Fantasy und Science Fiction,  Rezensionen

„Das Labyrinth des Fauns“ von Cornelia Funke

Ein düsteres Bild für ein düsteres Buch. Wobei ich das Cover ausgesprochen gelungen finde: Eine dreidimensionale Textur überzieht den Einband, Titel, Mond und Fee leuchten. Im Mittelpunkt: Ein Mädchen. Das heißt aber noch lange nicht, dass „Das Labyrinth des Fauns“ ein Kinder- oder Jugendbuch ist. Auch wenn die Autorin „Cornelia Funke“ heißt. Es geht ganz schön explizit zur Sache.

Das Cover von "Das Labyrinth des Fauns". Fotografiert im Dunkeln.

| Das Labyrinth des Fauns | Autor*innen: Cornelia Funke und Guillermo del Toro |
| Übersetzt von: Tobias Schnettler | Illustriert von: Allen Williams |
| Verlag: FISCHER | Erschienen am: 02.07.2019 |

Von Diktatoren und Hexenjagden

Die Geschichte spielt 1944 in Spanien. Francisco Franco ist mit Unterstützung der Wehrmacht bereits seit acht Jahren Diktator in Spanien. Nach dem Sieg im spanischen Bürgerkrieg gibt es zwar noch Widerstand in der Bevölkerung gegen die Gewaltherrschaft, diese wird allerdings erfolglos bleiben und Franco bleibt bis zu seinem Tode 1975 an der Macht.

Ofelia ist mit ihrer Mutter auf dem Weg zum Stützpunkt ihres zukünftigen Stiefvaters, eines Befehlshabers über Francos Truppen. Capitán Vidal ist durch und durch böse und grausam und wird nicht nur Ofelia im Verlauf des Buches das Leben zur Hölle machen. Auch die Rebellen in den umliegenden Wäldern haben allen Grund, sich vor Vidal zu fürchten.

Parallel ereignet sich eine zweite, eine phantastischere Geschichte. Ofelia begegnet in einem alten Labyrinth in der Nähe des Stützpunktes nämlich dem Faun, halb Mensch, halb Ziegenbock. Gehörnt, listig und furchterregend. Der Faun behauptet, Ofelia sei Prinzessin des unterirdischen Reiches. Um zurückkehren zu können, müsse sie drei Prüfungen überstehen.

Von Tod und Gewalt

In „Das Labyrinth des Fauns“ kommt es zu Gewaltausbrüchen gegen Kinder, Folter und Mord. Alles explizit und eindeutig beschrieben. Petrissa aus dem Hundertmorgenwald hat in ihrer Rezension einige eindrucksvolle Textstellen für diese Gewaltausbrüche gesammelt und schließt damit, dass das Buch keinesfalls ab 14 Jahren freigegeben werden sollte. Absolut!

Von sprachlichen Labyrinthen

Die Sprache ist aber nicht nur explizit bei der Gewaltdarstellung, sondern mir auch stellenweise zu indirekt. Ja, es geht um ein Labyrinth, aber müssen die Sätze deshalb ebenso verschachtelt sein? Ein Beispiel: „Es würde nicht einfach sein, ihr zu helfen, aber das war der Auftrag, den ihr Meister ihr gegeben hatte, und er konnte recht unleidlich werden, wenn man seinen Anweisungen nicht folgte.“ Komm schon! Mit den Nebensätzen könnte man in der Schule eine komplette Grammatikeinheit füllen.

Von märchenhaften Zitaten

Allerdings war ich auch immer wieder sehr positiv überrascht von einzelnen Textstellen, zum Beispiel dieser hier:

„Diese Welt wurde von Männern regiert – ihr Kind verstand das noch nicht -, und nur ein Mann konnte sie beide beschützen. Es war Ofelias Mutter nicht bewusst, dass sie ebenfalls an Märchen glaubte. Carmen Cardoso glaubte an das gefährlichste aller Märchen: An das, in dem der Prinz kommen und sie retten würde.“

Von offenen Enden

Der Schluss von „Das Labyrinth des Fauns“ ist, wie so vieles andere im Buch, offen. Die Leser*in darf sich ihre eigenen Gedanken machen zu Natur und Zweck des Fauns, Sinn der drei Prüfungen, Zukunft vieler Figuren. Wir wissen aus unserer Vergangenheit, dass die Rebellen schlussendlich keinen Erfolg haben werden, aber was ist mit Ofelia? Das Ende lädt zum Interpretieren ein. Was will es uns mitteilen? Mir gefällt die folgende Interpretation am besten, weil sie ebenso düster ist wie der Rest des Buches: Das Leben ist grausam und der Tod ist der einzige Ausweg.

