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„Das Problem mit den Frauen“ von Jacky Fleming

Der feministische September ist zwar bereits vorüber (lautes Wehklagen im Hintergrund, das Vergießen einzelner Tränen ist zu hören), was aber nicht bedeutet, dass hier auf dem Blog keine feministische Literatur mehr vorgestellt wird oder dass generell die Bemühungen für Gleichberechtigung eingestellt werden. Heute möchte ich euch einen richtigen Schatz von einem Buch vorstellen. Petrissa vom Hundertmorgenwald hat mich schon vor längerem auf das kleine Juwel „Das Problem mit den Frauen“ von Jacky Fleming aufmerksam gemacht, aber erst jetzt bin ich tatsächlich zum Lesen gekommen.

"Das Problem mit den Frauen" Cover

Das Problem mit den Frauen | Autorin: Jacky Fleming | Übersetzt von: Silke Pfeiffer
Verlag: Kiepenheuer & Witsch | Erschienen am: 16.02.2017 | Seiten: 128
Werbung: Rezensionsexemplar

Wie viele Frauen kennst du aus dem Geschichtsunterricht?

„Das Problem mit den Frauen“ dreht sich um die Frage, warum wir im Geschichtsunterricht zwar die Biographien vieler berühmter Männer behandeln, aber nur so wenige Frauen kennenlernen. Ich könnte aus meiner schulischen Bildung vielleicht Marie Curie (Tod durch radioaktive Verstrahlung), Marie Antoinette (Tod durch Guillotine) und Elisabeth I. (keine Ahnung woran die gestorben ist) nennen. Beispiele großer Schriftstellerinnen, Künstlerinnen, Politikerinnen, Demonstrantinnen? Fehlanzeige.

Die Gründe für dieses Nichtvorhandensein finden sich im Buch. Sie sind dabei so nachvollziehbar, dass man sich häufig fragt, warum man nicht selber darauf gekommen ist. Ein Beispiel:

"Das Problem mit den Frauen" Beispieldoppelseite

Mit viel Humor gegen die Ungerechtigkeit

Zuerst einmal habe ich gestaunt: Das Buch ist komplett handschriftlich verfasst und mit Tusche illustriert. Jede Seite ist ein Kunstwerk für sich. In wenigen Worten schafft Fleming es, Jahrhunderte der Ungerechtigkeit gegen Frauen pointiert auf den Punkt zu bringen. Immer wieder blitzt dabei auch die Wut über die patriarchalen Strukturen durch, die die Unterdrückung der Frauen erst ermöglichen.Fleming ist sich dabei nicht zu schade, berühmte Männer zu zitieren, etwa Jean Jacques Rousseau oder Charles Darwin, um deren frauenverachtende Haltung zu entlarven, von der man in den Geschichtsbüchern überhaupt nicht liest.

Meine Gefühlswelt schwankte beim Lesen zwischen erheitert, begeistert und wütend. Das Buch war einfach ein tolles Erlebnis und ich konnte mit dem schwarzen Humor viel anfangen. Es lässt sich gar nicht so gut beschreiben, frau* muss sich selbst ein Bild machen und begeistern lassen. Damit dieses „sich selbst ein Bild machen“ auch funktioniert, hier noch einmal eine Doppelseite, die ich ganz besonders gelungen fand:

"Das Problem mit den Frauen" Beispieldoppelseite

Für mich ist „Das Problem mit den Frauen“ ein besonderes Buch, dessen Entdeckung und Lektüre mir viel gegeben hat. Von mir eindeutig zehn von zehn Diamanten! Einen einzigen kleinen Kritikpunkt habe ich allerdings: Durch die geringe Textmenge und die mäßig hohe Seitenzahl ist das Buch an einem Abend gelesen. Macht aber nichts, man kann es sich ja immer wieder zu Gemüte führen.

Bewertung "Das Problem mit den Frauen": 10/10 Diamanten

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