Das episch-universelle Interview mit Comiczeichner Ingo Römling (Teil 3/3)

Dieser Beitrag ist Teil des Themenmonats #ComicMärz 2021

Gerade haben Richard Marazano und Ingo Römling eine neue große Comicserie gestartet, „Die Chroniken des Universums„. Anlässlich dieses Feiergrundes stand Ingo mir Rede und Antwort. Weil seine per Sprachnachricht aufgenommenen Antworten aber den Rahmen eines einzigen Beitrages sprengen würden, habe ich das Interview in drei Teile geteilt. Hier finden sich Teil 1 und Teil 2.

Zu Comics im Allgemeinen

Ich nehme mal an, du liest auch selbst Comics. Welche sind deine absoluten Lieblinge und welche muss mensch unbedingt gelesen haben?

Du wirst staunen. Ich komme kaum dazu, tatsächlich selber Comics zu lesen. (Überlegt) Sagen wir, ich treffe jemanden, der mit Comics gar nichts anfangen kann, dann würde ich zum Beispiel empfehlen von Lupano und Cauue „Die alten Knacker“. Das ist eine unglaublich herzliche Geschichte von vier alten Männern, die sich seit ihrer Kindheit kennen und die sich wieder treffen und eine Menge Abenteuer erleben. Das Ganze ist so schön erzählt, mit einem solchen Tempo und einem solchen Witz, dass ich denke, damit können auch Leute etwas anfangen, die Berührungsängste mit Comics haben. Es gibt ja das Vorurteil „Comics, das ist das mit den dicken Nasen. Ne, mag ich nicht“ oder „Das ist das mit den Superhelden. Ne, mag ich nicht“ „Ach das sind ja nur Enten und Micky Mäuse, alles Kinderkram“. „Die alten Knacker“ sind für mich ein Beispiel für eine hervorragende Geschichte und großartige Zeichnungen, wo man richtig sehen kann, was Comic kann und was Comic sein kann. Das entspricht halt überhaupt nicht dem Klischee. „Die alten Knacker“, das ist ein Liebling von mir und das wäre auch etwas für Menschen, die mit Comics eigentlich nichts anfangen können.

Genauso „Wundervolle Sommer“, von Zidrou geschrieben und von Jordi Lafebre gezeichnet. Das ist auch eine Familiengeschichte, überhaupt nichts Übernatürliches, keine Superkräfte, keine galaktischen Monster. 

Vom selben Künstler – ich bewundere Lafebre unglaublich – „Lydie“. Das ist ein Buch, in dem es um eine bestimmte Gasse in einer französischen Stadt geht, wo die Bewohner sehr stark zusammenhalten. Die bilden eine Gemeinschaft. In dieser Gasse lebt eine junge Frau, die sehr einfach gestrickt, aber eine liebenswerte Person ist. Sie verliert ihr Kind im Kindbett, was eine fürchterliche Tragödie ist und das ist der Anfang der Geschichte. Die junge Frau kann das nicht verarbeiten und verhält sich weiterhin so, als wäre das Kind weiterhin vorhanden. Sie fährt mit einem leeren Kinderwagen über die Straße, trägt dieses unsichtbare Kind im Arm, wickelt es und füttert es. Um ihr einen Gefallen zu tun, steigt die Gemeinschaft der Gasse auf dieses Spiel ein. Das Ende von der Geschichte ist wirklich so schön und so herzzerreißend, ich habe noch nie so viel geheult bei einem Comic und habe auch jetzt wieder einen Kloß im Hals, wenn ich darüber rede.

Noch ein großer Liebling von mir ist ganz etwas kleines, im Zwerchfell Verlag erschienen, von Aike Arndt, „Die Zeit und Gott“. Wenn du etwas Kleines, wirklich herzzerreißend Komisches und geistreich Witziges sehen möchtest, das absolut brillant ist: „Die Zeit und Gott“. Es gibt auch eine Fortsetzung, „Das Nichts und Gott“, aber fangt an mit „Die Zeit und Gott“ von Aike Arndt. Es gäbe noch viel mehr, was ich erwähnen könnte, aber das wird eine ewig lange Liste. Muss erstmal reichen.

Und zum Abschluss, das wirst du vermutlich oft gefragt, und auch ich kann mir die Nachfrage nicht verkneifen: Wie sieht es mit Malcolm Max aus? Gibt es ein baldiges Wiedersehen mit Malcolm und Charisma?

Gute Frage. Kann ich noch nicht viel dazu sagen. Was mich betrifft: Es soll und muss auf jeden Fall weitergehen, weil ich ja jetzt vier Bände gezeichnet habe und Band vier endet mit einem Cliffhanger und die Geschichte MUSS fertig erzählt werden, das ist mir ein dringendes Anliegen. Im Moment laufen Pläne/Verhandlungen, wie wir das realisiert bekommen. Weil es ist de facto so, dass ich im Moment mit den „Chroniken des Universums“ mein Geld verdiene und ich kann logischerweise nicht zwei Albenprojekte gleichzeitig zeichnen. Nunja, man darf gespannt bleiben. Es wird weitergehen. Sagen wir mal so: Ich verspreche es (lacht). Es ist einfach so: Peter und ich sind ja noch in Kontakt und jetzt liegt Malcolm schon eine ganze Weile auf der Wartebank. Wir versuchen, es irgendwie möglich zu machen. Ich habe da schon so eine Idee, sage ich mal. Ich melde mich, wenn es etwas Neues gibt. 

Vielen Dank für deine Fragen, Nico. Bis bald.

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