Bücher über Rassismus

Was George Floyd angetan wurde, ist nur der Gipfel eines Eisbergs an Rassismus, dem BIPoC (black, indigenous, people of color) auf der ganzen Welt täglich ausgesetzt sind. Ich, ebenso wie viele Leser*innen dieses Blogs, sind in der absolut privilegierten Situation, dass wir Rassismus nie am eigenen Leibe erfahren mussten.

Niemand hat mir ungefragt in die Haare gefasst, nie wurde ich bei der Vergabe von Jobs benachteiligt, nie grundlos von der Polizei kontrolliert, nie wurde mir aufgrund meiner Hautfarbe Gewalt angetan. Beispiele für Rassismus in Deutschland sind zum Beispiel nachzulesen unter #schwarzesDeutschland von Jade S. Kye auf Twitter:

Ein #blackouttuesday mit einem Instagram voller schwarzer Quadrate mag ein Zeichen sein. Es gibt noch viel mehr Möglichkeiten, Unterstützung zu zeigen, auch aus Deutschland:

Und weil ich in einem Anflug von gnadenlosem Optimismus noch immer glaube, dass Wissen und Literatur die Welt verbessern können, möchte ich euch hier drei Bücher über Rassismus vorstellen, die ich selbst in den kommenden Wochen lesen werde.

„Warum ich nicht länger mit Weißen über Hautfarbe spreche“

von: Reni Eddo-Lodge | Verlag: Tropen | Erschienen am: 31.03.2019

Was bedeutet es, in einer Welt, in der Weißsein als die selbstverständliche Norm gilt, nicht weiß zu sein? Reni Eddo-Lodge erzählt die Geschichte des Rassismus und zeigt anhand anschaulicher Beispiele, wie tief struktureller Rassismus in unserer Gesellschaft verankert ist. Und dass auch vermeintlich tolerante Menschen dazu beitragen, Strukturen der Ungleichbehandlung aufrechtzuerhalten.

Die Autorin Reni Eddo-Lodge ist Journalistin und Podcasterin. Sie schreibt unter anderem für den Guardian und die New York Times. „Warum ich nicht länger mit Weißen über Hautfarbe spreche“ hat seit seinem Erscheinen 2017 viele Preise gewonnen. Das Buch liegt bereits seit einiger Zeit auf meinem Stapel ungelesener Bücher und spätestens jetzt wird es höchste Zeit, dass ich mich intensiv damit beschäftige.

„Schwarz sein in einer rassistischen Welt“

von: Ijeoma Oluo | Verlag: Unrast | Erschienen am: 28.05.2020

Teilweise biographisch analysiert Ijeoma Oluo in diesem gerade erst auf Deutsch übersetzten Buch rassistische Verhaltensweisen, denen BIPoC tagtäglich ausgesetzt sind. Dabei wird in jedem Kapitel eine Frage beantwortet: Warum darf ich das „N-Wort“ nicht benutzen? Warum darf ich deine Haare nicht anfassen? Hat Polizeigewalt wirklich etwas mit Rassismus zu tun? Beim ersten Anlesen fand ich diese Herangehensweise sehr zugänglich und Oluos Gedankengänge gut nachvollziehbar. Schade, dass es über zwei Jahre gedauert hat, bis „So You Want to Talk About Race“, so der amerikanische Originaltitel, übersetzt wurde, obwohl das Buch sogar ein New York Times-Bestseller ist.

Die Autorin Ijeoma Oluo ist Politikwissenschaftlerin, Autorin und Journalistin. Sie gilt als eine der einflussreichsten Personen in ihrer Heimatstadt Seattle.

„The Hate U Give“

von: Angie Thomas | Verlag: cbt | Erschienen am: 26.12.2018

Zum Schluss ein Roman, der Rassismus vielleicht noch aus einem anderen Blickwinkel zeigt. Es geht um Starr, die in einem schwarzen Viertel aufwächst und gleichzeitig auf eine überwiegend weiße Privatschule geht. Als ihr bester Freund Khalil vor ihren Augen von einem Polizisten erschossen wird, steht Starr an einem Scheideweg. Wie in den beiden anderen Büchern geht es auch hier um rassistische Strukturen innerhalb der Gesellschaft, nur steht dieses Mal eine 16jährige im Mittelpunkt, die eigentlich nur ihren Platz im Leben finden will.

„The Hate U Give“ hat jede Menge Preise abgeräumt, unter anderem 2017 bei goodreads für das beste Debüt und 2018 den deutschen Jugendliteraturpreis. Außer „The Hate U Give“ hat Autorin Angie Thomas noch den Roman „On the Come Up“ verfasst, der seit März 2019 ebenfalls auf Deutsch erhältlich ist.

Kennst du weitere empfehlenswerte Bücher über Rassismus? Erzähl mir gerne mehr darüber in den Kommentaren.

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6 Kommentare zu „Bücher über Rassismus“

  1. The hate u give fand ich so gut! Danke für die anderen beiden Tipps, die klingen sehr interessant. Ich fand noch Deutschland Schwarz Weiss von Noah Sow sehr hilfreich im Bezug auf den Alltagsrassismus, der in unserer Sprache tief verankert ist.

    Ich schulde dir auch noch einen Gastbeitrag… Asche auf mein Haupt. 🙂

    1. Hey Maria,

      vielen Dank für den Tipp =) Erstmal: Du schuldest mir gar nichts. Natürlich steht dir mein Blog immer für einen Gastbeitrag offen. Melde dich einfach, wenn du mal über ein bestimmtes Thema schreiben willst =)

      Viele liebe Grüße,
      Nico

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