„Daisy Jones and The Six“ von Taylor Jenkins Reid

Ohne groß zu spoilern kann ich erzählen, dass in „Daisy Jones and The Six“ weniger als zehn Menschen sterben. Es gibt keine Schwertkämpfe. Niemand düst durchs All, höchstens metaphorisch auf einem Drogentrip. Die einzig vorkommende Magie ist die Magie der Musik. Ganz schön weit entfernt von meinen üblichen belletristischen Lesegewohnheiten also. Das ist vielleicht auch der Grund, warum das Buch mehr als ein Jahr auf meinem Stapel ungelesener Bücher lag. Die Veröffentlichung in Deutschland Anfang Juni bot nun allerdings die Gelegenheit, gemeinsam mit RoXXie von theartofreading.de einen buddy read zu starten, und „Daisy Jones“ gemeinsam zu lesen.

Daisy Jones and The Six | Autorin: Taylor Jenkins Reid | Übersetzt von: Conny Lösch
Deutscher Verlag: Ullstein | Erschienen am: 02.06.2020 | Seiten: 368
Auf dem Bild ist die englische Sonderedition von Goldsboro Books zu sehen.

Wie werden wir zur größten Rockband der 70er?

Das Buch erzählt die Biographie der fiktiven Gruppe „Daisy Jones and the Six“, die Ende der 70er kurz die größte Rockband der Welt waren und sich dann ganz plötzlich auflösten. Die Aussagen der verschiedenen Bandmitglieder sind zusammengefügt und widersprechen einander bisweilen, sodass sich die Leser*in ihre eigene Meinung zum tatsächlichen Ablauf der Geschehnisse machen muss.

Dabei geben manche Bandmitglieder tiefe Einblicke in ihr Seelenleben, allen voran Frontmann Billy und Frontfrau Daisy. Die beiden können sich nicht ausstehen und fühlen sich gleichzeitig wahnsinnig zueinander hingezogen. Das macht die (erzwungene) Zusammenarbeit zwischen den beiden wahnsinnig intensiv. Die zwei strahlen so hell, dass die übrigen Bandmitglieder und ihre Probleme hinter ihnen zurückbleiben müssen. Da staut sich einiges an…

Es geht aber nicht nur um das Zwischenmenschliche, sondern auch um die Eskapaden großer Rockbands, Groupies und Drogenexzesse. Und – natürlich – um Musik. „Daisy Jones and the Six“ zeichnet ein für mich sehr authentisches Bild einer Megaband in den 70ern und ich fühlte mich ganz tief in die Geschichte und die Schauplätze hineingezogen.

Zugabe!

Das Tempo der Erzählung wechselt meisterhaft zwischen persönlichen und öffentlichen Themen, alles nimmt Fahrt auf und steuert schlingernd auf den Abgrund zu, der von Beginn an bekannt ist: Die Auflösung der Band.

Dazwischen ist Platz für Emotionen: Wut, Liebe, Reue, Neid und alles dazwischen. Die beiden Hauptfiguren Daisy und Billy tragen das Buch, aber alle sieben Bandmitglieder füllen die Ihnen zugedachte Rolle prima aus. Für einen Lacher zwischendurch sorgen die immer wieder eingestreuten Einzeiler von Schlagzeuger Warren. Das Ego von Gitarrist Eddie war mir wiederum von Anfang an unsympathisch.

Um es kurz zu machen: „Daisy Jones and The Six“ ist ein wilder Ritt auf dem Rücken der fiktiv größten Rockband der 70er und ein tolles Lesevergnügen. 5 von 5 Lesezeichen von mir! RoXXie fand das Buch übrigens auch toll. Ihre Rezension findet sich hier. Und für die liebe Janna von Kejas Wortrausch war das Buch ebenfalls ein totales Jahreshighlight!

The ugly you got in you
Well, I got it, too
You act like you ain’t got a clue
But you do
Oh, we could be lovely
If this could get ugly
Daisy Jones and The Six - This Could Get Ugly

Der Song zum Buch

9 Kommentare zu „„Daisy Jones and The Six“ von Taylor Jenkins Reid“

  1. Hi Nico,

    ich hab´s auch letzte Woche gelesen, hatte mich sehr darauf gefreut, denn ich komme ja aus dieser Zeit.

