar Vorschläge, die auch ein wenig näher am englischen Original wären: „Zum Glück blieb die Milch heile“ oder „Ich war nur kurz Milch holen“ oder „Milch macht müde Väter munter“ oder oder oder…
Abgesehen davon ist die Übersetzung aber nah am Original und fängt die verrückte Geschichte prima ein.

Begleitet wird die Handlung von Chris Riddells großartigen Illustrationen, die dieses Buch lebendig werden lassen. Egal was Riddell illustriert und egal ob monochrom oder bunt, die Bilder strahlen vor Aussagekraft. Ein ganz toller Illustrator, der schon häufiger mit Neil Gaiman zusammengearbeitet und unter anderem das Gedicht „Everything I have to tell you about love“ illustriert hat. Schaut euch das unbedingt mal an! Nebenbei: Der Vater in „Die verrückte Ballonfahrt…“ sieht dem Autor der Geschichte gar nicht so unähnlich.

Zur Geschichte

Papi ist ein wenig überfordert, weil Mutti zu einer Konferenz gefahren ist und die Kinder Milch für ihr Frühstück wollen. Erst will er ihnen die Knusperflocken mit Orangensaft schmackhaft machen. Dann fällt ihm allerdings auf, dass er für seinen Tee ebenfalls Milch braucht. Also macht er sich auf den Weg zum Laden an der Ecke. Und kommt erst nach zwei Ewigkeiten wieder. Die Frühstückszeit ist da schon lange vorbei.

Zur Erklärung erzählt der Vater seinen Kindern, was ihm unterwegs zugestoßen ist: Aliens, Piraten, Vampire, Vulkane und sprechende Stegosaurier sind dabei nur ein Teil der ganzen unglaublichen Geschichte. Aber so sicher sind sich die Kinder am Ende dann doch nicht, dass ihr Papa nur Quatsch erzählt hat.

Zum Spiel mit dem Genre

Neben seinen vielen anderen Tätigkeiten hat Neil Gaiman auch eine Masterclass produziert, die angehenden Autoren das Schreibhandwerk näher bringt. Darin erzählt er unter anderem, dass man die Konventionen eines Genres kennen müsse, um mit ihnen und den Erwartungen der Leser*innen spielen können. In diesem Buch gibt es dafür ein herrliches Beispiel für Piratengeschichten:

„Und wie sieht es mit Plankengehen aus?“, fragte ich. „Nie gehört!“, riefen die Piraten. „Echte Piraten gehen über die Planke!“, sagte ich. „Passt auf, ich zeige es euch. Habt ihr irgendwo eine Planke?“
Wir mussten eine Weile suchen, aber dann fanden wir eine Planke.
[…]
„Warum willst du eigentlich über die Planke gehen?“, fragte die Piratenkönigin.
[…]
„Wenn jemand gerettet wird, dann immer in dem Moment, in dem er über die Planke geht“, erklärte ich.

Zum Fazit

Man muss kein Kind sein, um diese vor Fantasie und Ideen überschäumende Geschichte zu mögen. Vielleicht muss man ein wenig junggeblieben sein und sich seine Fantasie bewahrt haben. Trotzdem habe ich die Geschichte jetzt zwei Mal gelesen und werde sie auch in Zukunft noch viele weitere Male lesen. Dann gemeinsam mit meinen Kindern. 10 von 10 Milchtüten für „Die verrückte Ballonfahrt mit Professor Stegos Total-locker-in-der-Zeit-Herumreisemaschine“!

Bewertung zu "Die verrückte Ballonfahrt mit Professor Stegos Total-locker-in-der-Zeit-Herumreisemaschine": 10/10 Milchtüten

6 Kommentare

  • Brigitte B.

    Neil Gaiman kann eigentlich nix verkehrt machen. 🙂
    Ich bin zwar nicht so der „Sandman“-Fan, aber seine Bücher stehen alle in meinem Regal. Auf Englisch allerdings.

    Und Chris Riddelll (schwärm) – den durfte ich anhand der Klippenland-Chroniken kennenlernen, meine Kinder, Mitte 30, haben die Bücher auch alle verschlungen.

    So zieht es sich durch, ich denke mal, meine Enkel werden diese Art Bücher nicht weniger lieben wie ihre Oma :). Noch sind sie mit 1 und 1 und 2x 3 Jahren allerdings zu jung.

    Dein oben vorgestelltes Buch kannte ich noch nicht, werde es mir von meiner Schwester aus England mitbringen lassen. Danke für den Tip!

    Beste Grüße – Brigitte

    • Nico aus dem Buchwinkel

      Liebe Brigitte,

      Ich habe auch den Großteil von Gaimans Büchern auf Englisch und du hast Recht, man kann da nichts falsch machen. Auch Neil Gaiman als Persönlichkeit – das was bei öffentlichen Auftritten, auf seinem Twitter-Account und in seiner Non-Fiction so durchscheint – finde ich richtig klasse. Der Kauf des deutschen Buchs von „Die verrückte blablablabla“ war quasi schon ein Vorgriff auf die Zukunft, in der ich die Geschichte irgendwann (hoffentlich) meinen Kindern vorlesen werde. Schön, dass sich in deiner ganzen Familie diese Wertschätzung zu Büchern so entwickelt hat und ich wünsche dir viel Spaß mit der tollen Geschichte, sobald du das Buch dann aus England bekommen hast!

      Liebe Grüße,
      Nico

      • Brigitte B.

        Hallo Nico,

        ja, wir sind eine sehr belesene Familie. Auch meine Oma und meine Eltern haben viel gelesen, das hat sich dann einfach vererbt.

        Meine Schwester ist mit einem Engländer verheiratet und reist oft nach Paignton, da wohnt die Schwiegermutter.
        In England ist ja viel mehr los mit Konzerten und Lesungen, die gehen da viel raus. Sie hatte das Glück. Neil Gaiman kennenzulernen, der soll echt lieb sein; und als er noch lebte, hat sie sich eine Widmung von Terry Pratchett in „Hogfather“ schreiben lassen. Ich bin heute noch grün vor Neid.

        Meine Lieblinge sind übrigens Gevatter Tod und die Kiste mit den vielen vielen Beinchen.

        Angenehmen Einstieg in die Woche – Brigitte

        • Nico aus dem Buchwinkel

          Ja auf ein von Terry Pratchett signiertes Buch kann man schon neidisch sein. Du hast Recht, im englischsprachigen Raum gibt es viel mehr Touren und Lesungen, schade, dass das in Deutschland (noch) weniger der Fall ist.

          „Die Kiste mit den vielen vielen Beinchen“ sagt mir nichts, was ist das?

          Dir auch einen schönen Start in die Woche!

  • Jill von Letterheart

    Lieber Nico,

    ich freue mich wirklich immer total bei dir zu stöbern, weil ich einfach immer etwas tolles entdecken kann!
    Ab und zu greife ich wahnsinnig gerne zu einem Kinderbuch, weil es doch einfach eine andere Fantasie ist.
    Auch hiermit hast du mich wieder sehr neugierig gemacht und das Buch landet sofort auf meiner Liste – danke!

    Liebe Grüße
    Jill

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