Bücher

„Zerrissene Erde“ von N. K. Jemisin

Was. Für. Ein. Buch! „Zerrissene Erde“ von Nora K. Jemisin nahm mich ab der ersten Seite gefangen und ließ mich erst lange nach der letzten wieder los. Am zweiten Leseabend war ich sterbensmüde und wollte nur noch kurz zehn Seiten lesen – anderthalb Stunden später habe ich zum ersten Mal wieder auf die Uhr gesehen. Nach meinem dritten Leseabend habe ich von dem Buch geträumt. Und als ich fertig mit Lesen war, war ich erstmal auch fertig mit den Nerven. Was ist an diesem Buch so besonders?

Die „Broken Earth“-Trilogie wurde in drei aufeinander folgenden Jahren mit dem Hugo Award ausgezeichnet, einem der bedeutendsten Literaturpreise für Werke der Science Fiction und Fantasy. Ich hätte also erahnen können, was mich erwarten würde. Trotzdem war ich nicht vorbereitet, als ich „Zerrissene Erde“ endlich von meinem Stapel ungelesener Bücher nahm, wo es über ein Jahr gelegen hatte.

„Im Zeichen der Mohnblume“ von R. F. Kuang

Fantasy, geschrieben von einer Autorin, spielend in einer an das feudale China angelehnten Welt und mit einem Mädchen als Hauptfigur. Wenn das nicht mal etwas erfrischend Neues ist! Rebecca F. Kuangs Debütroman, bereits 2018 im englischsprachigen Raum erschienen, wurde nun unter dem Titel „Im Zeichen der Mohnblume“ ins Deutsche übersetzt und ich muss ehrlich fragen: Warum hat das so lange gedauert? Schließlich war „The Poppy War“ überaus erfolgreich, hat Preise abgeräumt und war für den Nebula und den Locus Award nominiert.

The Witcher – Der Hexer Geralt von Riva

Ich gebe zu, ich kam über die Videospiele zu den Büchern und nicht umgekehrt. Fantasy aus Polen war mir damals nicht wirklich ein Begriff, die drei Spiele haben mich aber umso mehr begeistert. Nun hat sogar Netflix sich dem Stoff angenommen und eine Serie über den Hexer produziert. Gibt es noch jemanden da draußen, der mit Geralt von Riva überhaupt nichts anfangen kann? Dann folgen hier einige Infos.

„Das wandelnde Schloss“ von Diana Wynne Jones

Lasst uns das neue Jahr beginnen mit jeder Menge Magie, einer zauberhaften ältesten Schwester und der fiesesten Hexe, von der ich seit langem gelesen habe. Wie? So viele Frauen und das geschrieben von einer Autorin, kann das noch Fantasy sein? Kleiner Scherz, die Umstände sind zwar weiterhin prekär (hier sehr gut beschrieben), aber ich habe durchaus Hoffnung, dass der Trend zu diverseren Figuren und mehr weiblichen* Autorinnen im Rampenlicht anhält und wir irgendwann bei so etwas wie Gleichberechtigung ankommen.

„A Thousand Ships“ von Natalie Haynes

In „A Thousand Ships“ geht es um den trojanischen Krieg, bei dem die namensgebenden tausend Schiffe vor der Küste Trojas landeten und der nach zehn Jahren mit der großen List der Griechen und dem Niedergang Trojas enden sollte. Viele legendäre Figuren kämpften in diesem Krieg mit: Achilles, Odysseus, Hector, Paris… klar, alles Männer. Helena spielt zwar auch mit, aber sie ist nur Objekt der Begierde, Kriegsbeute, ohne wirkliche eigene Geschichte.

Wäre es da nicht interessant, den Trojanischen Krieg einmal aus einem anderen Blickwinkel zu sehen? Wenn einmal Frauen die handelnden und fühlenden Charaktere wären? Genau das versucht „A Thousand Ships“. Und diese Idee finde ich richtig und wichtig. Schließlich wurden Frauen den größten Teil der Menschheitsgeschichte marginalisiert und zu Randfiguren degradiert – und werden es immer noch. Aber eine gute Idee bedeutet nicht gleich ein gutes Buch, oder?

„Eine Reise in die geheimnisvolle Tiefsee“

Komm mit mir auf wundersame Weise auf die Reise… zum tiefsten Punkt des tiefsten Meeres. Du brauchst: Nichts. Außer diesem Buch. Denn die Illustrationen in „Eine Reise in die geheimnisvolle Tiefsee“ sind so realistisch und so schön anzusehen, vermutlich kann die Realität damit gar nicht mithalten. Illustratorin Annika Siems hat einen wundervollen Job erledigt und ich würde sehr gerne einmal die großformatigen Ölgemälde bewundern, die sie für dieses Buch gemalt hat. Und in dem Moment, als ich die Rezension von Gabriela gelesen habe, wusste ich: Dieses Buch will ich auch rezensieren!

„Oktobermann“ von Ben Aaronovitch

Ein Titel, der perfekt zum Herbst passt, sollte frau* denken. Und Ben Aaronovitch, ein großer Name, also sicher auch ein großes Buch, sollte frau* denken. Ich habe es bisher nicht geschafft, Aaronovitchs „Die Flüsse von London“-Reihe zu lesen, aber mir wurde gesagt, „der Oktobermann“ sei auch ohne Vorkenntnisse lesbar. Also dachte ich mir, vielleicht ist das ein super Einstieg in die Welt der Flüsse von London und vielleicht macht mir das Buch ja Lust auf (viel) mehr? Und dann war Janna von KeJas-BlogBuch auch noch so nett und hat mir ihr Exemplar zukommen lassen. Dann mal nichts wie los ins Abenteuer!

„A Little Hatred“ von Joe Abercrombie

Am 18. Oktober 2012 erschien „Red Country“, Joe Abercrombies letztes Buch in der „First Law“-Welt (Kurzgeschichtensammlungen zählen nicht). Das ist wichtig, weil es zeigt, wie lange ich auf „A Little Hatred“ gewartet habe. Beinahe sieben Jahre. Beinahe sieben Jahre, in denen ich zwar immer wieder an meine alten Bekannten Logen Neunfinger, Großinquisitor Glokta, Monza und Calder gedacht, aber nichts neues gehört habe. Kein Brief, nichts. Jetzt sind sie alle auf einen Schlag wieder da, mitsamt ihrer Welt voller Grautöne, die niemanden unversehrt aufwachsen lässt und jeden auf die eine oder andere Weise korrumpiert. Hier gibt es kein „Gut gegen Böse“ , höchstens ein „Besser gegen Schlimmer“ . Gott, wie habe ich es vermisst! Aber muss ein Buch, dessen Veröffentlichung mit so vielen Versprechungen und Erwartungen einhergeht, nicht zwangsweise enttäuschen?

„Herkunft“ von Saša Stanišić

Ich habe begonnen das Buch zu lesen, aber das war eine schlechte Idee: „Herkunft“ ist kein Roman zum Lesen, es ist eine Erzählung zum Hören, zum Zuhören. Abends am Lagerfeuer. Oder woanders, egal wo, Hauptsache frau* kann sich von der Außenwelt abschotten und sich ganz der Stimme des Erzählers hingeben. Und was für ein Erzähler das ist: Saša Stanišić, der Autor höchstselbst, leiht dieser – seiner – Geschichte Glaubwürdigkeit und Dramatik, wie es niemand anderes könnte. Immer wieder habe ich mich in und zwischen den Zeilen verloren, ganz im Sog von Stanišićs Stimme.

Buchcover zu "Herkunft" von Sasa Stanisic
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