    So richtig konnte ich Fleetwood Mac nicht in der Erzählung erkennen, kann aber auch daran liegen, dass ich nicht genug von Stevie Nicks, Christine McVie und ihrem Gatten, Mick Fleetwood, Peter Green etc. weiß, weil deren Musik mir zu mainstreamig war, und eigentlich kein Rock. Aber Rumours und Tusk sind schon gute Alben, höre ich immer wieder gerne.

    Und ja, es ging viel um Drogen, Alkohol, aber auch um gute Musik und um Freiheit damals, auch bei den deutschen Bands. Die Musik von damals ist mit dem, was heute produziert wird, überhaupt nicht zu vergleichen, es war eine besondere Zeit in den 70igern. Vor Allem aber dachten wir, wir könnten die Welt verändern, zum Besseren; leider ist es aber viel viel schlimmer geworden.

    Wie auch immer, es lohnt zu lesen, das Buch, um in das Lebensgefühl der damaligen Zeit hineinzuschnuppern.

    Mein Lieblingssong von FM ist übrigens „The Green Manalishi with the two pronged crown“, erinnert mich an König Ubu, warum auch immer.

    Beste Grüße – Brigitte B.

    1. Hey Brigitte,

      ich wollte Fleeetwood Mac gar nicht mit Daisy Jones gleichsetzen, ich fand nur, die Band und der Song passen ganz gut zum Buch. Es gibt schließlich keine Songs von Daisy Jones bei Spotify 😉 Ich habe aber keine Ahnung, ob die Erzählung an den Werdegang einer realen Band angelehnt ist und wenn ja, an welche.

      Ich kann dir aber total zustimmen, dass es lohnt, das Buch zu lesen und in die Vergangenheit zu schnuppern. Fandest du die 70er denn gut abgebildet?

      Viele Grüße,
      Nico

  2. Hallo Nico,

    es war mir ein Fest mit dir zusammen dieses Meisterwerk zu lesen. 🙂

    Seit heute ist auch meine Rezi dazu online und natürlich bist du mit deiner verlinkt.

    Liebe Grüße,
    RoXXie

  3. Hallo Nico,

    wie ich las, hat sich Jenkins Reid stark für den Fleetwood Mac Werdegang interessiert; und ja, Stevie Nicks ist damals auch auf die Bühne geschwankt und vergaß zeitweilig ihre Texte vor lauter Drogen. Auch war Nicks eine der wenigen Frauen, die gute Songs schreiben konnten und hatte ein Gspusi mit Lindsay Buckingham, sowie dann mit Mick Fleetwood. Gut anzusehen ist sie heute noch, auch wenn man bei ihren Auftritten merkt, dass da doch eine Menge Gehirnzellen einfach weg sind.

    Die 70iger sind ganz gut getroffen, allerdings finde ich die Familienorientierung von Billy nicht sehr nachvollziehbar, in der Zeit wollte man bestimmt keine Anlehnung an die Welt unserer Eltern. Dann schon eher „Go our own Way“ – wie du so treffend ausgewählt hast.

    Beste Grüße noch aus dem Münsterland – Brigitte

    1. Hey Brigitte,

      vielen Dank für die Hintergrundinfos! Das wusste ich bisher nicht. Ich finde es auch sehr interessant, was du zu Billys Familienorientierung sagst, vielleicht hat die Autorin in diesem Fall „moderneren“ Ansichten den Vorzug gegeben, um Billy sympathischer und interessanter zu machen, denn ohne seinen Wunsch nach einer funktionierenden Familie gäbe es den zentralen Konflikt ja gar nicht.

      Viele liebe Grüße,
      Nico

  4. Huhu Lieblingsblogger, bei dem ich zu selten kommentiere <3

    Da meine Rezension nun auch online ist und ich dich schon frech verlinkt habe, komm ich nun endlich zum Lesen bei dir rum. Und ich kann dir nur zustimmen, eine absolut gelungene Geschichte, bei der alles stimmig eingearbeitet ist und nichts zu kurz kommt oder überladen wirkt. Die Autorin hat den Ton ihres Buches punktgenau getroffen <3

    Mukkelige Grüße!

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