Insgesamt, muss ich ehrlich sagen, hat mich das Buch enttäuscht. Sowohl von der Sprache, als auch von der Geschichte her hatte ich mehr erwartet. Die zwei parallelen Geschichten haben zwar Berührungspunkte, fügen sich aber in meinen Augen längst nicht so gut ineinander, wie sie könnten. Zu vieles bleibt offen und unerklärt. Ich finde es gut, wenn die Leser*in zu selbstständigem Denken animiert wird, aber ein wenig mehr Erklärungen hätten dem Buch sichtlich gut getan. Ich hatte vor, nach Ende des Buches noch den Film anzusehen, werde das aber lassen, da es mich deutlich weniger gepackt hat, als erwartet. Von mir 5/10 Taschenuhren.

Bewertung für "Das Labyrinth des Fauns": 5/10 Taschenuhren.

Der Song zum Buch

Andere Rezensionen

23 Kommentare

  • Buchperlenblog

    Hallo Nico!
    Mensch, das Buch ist wahrlich in aller Munde. Ich werde mir wohl demnächst die Hörbuchversion dazu anhören, mal schauen, wie die so ist! Und auf welcher Seite der Meinung ich mich dann befinde 😀
    Im Übrigen lohnt sich Pans Labyrinth als Film allemal, denn der ist wirklich richtig toll gemacht – und gruselig! Schon mehrfach gesehn, aber immer wieder gut. 🙂

    Alles liebe!
    Gabriela

  • monerl

    Hey Nico,
    da ist sie ja schon, die Rezension zum Buch! Und ich sehe, wir sind uns einig. Auch ich tendiere zu dem Ende, welches nicht glücklich ist. Das Leben war so schmerzhaft für Ophelia und die Flucht in eine Fantasywelt war der einzige Ausweg. Und doch kann man vor dem Leben nicht fliehen.
    Ich gestehe, den Film fand ich grausam aber klasse! Die Bilder geben der Geschichte mehr Gehalt als die Worte im Buch. Leider! Mag daran liegen, dass es den Film vor dem Buch gab.
    Dein Bewertungssystem muss ich mir mal anschauen. Bin nicht sicher, ob ich es verstanden habe. Ich gehe jetzt davon aus, dass deine 5 Taschenuhren etwa 2,5 Sterne im 5er-System wären. Kann das sein?
    Danke für die Verlinkung. Werde gerne auch deine Rezi bei mir einfügen.
    GlG, monerl

  • Aleshanee

    Hi Nico,

    ich hatte die Rezension von Petrissa auch schon gesehen, da sie aber vor Spoilern gewarnt hat, hab ich bei ihr erstmal nur das Fazit gelesen …

    Das Buch ist heute bei mir eingezogen und ich möchte es auch recht bald lesen. Ich bin sehr gespannt, wie die „Gewalt“ auf mich wirken wird, denn ich bin da anscheinend recht immun dagegen ^^ Auch bei der Altersbeschränkung finde ich, dass oft vergessen wird, wie 14-16jährige so sind …. wenn ich zurückdenke war meine Stephen King Lesezeit genau in diesem Alter, da habe ich alles an Horror verschlungen was ich gefunden habe. Aber mal abwarten was ich sage, wenn ich es gelesen hab.

    Den labyrinthischen Satz, den du zitierst – den finde ich eigentlich ganz normal *lach* Magst du so verschachtelte Sätze nicht? Ich finde grade in High Fantasy Romanen kommt sowas sehr oft vor und ich liebe das eigentlich sehr!
    Ich bin jetzt jedenfalls extrem neugierig auf das Buch und hoffe, dass ich bald zum Lesen komme.

