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Comics

“Vita Obscura – Life Bizarre” von Simon Schwartz

Was haben Charlotte von Mahlsdorf, Lee Miller und Wangari Maathai gemeinsam? Außer, dass sie den Lesenden vermutlich nicht bekannt sind, haben alle drei auch ein bemerkenswertes Leben gehabt. Und ihre Kurzbiografien finden sich in “Life Bizarre” von Simon Schwartz wieder.

„Vom Wacholderbaum“ von Núria Tamarit

Als Schriftsteller haben es die Brüder Grimm echt geschafft. Auch 160 Jahre nach ihrem Tod wird ihr Material noch neu aufgelegt und interpretiert. Und dabei mussten sie sich die Geschichten nicht einmal selbst ausdenken! Sehr clever. Nun hat die super spannende spanische Künstlerin Núria Tamarit das Märchen “Vom Wacholderbaum“ in einen Comic verwandelt. Lohnt sich die Rückkehr zu der alten Geschichte?

„Schichten“ von Pénélope Bagieu

In der leider immer noch sehr männlichen Comicwelt ist Pénélope Bagieu ein strahlendes feministisches Licht, das weiterhin hell leuchtet. Bekannt ist sie vielleicht über ihr großes Werk “Unerschrocken“, das die Biografien von dreißig bemerkenswerten Frauen in Comicform vereint. In “Schichten“ geht es nun nicht mehr um andere Frauen, sondern um Bagieu selbst.

„Coming in“ von Élodie Font und Carole Maurel

Dieser Beitrag erscheint im Rahmen des feministischen September 2022

Wie jetzt, der #femtember ist schon fast vorbei und es gibt noch keine passende Comicrezension? Das sieht meinem Blog aber gar nicht ähnlich. Zum Glück springt der Splitter Verlag in die Bresche und hat bereits Ende August den Comic “Coming In” von Élodie Font und Carole Maurel veröffentlicht. Der perfekte Comic für diesen Monat! Warum? Lest selbst…

Coming In | Text: Élodie Font | Zeichnungen: Carole Maurel
Verlag: Splitter | Erschienen am: 24.08.2022 | Seiten: 144

Élos Story

Wann hast du gemerkt, dass du queer bist? Die Journalistin Élodie Font hat sehr lange gebraucht, ihre inneren Barrieren zu durchbrechen und sich einzugestehen, dass sie lesbisch ist. Von diesem inneren Kampf zwischen gesellschaftlichen Erwartungen, Selbstbild und persönlichen Empfindungen handelt “Coming In“ autobiografisch. Font zeigt auf, dass “Coming Outs“ nur eine Seite der Medaille sind. Das “Coming In”, das Eingeständnis vor sich selbst, dass mensch nicht der Norm entspricht, auch das kann Zeit kosten und sehr schmerzhaft sein.

Der Comic folgt Protagonistin “Élo“ und zeigt sowohl erste sexuelle Erfahrungen, wie auch zunehmend verzweifelte Gespräche mit Freund*innen, die offenbar schon weit vor Elo über ihre sexuelle Orientierung Bescheid wussten. Autorin Élodie Font nimmt uns mit auf eine sehr persönliche Reise und lässt auch die Diskriminierung nicht aus, die ihr aufgrund ihrer sexuellen Orientierung in Marokko widerfährt, während sie dort arbeitet.

Élos Leben ist nicht immer einfach und ihre Geschichte hat dunkle Kapitel, allerdings erzählt der Comic auch von vielen schönen und unterhaltsamen Momenten. Mir ist zum Beispiel Élos Boxkampf gegen ihr eigenes Unterbewusstsein sehr in Erinnerung geblieben. Insgesamt hat mich der Comic sehr berührt.

