“Celestia” von Manuele Fior

Manuele Fior wird als extrem wandelbarer Star der europäischen Graphic-Novel-Künstler*innen beschrieben. Er wechselt Zeichenstil und Arbeitsmaterial für jedes seiner Projekte. Auf Deutsch sind von ihm unter anderem “Fünftausend Kilometer in der Sekunde” und “Die Übertragung” im avant-verlag erschienen. Nun gibt es ganz frisch einen thematischen Nachfolger von “Übertragung”, und zwar “Celestia”, ein Riesenwerk mit fast 300 Seiten.

Celestia | Text und Bilder: Manuele Fior | Übersetzt von: Myriam Alfano
Verlag: avant-verlag | Erschienen im: Oktober 2021 | Seiten: 272
Werbung: Rezensionsexemplar

Was war?

“Celestia” spielt in der näheren oder ferneren Zukunft, nachdem eine mysteriöse “große Invasion” die Welt verwüstet hat. Einige fanden Zuflucht auf einer vom Festland abgeschnittenen Insel in Italien, die ein wenig an Venedig erinnert. Der Umgang zwischen den Überlebenden ist rauh, auch die Telepath*innen Pierrot und Dora haben wenig zu lachen. Nach einem Zwischenfall müssen die beiden aufs Festland fliehen, das jedoch nicht ganz so verlassen ist, wie erwartet.

Die Geschichte erklärt wenig und lässt Lücken zum Ausfüllen durch die Leser*innen. Auch das Setting lässt Raum zur Interpretation zu. Stadt und Kleidungsstil der Figuren erinnern eher an die 70er oder 80er, futuristische Technik kommt fast nicht vor. Auf jeden Fall ein unverbrauchtes postapokalyptisches Setting.

Was wird?

Die Illustrationen machen einen aquarellartigen Eindruck und unterscheiden sich auf jeden Fall von Fiors bisherigen Werken. Die Panels sind zwar sehr traditionell angeordnet, allerdings erinnern manche Bilder eher an Gemälde und könnten auch für sich stehen, statt Teil einer fortlaufenden Geschichte zu sein. Visuell passiert in “Celestia” sehr viel und auch viel Spannendes.

Die Texte und Unterhaltungen sind reduziert, teilweise poetisch. Einzelne Seiten kommen komplett ohne Worte aus. Hier ein schönes Beispiel für eine Wort-Bild-Komposition, das mir in Erinnerung blieb:

Das Ende der Geschichte bleibt… offen. Auch diese Leerstelle will vom Lesenden (oder vielleicht von einer weiteren Geschichte?) ausgefüllt werden.

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Ziemlich viele Leerstellen und ziemlich viel Freiraum also zwischen den Buchdeckeln. In einer anderen Rezension wurde die Erzählweise “etwas zu luftig” genannt. So ähnlich ging es mir damit auch. Interpretationsspielraum ist schön und gut, aber ein paar zusätzliche Hinweise, etwas mehr Richtung, mehr Erklärungen hätten mir beim Lesen geholfen. Die Bilder sind toll, visuell ist das Ganze ein Genuss. Erzählerisch blieb bei mir am Ende aber ein etwas unbefriedigtes Gefühl zurück.

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