    Liebste Grüße, Aleshanee

    • Nico aus dem Buchwinkel

      Hey Aleshanee,

      du hast Recht, ich mag so verschachtelte Sätze nicht. Es gibt schließlich Punkte. Und die kann man machen. Punkt 🙂 Aber das ist natürlich nur mein persönlicher Geschmack. Mir gefällt sprachlich eine klare und direkte Linie besser. Diese Verschachtelungen erinnern mich an Lateinunterricht und an Caesar und an Cicero. Daran, dass man sich in wissenschaftlichen Arbeiten gern selbst profiliert, indem man die Sätze ganze Absätze lang werden lässt. Und dabei die Leser*in vergisst. 🙂

      Ich bin jedenfalls auch sehr gespannt auf deine Meinung zu dem Buch, schließlich ist es gerade in aller Munde!

      Liebe Grüße,
      Nico

  • Jill von Letterheart

    Lieber Nico,

    ich habe schon ein paar Meinungen zu dem Buch gehört, freue mich aber hier über deine klaren Worte!
    Ich hatte das Buch zwar nicht unbedingt auf meiner Liste, war aber trotzdem ziemlich neugierig. Jetzt fühle ich mich ein bisschen schlauer, hihi.
    Aber schade, dass es dich dann doch eher enttäuscht hat!

    Liebe Grüße
    Jill

  • Petrissa

    Hallo Nico,

    ich mag Deinen Blog und vor allem auch Deinen Blognamen Buchwinkel. Es erinnert mich an die Winkelgasse aus Harry Potter. 🙂

    Auch Deine Seite über Dich selbst gefällt mir. Darf ich neugierig fragen, was Du beruflich machst? Verlag oder Pädagogik?

    Mit der Rezension stimmen wir überein. Die verschachtelten Sätze mochte ich auch nicht so, aber das ging dann in meiner Empörung unter. Das Buch hat mich echt aufgeregt.

    Die Zitate mit der Mutter und dem Tod sind mir auch eindrücklich hängen geblieben.

    Liebe Grüße
    Petrissa

    • Nico aus dem Buchwinkel

      Liebe Petrissa,

      du hast Recht, aus der Winkelgasse ist der Name auch entstanden da hattest du die richtige Ahnung.
      Ich bin tatsächlich in der Pädagogik, ich bin Lehrer an einer Sonderschule mit dem Schwerpunkt Sprache. Passt irgendwie ganz gut zu Büchern, oder? Ich fand deine Rezension auch sehr passend!

      Liebe Grüße,
      Nico

  • Brigitte B.

    Hi Nico,

    ich hab´s bei Monerl schon geschrieben, dass ich das Buch nicht gelungen finde. Ich wollte es eigentlich überhaupt nicht lesen, aber dann sprang es mich in unserer Stadtbücherei als Neuerung an.

    Ich habe vielleicht auch Vorurteile, denn ich mag den Cornelia-Funke-Schreibstil überhaupt nicht. Ich habe mich durch die Tintentod-Reihe gequält, ach nee.

    Mich hat noch nicht einmal die Gewalt geschreckt, in unserer heutigen Zeit beinhalten die täglichen Nachrichten manchmal Schlimmeres; mich hat die reine Nacherzählerei frustriert, na gut, es gab die Märcheneinschiebungen, aber Märchen hören sich für mich anders an.

    Aber weshalb ich dir eigentlich schreibe: schau dir den Film unbedingt an! Er ist mit dem Buch überhaupt nicht zu vergleichen, die Bilder des Films sind sehr viel eindrücklicher als das geschriebene Wort Frau Funkes. Hier ist es wirklich mal anders herum, der Film – einer meiner Lieblingsfilme – hat zumindest bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Habe ihn als Steel-Box gekauft, unverschämt schön das Teil.

    Beste Grüße – Brigitte

    • Nico aus dem Buchwinkel

      Hallo Brigitte,

      Beim Buch sind wir dann ja absolut einer Meinung. Nach deinem flammenden Plädoyer werde ich mir den Film aber nun doch ansehen und bin gespannt, ob sich dadurch meine Meinung zur Handlung ändern wird.

      Liebe Grüße,
      Nico

      • Brigitte B.

        Hallo Nico,

        dann bin ich schon sehr auf deine Meinung gespannt.

        Habe mir gerade das Steel-Book rausgesucht, hm, das Cover des Buches sieht genau so aus!

        Ich fand den Film todtraurig, immerhin hat er mich aber auch dazu gebracht, mal ein wenig mehr über die Franco-Ära zu lesen.

        Spannendes Gucken wünsche ich dir – Brigitte

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