Maurels Umsetzung

Ein weiteres Highlight neben der Geschichte an sich ist auch die zeichnerische Umsetzung von Carole Maurel. Maurel hat vorher schon „Magdas Apokalypse“ und “Waves“ gezeichnet. Ich mag ihren fließenden und leicht skizzenhaften Stil total. Die Bilder lohnen sich auch zum mehrfachen Durchsehen und zeigen, dass es dringend mehr Diversität im immer noch sehr männlich gehaltenen Comicbereich gibt. Mein Wunsch wäre, dass auch der Splitterverlag sich hier noch mehr Mühe gibt. “Coming In“ ist zumindest ein großer Schritt in die richtige Richtung. Natürlich ist mir bewusst, dass die Konsument*innen hier auch ein Wörtchen mitzureden haben, deshalb kann ich alle nur ermutigen: Kauft diesen Comic, erfreut euch an den Zeichnungen und der Geschichte und sorgt so mit dafür, dass sich queere Comics auch für die Verlage lohnen. Dankeschön.

Der Song zum Comic

“Fabulöse Fakten” von Daniela Schreiter

Was muss man tun, um Nacktmullkönigin zu werden? Warum sind Buckelwale Unterwasserheld*innen? Und woher haben Schmetterlinge eigentlich ihren Namen? Das alles (und noch viel mehr) lässt sich nachlesen in “Fabulöse Fakten” von Daniela Schreiter. Schreiter ist bekannt für ihre “Schattenspringer“-Comics, die auf grandiose Art und Weise über Autismus aufklären. Ihre Wissenschaftscomics sind aber mindestens genauso erwähnenswert. In “Fabulöse Fakten” werden wissenschaftliche Themen verständlich und schön illustriert aufbereitet. Das zu lesen ist ein Vergnügen für jedes Alter.

„Medusa und Perseus“ von André Breinbauer

Medusa die Schlangenköpfige, Medusa die Mörderin, Medusa das Monster. Den Göttern sein Dank, dass der heldenhafte Perseus, Sohn des Zeus, die Welt von diesem Ungeheuer befreit hat. Das ist die weit verbreitete (und zutiefst misogyn-patriarchale) Darstellung des Mythos um die Gorgone Medusa, die eigentlich nur eine Nebenfigur ist in den Geschichten um den heldenhaften Halbgott Perseus. Dass Medusa von Poseidon vergewaltigt und – als wäre das nicht schlimm genug – ohne eigenes Zutun von der Göttin Athene verflucht wird, dass sie sich auf eine einsame Insel zurückzieht und trotzdem Mann um Mann kommt, um sie zu vernichten, dass sie das vielleicht alles gar nicht wollte – geschenkt.

André Breinbauer möchte in seinem Comic den Mythos radikal anders (siehe Rückseite) erzählen und eine feministische Perspektive einbringen. Ob ihm das gelingt?

“Völlig meschugge?!” von Andreas Steinhöfel und Melanie Garanin

Der Duden übersetzt “meschugge” als “nicht bei Verstand; verrückt”. Der Ursprung des Wortes kommt aus dem Hebräischen. Allein mit diesem Wort ist die Handlung des Comics “Völlig meschugge?!” schon ziemlich gut umrissen (siehe Inhaltsangabe). Ein ziemlich passender Titel also. Übrigens basiert der Comic auf einem Drehbuch, das unter demselben Titel auch für KiKA zu einer sechsteiligen Serie verfilmt wurde.

“Trip mit Tropf” von Josephine Mark

Dass Comics viel mehr sind als bloß ein Nischenthema für Nerds, kommt langsam auch in der breiten Öffentlichkeit an. Steter Tropfen höhlt den Stein undso. Comics waren schon immer viel mehr als irgendwelche Superhelden, die sich gegenseitig verkloppen. Zum Beispiel ist gerade im noch jungen Kibitz Verlag, der sich auf Kindercomics spezialisiert hat, der Comic “Trip mit Tropf” erschienen. Im Zentrum der Geschichte: der Road Trip eines krebskranken Kaninchens – gemeinsam mit einem Wolf. Kein leichtes Thema für eine Kindergeschichte.

„Sonnenseiten“ von Ana Penyas

Den Verlag “bahoe books” kannte ich bis vor kurzem überhaupt nicht. Eine Internetrecherche brachte immerhin hervor, dass der Verlag aus Wien kommt und schwerpunktmäßig zur Geschichte der Arbeiterbewegung veröffentlicht. Da passt der Comic “Sonnenseiten” gut zum Rest des Programms: Am Beispiel eines spanischen Küstendorfes zeigt Ana Penyas, dass im neoliberalen Kapitalismus als allererstes die Menschen auf der Strecke bleiben.

