„Ära des Verrats“ von S. D. Foik

Mitte September ist die Autobiografie von Edward Snowden erschienen und sie liest sich sicher brisant. Er hat sicher jede Menge zu erzählen. Aber warum eine Biografie lesen, wenn frau* dieselbe Geschichte auch verpackt als Spionage-Thriller genießen kann? Schließlich erzählt „Ära des Verrats“ von S. D. Foik ebenfalls Snowdens Geschichte.

Ära des Verrats | Autor: S. D. Foik | Verlag: BoD – Books on Demand
Erschienen am: 03.06.2020 | Seiten: 660
Werbung: Rezensionsexemplar

Stimmt’s?

Die Erzählperspektive ist allerdings eine andere als bei Snowdens Autobiografie. Im Mittelpunkt steht NSA-Agent Corrigan, anfangs stationiert in der amerikanischen Botschaft in Hongkong. Gemeinsam mit seinem Team ist er für die Suche nach Snowden verantwortlich. Allerdings sind sie nicht die Einzigen. Auch die Russen, die Chinesen und sogar Julian Assange von wikileaks mischen mit. Das kann ja gar nicht gut gehen…

Sehr gelungen fand ich die Vermischung von Tatsachenbericht und Erfundenem. Immer wieder habe ich Personen und Zeitungsartikel gegoogelt und auch Einiges nachgelesen. Das Ganze ist spannend verpackt und liest sich gut herunter, trotz der stattlichen Länge von 660 Seiten. Auch wenn der Ausgang von Snowdens Flucht bekannt ist, wird das Buch nie langsam, vor allem weil sich der Fokus irgendwann von der Jagd auf Snowden wegbewegt.

In Corona-Zeiten waren auch die im Buch besuchten Orte interessant: Durch den Kowloon Park in Hongkong würde ich auch gern mal schlendern und der Majdan-Platz in Kiew muss wirklich beeindruckend sein. Im Buch (und zumindest im Falle des Majdan auch in Wirklichkeit) werden die Orte allerdings zu Schauplätzen schrecklicher Gewalttaten.

So viel Hass

Agent Corrigan ist ein wahrer Mistkerl, der ständig Koks schnieft und auf die Leichen von Folteropfern pinkelt. Manche Figuren fand ich dann doch ein wenig überzeichnet. Mag sein, dass es amerikanische Agent*innen gibt, die diesem Muster entsprechen, mir hat allerdings ein Stück weit die Ambivalenz, die Menschlichkeit gefehlt. So war mir Corrigans Schicksal recht egal. Auch sprachlich hätte dem amerikanischen Agententeam etwas Mäßigung gutgetan. Zu viele Penis-Analogien für meinen Geschmack.

Insgesamt ist „Ära des Verrats“ ein spannender Spionage-Thriller, der sehr gelungen Realität mit Fiktion mischt und vor dem Hintergrund der Snowden-Flucht die Geschichte eines knallharten US-Agenten erzählt. Mir persönlich war Hauptfigur Corrigan aber zu platt und die Sprache stellenweise zu derb. Deshalb gibt es 3 von 5 Lesezeichen.

1 Kommentar zu „„Ära des Verrats“ von S. D. Foik“

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