BRZRKR – Band 1

Neo, John Wick und Johnny Silverhand (aus dem Videospiel Cyberpunk 2077) haben eins gemeinsam: Sie alle werden von Keanu Reeves verkörpert. Cooler Typ (noch cooler mit Bart), der für Action und Blutvergießen steht. Nebenbei auch Bassist, Regisseur, Autor und – neuerdings – Erschaffer eines Comics. Der erste Band der als Trilogie angelegten Reihe “BRZRKR” ist jetzt erschienen.

Nebenbei: Ich habe die Ehre, zwei Exemplare des Comics verlosen zu dürfen! Ein Exemplar gibt es bei mir auf Twitter und eins auf Instagram zu gewinnen.

“Toubab – Zwei Münzen” von Núria Tamarit

Auf dem Cover des Comics “Toubab – Zwei Münzen” findet sich eine rothaarige weiße Frau inmitten Schwarzer Frauen, von denen viele ein Kopftuch tragen. Der Klappentext bezeichnet “Toubab” als preisgekrönte Ode an Toleranz und Offenheit. Das hat große Erwartungen in mir geweckt, aber auch ein wenig Sorge, ob der Comic diese Worten gerecht werden könne oder ob die Geschichte zu sehr in Stereotype und Vorurteile absinkt.

“Sturmhöhe” von Yann und Edith

“Sturmhöhe” zählt zu den Klassikern des 19. Jahrhunderts. Der Roman ist auch in feministischer Hinsicht interessant, da er von Emily Brontë geschrieben wurde, die unter männlichem Synonym veröffentlichen musste und deren Schriften erst lange nach Brontës Tod Berühmtheit erlangten. Heute ist Brontë eine der bedeutendsten Schriftstellerinnen der englischen Romantik.

Nun haben es Klassiker (zumindest für mich) oft an sich, dass sie schwer zu lesen und schwerer zu genießen sind. Wie gut, dass jemand auf die Idee kam, „Sturmhöhe“ zum Comic umzuschreiben. Das macht ihn gleich wesentlich zeitgenössischer.

Origins

“Origins” versprüht auf dem Cover und auch auf den ersten Seiten einen derben “The Last of Us”-Vibe. Überwachsene Städteruinen, eine Szene in einer verlassenen U-Bahn… die postapokalyptischen Bilder sind mir direkt ins Auge gesprungen und auch im Kopf geblieben. Im englischsprachigen Original ist der Comic bei den Boom! Studios erschienen, einem meiner liebsten Comicverlage. Ich hatte den Comic deshalb schon länger im Auge und habe mich sehr auf die deutsche Veröffentlichung gefreut. Hält die Handlung, was das Cover verspricht?

“Vergiss mich nicht” von Alix Garin

“Vergiss mich nicht” von Alix Garin hat mich sehr an meinen Urgroßvater erinnert. Vor seinem Tod litt er an Alzheimer/Demenz (ich war zu jung, um mir der medizinischen Unterschiede bewusst zu sein) und ich konnte seinen geistigen Verfall hautnah miterleben. In dieser Hinsicht war der Comic auch eine sehr persönliche Auseinandersetzung mit meiner eigenen Vergangenheit.

“Im Spiegelsaal” von Liv Strömquist

Laut Klappentext gehören Liv Strömquists Sachcomics zu den meist verkauften Graphic Novels weltweit. Was soll ich sagen, auch in meinen Regalen stehen alle Werke von ihr, die bisher auf Deutsch erschienen sind. Selbstverständlich darf da auch ihr neuester Comic “Im Spiegelsaal” nicht fehlen. Auf den ersten und zweiten Blick ähnelt der den vorhergehenden Bänden – und das ist Fluch und Segen zugleich.

“Celestia” von Manuele Fior

Manuele Fior wird als extrem wandelbarer Star der europäischen Graphic-Novel-Künstler*innen beschrieben. Er wechselt Zeichenstil und Arbeitsmaterial für jedes seiner Projekte. Auf Deutsch sind von ihm unter anderem “Fünftausend Kilometer in der Sekunde” und “Die Übertragung” im avant-verlag erschienen. Nun gibt es ganz frisch einen thematischen Nachfolger von “Übertragung”, und zwar “Celestia”, ein Riesenwerk mit fast 300 Seiten.

“Unerschrocken – Gesamtausgabe” von Pénélope Bagieu

Im Blick hatte ich die zwei “Unerschrocken”-Bände von Pénélope Bagieu schon länger. Wenn ich mich recht erinnere, waren sie zwischendurch vergriffen. Das ist zumindest die einzige logische Erklärung, warum die Reihe nicht längst in meinen Besitz gewandert ist. Feminismus und Comics, da stehe ich einfach drauf. Naja, im Nachhinein ist das gar nicht schlimm, denn Reprodukt hat eine glorreiche Gesamtausgabe der Portraits von Bagieu veröffentlicht. Glorreich, weil das Cover glänzend ins Auge sticht und die ganze Aufmachung sehr hochwertig ist. Die Dicke des Papiers – herrlich! Und die glänzende Prägung auf dem Cover…

Um ehrlich zu sein, ich hätte mir die Gesamtausgabe auch zugelegt, wenn die Einzelbände bereits in meinem Besitz gewesen wären. Schließlich versteckt sich ein ziemlicher Schatz zwischen diesen prächtigen Buchdeckeln (trage ich ein wenig zu dick auf? Ich denke nicht).

“Das Inferno” von Michael Meier

Die “Göttliche Komödie” von Dante Alighieri wird laut Wikipedia als eines der größten Werke der Weltliteratur angesehen. In jüngeren Jahren habe ich mich einmal ambitionierterweise daran versucht. Allerdings merkt mensch dem Text seine 700 Jahre deutlich an. Die unzugängliche Sprache zwang mich dazu, den Schinken schnell wieder zu vergessen – trotz der eigentlich ziemlich coolen Idee von der Reise durch die neun Kreise der Hölle. Bis heute finden sich Spuren der Göttlichen Komödie in der modernen Popkultur, zum Beispiel in Videospielen. Wie gut also, dass Michael Meier sich in seinem Comic “Inferno” aufmacht und den Stoff aktualisiert und gleichzeitig zugänglicher macht.

“The Impure – Buch 1” von Ralf Singh und Hannes Radke

Bis vor kurzem waren mir Ralf Singh und Hannes Radke noch kein Begriff. Obwohl beide schon seit mehreren Jahren (nicht nur) in der deutschsprachigen Comicbranche aktiv sind, waren sie bisher unter meinem Radar geblieben. Als ich dann aber zum ersten Mal von “The Impure” hörte, war ich sofort neugierig. Das Cover und die Sci-Fi-Geschichte um zwei Geschwister auf unterschiedlichen Seiten eines Krieges haben definitiv mein Interesse geweckt. Nach einer wohl sehr erfolgreichen Kickstarter-Kampagne ist nun Band 1 (von 4) bei Cross Cult erschienen und da stellt sich mir die Frage: Hält der Comic, was er verspricht?

Spider-Woman 1 – Familiengeheimnisse

Wohoo, endlich mal wieder ein Verriss! Ich versuche, schon vorab möglichst gründlich auszuwählen, was ich lese, um mir große Enttäuschungen möglichst zu ersparen. Allerdings mogelt sich trotzdem immer mal wieder etwas richtig Schlechtes darunter. Umso mehr Spaß macht das anschließende Schreiben der Rezension. Dieses mal ließ mich der aktuellste Spider-Woman Comic absolut fassungslos zurück. Gerade die ongoing Serien von Marvel und DC lassen ja immer wieder eine ziemliche Mittelmäßigkeit aufblitzen, trotzdem: Was zur Hölle hatte ich da gerade gelesen? Und warum hatte ich mir das bloß angetan? Aber von vorne…

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